Vertrauensfrage Bezahlst du das WLAN bei Swiss künftig direkt mit Daten an Elon Musk?

Martin Abgottspon

29.1.2026

Starlink verwendet Daten seiner Nutzer für KI-Training.
Starlink verwendet Daten seiner Nutzer für KI-Training.
ChatGPT @blue News

Die Swiss läutet mit der Einführung von Starlink ein neues Highspeed-Zeitalter an Board ein. Gleichzeitig geraten die Datenschutzpraktiken von Elon Musks Satellitendienst unter Beschuss. Wie die Fluggesellschaft damit umgeht.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Swiss rüstet ihre Flotte ab 2026 auf Starlink um, um stabiles Highspeed-Internet anzubieten.
  • Der Partner Starlink nutzt Kundendaten seit Januar 2026 ungefragt für das Training eigener KI-Modelle, wobei Passagiere dieser Nutzung aktiv widersprechen müssen (Opt-out).
  • Die Swiss gibt an, das Internet-Angebot in Einklang mit den geltenden gesetzlichen Regelungen zum Schutz personenbezogener Daten umzusetzen.

Wer über den Wolken arbeitet oder streamt, kämpft oft mit quälend langsamen Verbindungen. Für die Swiss deshalb Grund, hier technologisch aufzurüsten und der digitalen Funkstille ein Ende zu setzen. Mit der Technologie von Starlink soll Highspeed-Internet zum neuen Standard an Bord werden, wie Swiss Mitte Januar mitteilte. Praktisch gleichzeitig rückten allerdings wieder einmal die Datenschutzpraktiken von Elon Musks Unternehmen in den Fokus.

«Starlink bietet, anders als bisherige Anbieter, auch über dem Nordpol eine sehr gute Konnektivität.»

Die Entscheidung für Starlink als Partner ist aus technischer Sicht konsequent. Alternative Anbieter stossen insbesondere in hohen Breitengraden oft an ihre Kapazitätsgrenzen oder quittieren den Dienst gleich ganz. Starlink nutzt hier ein Geflecht aus tausenden Satelliten im niedrigen Erdorbit. Für die Swiss ist dies auch das entscheidende Argument für die Zusammenarbeit: «Starlink bietet, anders als bisherige Anbieter, auch über dem Nordpol eine sehr gute Konnektivität», erklärt Swiss-Mediensprecher Boris Ogursky auf Anfrage von blue News. Besonders für die strategisch wichtigen Routen nach Nordamerika und Japan sei dies essenziell.

Vergleichbare Technologien seien derzeit am Markt schlicht nicht verfügbar. Die Airline verspricht ein Premium-Reiseerlebnis, bei dem Cloud-basiertes Arbeiten und Streaming für Statuskunden und Nutzer der Travel ID ab 2026 kostenlos zur Verfügung stehen sollen. Doch der Preis für dieses kostenlose Angebot könnte versteckte Kosten in Form von Nutzerdaten beinhalten.

Bei Flügen über den Atlantik soll das WLAN sicher bestehen bleiben.
Bei Flügen über den Atlantik soll das WLAN sicher bestehen bleiben.

Die Cloud als Trainingslager für Elon Musks KI

Denn nur zwei Tage nach der Bekanntgabe der Swiss hat Starlink seine Datenschutzrichtlinien massiv verschärft. Seit dem 15. Januar behält sich das Unternehmen vor, personenbezogene Daten für das Training von Modellen für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz zu verwenden. Ein explizites Einverständnis der Nutzer wird dabei nicht eingeholt. Das System ist auf «Opt-out» programmiert. Das heisst, wer nicht möchte, dass seine Daten in Musks KI-Projekte wie den Chatbot «Grok» fliessen, muss dies manuell in den tiefen Ebenen der Kontoeinstellungen deaktivieren.

Im Weiteren räumt sich Starlink das Recht ein, Daten in «begrenzten Fällen» an Dritte weiterzugeben. Zwar beteuert Starlink, Browser-Verläufe und Standorte nicht zu teilen, doch die Menge der verbleibenden Metadaten bleibt eine wertvolle Ressource für die Optimierung algorithmischer Systeme.

Auch das Arbeiten an Board soll mit dem neuen Internet wesentlich einfacher werden.
Auch das Arbeiten an Board soll mit dem neuen Internet wesentlich einfacher werden.
Swiss

Umsetzung des Datenschutzes «in Ausarbeitung»

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Auf die konkrete Frage, wie die Swiss ihre Fluggäste vor dieser ungefragten Datennutzung schützen will, gibt sich die Airline zurückhaltend. Man befinde sich in Arbeitsgruppen, um die Details der Implementierung auszuarbeiten. Die Ausgestaltung werde «im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Regelungen» erfolgen, so Boris Ogursky. Ob die Swiss-Passagiere standardmässig vor dem KI-Training geschützt werden oder ob sie sich nach dem Login über den Wolken selbst durch das Kleingedruckte kämpfen müssen, bleibt vorerst offen.

Die Herausforderung für die Swiss ist dabei doppelt gewichtet. Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) stellt hohe Anforderungen an die Transparenz und den Zweck der Datenverarbeitung. Ein US-Unternehmen, das Daten global für firmenfremde KI-Zwecke aggregiert, bewegt sich hier in einer juristischen Grauzone.

Trotz der datenschutzrechtlichen Bedenken läuft die Maschinerie an. Bis Ende 2029 soll die gesamte Flotte umgerüstet sein. Die ersten Flugzeuge werden ab dem zweiten Halbjahr 2026 mit den neuen Antennensystemen ausgestattet. Für die Swiss bedeutet dies einen massiven Investitionsschub in die Hardware, während die Software-Fragen noch in den Büros der Arbeitsgruppen verhandelt werden.