Signal-GateSo einfach finden sich Daten hochrangiger US-Politiker im Netz
Martin Abgottspon
31.3.2025
Auch die Daten von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth waren frei zugänglich.
Imago
Die Auswirkungen des Signal-Fauxpas werden immer grösser. So sollen auch Daten hochrangiger Politiker im Netz gelandet sein. Ein sicherheitspolitischer Skandal.
Private Daten, Passwörter und Chat-Accounts hochrangiger US-Sicherheitsbeamter wie Pete Hegseth, Tulsi Gabbard und Mike Waltz sind im Internet öffentlich einsehbar.
Die Betroffenen diskutierten in Chates miteinander, unter anderem auch über einen US-Militärschlag gegen Huthi-Milizen.
IT-Sicherheitsexperten warnen vor Spionage, Phishing und Deepfake-Angriffen durch ausländische Dienste, da die geleakten Informationen Zugang zu sensiblen Daten ermöglichen.
Die Handynummer des US-Verteidigungsministers, das Google-Konto der Geheimdienstkoordinatorin, Signal-Accounts von hochrangigen Politikern – alles öffentlich zugänglich. Eine exklusive Recherche des Spiegel legt nahe, dass persönliche Daten mehrerer zentraler Figuren in Donald Trumps nationalem Sicherheitszirkel kompromittiert sind. Mit möglicherweise gravierenden Folgen für die US-amerikanische Sicherheitspolitik.
Besonders heikel: Die betroffenen Offiziellen diskutierten nach Angaben des Atlantic kürzlich in einem privaten Signal-Chat nichts Geringeres als einen bevorstehenden Militärschlag gegen die Huthi-Milizen im Jemen. Teilnehmer dieser vertraulichen Runde waren unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth, Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard sowie Sicherheitsberater Mike Waltz.
Signal-Chats mit privaten Nummern?
Unklar ist bislang, ob die Konversation über Signal-Accounts lief, die mit den öffentlich recherchierbaren Mobilnummern der Beamten verknüpft sind. Wie die bisherigen Recherchen aber aufzeigen, sind noch am Mittwoch privat genutzte Telefonnummern von Gabbard und Waltz mit aktiven Signal-Profilen verbunden gewesen.
Die Signal-App, eigentlich für ihre Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt, schützt nur, wenn Absender und Empfänger auch sicher authentifiziert sind. Sind die Accounts kompromittiert, ist es auch der Kanal. Tulsi Gabbard selbst verweigerte jede Auskunft. Das Weisse Haus bestätigte den Vorfall zwar, Präsident Trump wiegelte jedoch ab. Es sei nicht um klassifizierte Inhalte gegangen.
So schnell waren die Accounts offengelegt
Die Kontaktdaten der involvierten Sicherheitsberater fand Spiegel auf erstaunlich einfache Weise. Über kommerzielle Anbieter, die etwa für Recruiting oder Marketing genutzt werden, liess sich beispielsweise Pete Hegseths Gmail-Adresse sowie seine Mobilnummer herausfiltern. Die gleiche Adresse taucht in über 20 bekannten Leaks auf. Die Mobilnummer führte zu einem WhatsApp-Account, dessen Profilbild den Minister in Baseballkappe und ohne Hemd zeigte. Die Gesichtserkennung bestätigte, dass es sich um Hegseth handelt.
Auch Mike Waltz ist betroffen. Seine Nummer lässt sich über gängige Personensuchmaschinen auffinden, mehrere seiner Passwörter sind in geleakten Datenbanken öffentlich verfügbar. Darüber gelangten die Reporter zu seinen Konten bei Microsoft Teams, LinkedIn, WhatsApp – und eben auch Signal.
Politico reports that National Security Advisor Waltz sent text messages over Signal, an unauthorized unsecure platform, discussing Russia/Ukraine strategy and military operations. https://t.co/DgFYkx7LwOpic.twitter.com/4TB8Grif9M
Tulsi Gabbard scheint vorsichtiger vorgegangen zu sein. Ihre Daten fehlen in vielen der kommerziellen Suchmaschinen. Doch ihre E-Mail-Adresse kursiert seit Jahren auf Plattformen wie Reddit oder WikiLeaks, und auch sie findet sich in über zehn verschiedenen Datenlecks. Darunter auch ein Leak, der zu einem aktiven WhatsApp- und Signal-Konto führt. Offenbar mit der gleichen Adresse.
Michael Waltz' Daten sind ebenfalls im Netz gelandet.
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USA macht sich einfach angreifbar
Für Donald Ortmann, Spezialist für Informationssicherheit, ist klar: «Exponierte Daten von Spitzenpolitikern ermöglichen es Angreifern, überzeugende Phishingangriffe zu starten und den Zugang zu Geräten und diversen Diensten zu übernehmen.» Er warnt vor der Möglichkeit, über kompromittierte Konten Schadsoftware zu installieren oder sogar Deepfake-Teilnahmen an Meetings zu inszenieren.
Ob die geleakten Passwörter immer noch funktionieren, ist nicht bekannt. Zum Schutz der Privatsphäre verzichtet das Rechercheteam auf die Veröffentlichung der sensiblen Informationen. Die betroffenen Offiziellen wurden informiert.
🇺🇸 The White House says the Signal leak scandal is "closed." Spokeswoman Karoline Levitt told reporters that Trump still sees NatSec Advisor Mike Waltz as part of his team.
"Steps have been taken to ensure this never happens again," she added.https://t.co/HxJ53kbLzH
Die Reaktion aus Washington bleibt allerdings vage. Während das Pentagon nicht auf Anfragen reagierte, liess ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats verlauten, Waltz’ Passwörter seien bereits 2019 gewechselt worden. Doch auch hier widersprechen die Fakten. Nachrichten an seine WhatsApp- und Signal-Konten wurden gelesen, kurz darauf verschwand der Chat.