Virtueller Marktplatz

Ein Rettungsring für kleine Läden

Von Tobias Bühlmann

20.4.2020

«Nannas Bunte Küche» aus St. Gallen: Der Laden findet nun seine Kunden online.
Bild: zVg

Die Schliessungen wegen der Pandemie dauern an. Ein Marktplatz im Internet soll Läden in dieser Notsituation trotzdem Kunden bringen: Der «Lädelishop» verhilft Kleinen zu virtuellen Kunden.

Der Lockdown dauert an. Und viele Läden dürfen erst in drei Wochen wieder öffnen, hat der Bundesrat verfügt. Wer trotzdem Geld verdienen will, kann in der Zwischenzeit auf Bestellung liefern oder die eigenen Waren übers Internet verkaufen. Doch wer eine Kleiderboutique, einen Pastaladen oder eine Konditorei betreibt, dem fehlt oft Zeit und Wissen, um einen Webshop aus dem Boden zu stampfen.

Zum Start gleich überrannt

Darum hat Gerhard Schriebl kurzerhand eine eigene Plattform entworfen. Der Online-Kampagnen-Spezialist hat zusammen mit weiteren Leuten in wenigen Tagen den Lädelishop aus dem Boden gestampft. Das Internetportal gibt kleinen Läden in der Coronakrise die Möglichkeit, ihre Produkte auf einem grossen Online-Markt anzubieten.

Das Konzept: Schriebl und seine Leute kümmern sich um Technik, Zahlungsdienstleister und betreiben etwas Werbung. Die einzelnen Geschäfte stellen die Waren auf dem Portal ein und verschicken das Bestellte dann direkt an die Kunden.



Kaum online, kam gleich die erste Bewährungsprobe: Der Lädelishop wurde in einem Bericht von «10vor10» vorgestellt. Das führte zu einem derartigen Ansturm, dass erst einmal anderthalb Stunden nicht mehr ging. Doch nun läuft das Geschäft – bei einigen sehr gut sogar.

Im Gespräch mit «Bluewin» erwähnt Schriebl das Beispiel der Schoggiwerkstatt Tischhauser. Dem kleinen Anbieter aus der Stadt Zürich rannten die Kunden zu Ostern die virtuelle Ladentheke ein. «Die Betreiberin musste gleich mal ein Wochenende durcharbeiten, um all die bestellten Schoggihasen zu produzieren», so Schriebl. Danach brauchte sie offenbar erst einmal eine Pause: In der Woche nach Ostern hat der Laden dann auch eine Woche Ferien eingelegt, wie der entsprechenden Unterseite im Lädelishop zu entnehmen war.

Nicht alle Produkte sind gefragt

Andere Angebote hingegen laufen eher zaghaft: Kleider aus der Boutique kaufen die Kunden eher ungern online, hat Schriebl festgestellt. Und auch teure Bijouterie-Ware sei nicht unbedingt der Renner. Hingegen geschäften Anbieter von Lebensmitteln recht erfolgreich: Eine Aargauer Metzgerei verschicke beispielsweise fleissig Trockenfleisch, eine St. Galler Anbieterin erzielt Erfolge mit ihren fixfertigen Getreidemischungen, so die Betreiber

Gerhard Schriebl
Bild: zVg

Der Spezialist für Online-Kampagnen lebt in Zürich. Gemeinsam mit weiteren Helfern hat er den Online-Marktplatz laedelishop.ch aufgebaut.

Bisher verkaufen 170 Geschäfte ihre Produkte auf dem Portal von Lädelishop. Und die Betreiber hoffen, dass das Projekt über die Coronakrise heraus bestehen wird. Schriebl geht es auch darum, die einzelnen Läden aus ihrer Einzelkämpferposition zu holen. «Mit einem eigenen Webshop bedient man nur seine Stammkunden, neue Leute finden solche Angebote kaum», sagt er. Mit einem virtuellen Marktplatz hingegen wachse die Chance, dass auch neue Kunden das eigene Sortiment entdecken, die nicht auf eine einzelne Webpräsenz gestossen wären.



Geld verdienen die Betreiber der Site derzeit allerdings nicht – im Gegenteil: Sie nehmen 15 Prozent Provision von allen Verkäufen, doch davon fressen nur schon die Kosten des Bezahlungsdienstleisters einen Fünftel gleich wieder auf, der Rest fliesst in Werbung und deckt die Kosten für die Technik. Einen Lohn für die Arbeit zahlen sich die Betreiber nicht aus. «Bisher habe ich draufgelegt», sagt Schriebl. Aber er sehe es als Investition in die Zukunft.

Chronologie der Coronakrise
Zurück zur Startseite