Erste 8K-Displays vorgestellt: Brauche ich jetzt einen neuen Fernseher?

3.9.2018 - 09:51, Pascal Landolt

Samsung hat an der IFA vorgelegt und eine 8K-Fernsehreihe präsentiert. Ist 4K/UHD schon passé?
Bluewin

Eben noch war 4K/UHD das Mass aller Dinge bei TVs, nun preschen bereits die ersten Hersteller mit 8K-Modellen vor. Ist es jetzt schon wieder Zeit, an der Fernseh-Front aufzurüsten? «Bluewin» sagt, was Sache ist.

Diesen Sommer begann der grosse Run auf 4K/UHD-Fernseher: Erstmals wurde die Fussball-WM im ultrascharfen Bildformat ausgestrahlt, und nicht wenige Zuschauer dürften sich extra dafür einen neuen Fernseher zugelegt haben. «Bluewin» hatte dazu einen TV-Kauf-Guide zusammengestellt.

Doch nun haben die Hersteller wie Samsung und LG bei der diesjährigen IFA in Berlin bereits nachgedoppelt: Der neueste Benchmark ist jetzt das 8K-fähige Gerät, also ein Display mit einer Auflösung von 7,680 mal 4,320 Pixeln, was einer Vervierfachung der Bildpunkte gegenüber der 4K-Auflösung bedeutet.

4K-Standard schon veraltet?

Sind unsere Neugeräte also schon veraltet, und ist der 8K-Zug jetzt nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: Nein, Sie können erstmal durchatmen.

Wir erklären an dieser Stelle die Vorteile der neuen 8K-Auflösung und für wen sich Geräte mit dem superscharfen Bild jetzt schon eignen.

Mit 8K können vier Mal so viele Details dargestellt werden wie mit den aktuellen 4K/UHD-Fernsehern.
Bluewin

Was kann ein 8K-Fernseher besser?

Theoretisch ist es möglich, mit 8K vier Mal so viele Bildpunkte, also eine vier Mal so feine Auflösung anzuzeigen wie mit 4K/UHD. Bei einer höheren Auflösung fallen die einzelnen Bildpunkte auf dem Schirm auch auf kleine Distanzen weniger auf.

Deshalb geht es nicht primär darum, die Fernsehgeräte noch grösser zu machen: Vielmehr erlaubt es 8K, grosse TVs auch in kleineren Wohnungen aufzustellen. Die Bildschirmdiagonalen sind nämlich in den letzten Jahren immer grösser geworden, ohne dass sich die Nutzer dabei weiter von ihrem Gerät weggesetzt hätten.

So viel Fläche würden 4K, Full HD oder andere Auflösungen auf einem 8K-Monitor einnehmen.
bestusbpoweredmonitor.com

Nun sollen mit 8K also auch die Pixel so fein werden, dass sie mit blossem Auge auch auf kurze Distanz nicht mehr erkennbar sind. Apple beispielsweise hatte diese Grenze mit seinem «Retina»-Display auf Mobilgeräten auch so definiert.

Voraussetzung dafür ist aber, dass Fernsehsender oder Filmanbieter und Streaming-Dienste auch tatsächlich Inhalte in dieser Auflösung anbieten. Und daran mangelt es momentan noch.

Welche Inhalte gibt es schon in 8K-Auflösung?

Während 4K/UHD-Inhalte beispielsweise über Netflix und Swisscom TV UHD ihren Weg auf kompatible Fernseher finden, gibt es in 8K noch nicht viel zu bestaunen. Seit November 2017 beispielsweise bietet die Online-Videoplattform «Vimeo» eine Sektion mit 8K-Videos an.

Führend zeigt sich hier wieder Japan, wo die Fernsehgesellschaft NHK bereits seit Dezember einen Testkanal in 8K aufgeschaltet hat. Geplant ist, dass die Sommerolympiade 2020 in Tokyo der neuen Technologie zum Durchbruch verhelfen soll: In Japan sollen die Spiele in 8K übertragen werden. Wie viel dieser Inhalte ihren Weg nach Europa finden, ist allerdings noch offen.

Japan ist führend bei 8K-Inhalten. Der Sender NHK möchte die Sommerolympiade 2020 bereits im neuen hochauflösenden Standard übertragen. Erste Versuche wurden in Rio 2016 gemacht.
NHK

Besser dran ist, wer selber Fotos und Videos in 8K produziert, dazu sind mittlerweile schon einige Modelle in der Lage – beispielsweise das professionelle Kamera-Lineup von Sony oder die im Profibereich populären «RED»-Aufnahmegeräte. Eines vorneweg: Preisgünstig sind Aufnahmen in 8K momentan definitiv noch nicht.

«Upscaling» statt besserer Inhalte

Dass native 8K-Inhalte noch rar sind, weiss auch Samsung und lockt deshalb erstmal mit einem Feature namens «Upscaling», dem Hochskalieren. Dabei soll der Fernseher ein bestehendes HD- oder 4K-Signal mittels der vielgerühmten künstlichen Intelligenz mit einem Algorithmus verbessern und damit auf 8K-Niveau heben.

Nun wissen wir ja seit der «CSI»-Agentenserien, dass das nachträgliche Schärfen von Bildern eigentlich ins Reich der Märchen gehört. Über die «enhance»-Rufe, wenn aus Pixelbrei am Bildschirm ein wasserdichtes Indiz entsteht, mokiert sich bisweilen das ganze Internet.

Allerdings gibt es tatsächlich auch erfolgreiche Bildschärfungen, wie beispielsweise das Forschungsprojekt «Let's Enhance», das mittels eines neuronalen Netzwerks tatsächlich glaubwürdige Retouchen hinbekommt.

«Upscaling» ist, wenn ein Computeralgorithmus fehlende Bildinformationen selbständig ergänzt, um ein schärferes Bild zu erhalten. Links ein verpixeltes Bild, das rechts geglättet wurde.
digitalvision.tv

Am Samsung-Stand an der IFA war zum Vergleich ein Test-Setup aufgestellt, bei dem auf einem Fernseher das HD- oder 4K-Signal lief und einem 8K-Bild durch «upscaling» gegenübergestellt wurde. Tatsächlich wirkte das Bild in der 8K-Version schärfer und brillanter. Als unabhängiger Beweis des tatsächlichen Nutzens sollte diese Illustration jedoch nicht verstanden werden.

Diese Hersteller haben bereits 8K-TVs angekündigt

Vorerst ist die Auswahl bei 8K-Modellen noch relativ beschränkt: Die ersten Anbieter sind Samsung mit seiner eben angekündigten Q900-Serie mit Bildschirmdiagonalen von 65, 75 und 85 Zoll sowie Sharp mit Modellen seiner Aquos-Serie, die bisher vor allem in Japan angeboten wurden.

Am günstigsten ist der 8K-Einstieg momentan wohl mit den Samsung-Modellen, die ab Oktober mit Preisen zwischen 4'799 (65") und 14'999 Franken (85") in die Schweiz kommen sollen. Auch hier dürften sich die Preise in Zukunft wie bei allen neuen TV-Technologien nach unten entwickeln.

Die Kombination von QLED-Technik und 8K-Auflösung sorgt bei Samsungs neuer Q900-Modellreihe für brillante Farben und scharfe Bilder.
Bluewin

Wer braucht jetzt schon einen 8K-Fernseher?

Fassen wir zusammen: 8K ermöglicht in der Theorie einzigartig scharfe Bilder auch auf grossen TV-Diagonalen. Da viele Stationen ihre Inhalte bisher allerdings knapp in 4K/UHD anbieten, ist der Kauf eines 8K-Gerätes vor allem eine Investition in die Zukunft.

Wenn Samsung diesen Oktober seine erste Modellreihe in der Schweiz anbietet, langen also vor allem early Adopter zu, die für das Nonplusultra auch bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen.

Wer nahe an seinem TV sitzt und trotzdem auf eine Diagonale von 65 Zoll oder mehr setzen möchte, könnte vom «Upscaling» der bisherigen Inhalte tatsächlich profitieren. Für die überwiegende Mehrheit der Zuschauer und Gamer dürfte jetzt hingegen eine hervorragende Zeit sein, sich nach einem 4K/UHD-Gerät umzusehen.

Diese Fehler passieren beim Tech-Kauf oft

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