Breite Produkt-Palette Der Staubsauger-Konzern, der die Welt erobern will

Martin Abgottspon

15.4.2026

Der chinesische Elektronik-Konzern Dreame wagt sich mit Fernsehern in einen neuen Bereich vor.
Der chinesische Elektronik-Konzern Dreame wagt sich mit Fernsehern in einen neuen Bereich vor.
Gemini @blueNews

Ein chinesisches Unternehmen, das mit Saugrobotern gross wurde, baut jetzt Fernseher – und nebenbei auch Sportwagen. Die Geschichte von Dreame ist die Geschichte eines der seltsamsten Aufstiege der Technikwelt.

Martin Abgottspon

Stell dir vor, Miele würde plötzlich einen Sportwagen vorstellen. Oder Dyson einen Fernseher. Genau das passiert gerade – nur dass der Hauptdarsteller dieser Geschichte nicht aus Europa, sondern aus China kommt und dort seit einigen Jahren still und leise eine der überraschendsten Unternehmenskarrieren der Branche hinlegt.

Dreame Technology wurde 2017 gegründet. Wer damals auf eine China-Reise gegangen wäre und nach dem Unternehmen gefragt hätte, hätte vermutlich nur Schulterzucken geerntet. Heute hält Dreame in Europa einen Marktanteil von fast 30 Prozent im Bereich der Saugroboter. In Deutschland sind es sogar 42 Prozent, wodurch man die Konkurrenten in diesem Bereich weit hinter sich lässt.

Der Aufstieg hat einen bekannten Paten: Xiaomi. Der chinesische Technologieriese unterstützte Dreame in der Frühphase, 2021 folgte eine Finanzierungsrunde über 563 Millionen Dollar. Aber das Geld floss nicht in Saugroboter, sondern in Ambitionen.

Ein Konzern, der nicht still sitzt

Was Dreame auf der CES 2026 in Las Vegas präsentierte, liess selbst hartgesottene Messebesucher zweimal hinschauen. Neben Klimageräten, Kühlschränken, einem Poolroboter und einer 8K-Actionkamera enthüllte das Unternehmen unter dem Label «Star Motor» einen Konzept-Sportwagen im Bugatti-Stil – den Nebula Next 01 mit angeblich 1.876 PS. Ein Saugroboter-Hersteller baut einen Hypercar-Konzeptwagen. Das Silicon Valley hätte dafür einen neuen visionären Begriff erfunden.

Und mittendrin, fast bescheiden gibt es da seit Kurzem auch einen Fernseher. Der Dreame Aura TV S100 ist nicht nur ein Gerät. Er ist ein Statement. Das Unternehmen will zeigen, dass es mehr kann als Böden wischen. Und der erste Auftritt gelingt besser, als man es einem Newcomer zutrauen würde. Das Bild leuchtet brillant, Farben wirken satt und natürlich, HDR-Inhalte entfalten echte Wucht. Für einen Erstling ist das eine bemerkenswerte Leistung.

Die eigentliche Überraschung sitzt jedoch im Gehäuse. Ein Soundsystem, das in dieser Geräteklasse schlicht kein Pendant hat. Elf Lautsprecher, sieben Kanäle, Klang aus 270 Grad. Das klingt im ersten Moment nach Marketingprosa, entpuppt sich im Alltag aber tatsächlich als ernstzunehmende Kinoerfahrung ohne Kabelsalat und Zusatzgeräte. Kleine Verarbeitungsschwächen gibt es dennoch und der Preis von 1'300 Franken lässt keinen Spielraum für Kompromisse. Aber wer das Gerät einschaltet, vergisst beides schnell.

Der Dreame Aura TV S100 besticht vor allem auch mit seiner Soundbar.
Der Dreame Aura TV S100 besticht vor allem auch mit seiner Soundbar.
Dreame

Wie schnell darf man wachsen?

MyTech: der digitale Hotspot für alle Tech-Fans

blue News bietet dir täglich Insights aus der Techwelt: News, Hintergründe,  Tipps und Ratschläge für deinen digitalen Alltag sowie Tests und Reviews zu Gadgets, Tools und Games.

Was Dreame gerade vorführt, ist kein gewöhnliches Unternehmenswachstum. Es ist eine Art Machbarkeitsstudie: Wie weit lässt sich eine Marke dehnen? Wie viele Produktkategorien kann ein Unternehmen gleichzeitig besetzen, bevor es sich verzettelt? Samsung hat dafür Jahrzehnte gebraucht. Dreame will es in unter zehn Jahren schaffen.

Ob der Weg vom Saugroboter zum vollständigen Technologiekonzern gelingt, ist noch offen. Aber selten hat ein Unternehmen die Antwort auf diese Frage so unterhaltsam beantwortet.