Massive SicherheitslückeErrätst du das Passwort der Überwachungskameras im Louvre?
Martin Abgottspon
6.11.2025
Einer der Festgenommenen wird verdächtigt, Teil des Einbruchskommandos gewesen zu sein.
Emma Da Silva/AP/dpa
Beim Juwelenraub im Louvre hat auch die IT zu grossen Teilen versagt, wie die Enthüllung von Passwörtern nun zeigt. Eigentlich hätte man die Lehren aus der Vergangenheit längst ziehen müssen.
Im Louvre nutzte das Videoüberwachungssystem ein triviales Passwort.
Trotz funktionierender Alarme offenbaren die Enthüllungen gravierende, jahrelang bekannte IT-Mängel.
Der Fall reiht sich in ein strukturelles Problem ein. Auch das Pariser Muséum national d’histoire naturelle weist Schwachstellen in der digitalen Sicherheit auf.
Was denkst du war das Passwort der Überwachungskameras im Louvre?
Am 19. Oktober drangen bislang unbekannte Täter in den Louvre ein und entwendeten Schmuckstücke im Wert von 88 Millionen Euro. Erste Nachforschungen zum Sicherheitssystem haben ergeben, dass die Alarmanlage dabei ordnungsgemäss funktionierte. Bezüglich Sicherheit gab es aber dennoch gravierende Mängel.
Neben veralteter Software – einige Systeme liefen noch auf Windows 2000 – fiel vor allem die mangelhafte Passwortpolitik auf. Mit dem Code «LOUVRE» erhielt man Zugriff auf das Überwachungssystem, mit «THALES» konnten Testpersonen sogar eine Software des Rüstungskonzerns Thales kompromittieren. Schwachstellen, die seit Jahren bestehen.
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Prüfungen zwischen 2019 und 2025 zeigten, dass das IT-System über zwei Jahrzehnte hinweg Stück für Stück erweitert wurde, ohne dass die alternde Kerninfrastruktur ersetzt wurde. Zentrale Komponenten liefen noch immer auf Windows Server 2003, einem Betriebssystem, das seit zehn Jahren keine Sicherheitsupdates mehr erhält. Die jüngste Überprüfung Anfang 2025 soll Aufschluss geben, ob sich die Situation inzwischen verbessert hat. Ergebnisse stehen jedoch noch aus.
Ein strukturelles Problem in Frankreich
Der Louvre ist kein Einzelfall. Der jüngste Einbruch im Pariser Muséum national d’histoire naturelle (MNHN) belegt, dass kulturelle Einrichtungen in Frankreich ein generelles Sicherheitsdefizit aufweisen. Dort stahlen Unbekannte kürzlich Goldnuggets im Wert von 600'000 Euro. Zuvor war die Alarm- und Videoanlage des Museums von Hackern manipuliert und wochenlang ausser Betrieb gesetzt worden.
Die Parallelen sind frappierend. Auch im MNHN war veraltete Technik im Einsatz, die nur notdürftig modernisiert wurde. Experten warnen seit Jahren davor, dass viele öffentliche Einrichtungen zwar Millionen in bauliche Sicherheit investieren, digitale Schutzmassnahmen jedoch als zweitrangig behandeln.
Ein gutes Passwort ...
... sollte aus Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen.
... darf kein bekannter Begriff sein, also in keinem Lexikon oder sonst einer Begriffsliste vorkommen.
... sollte keine Namen, Firmenbezeichnungen oder andere Informationen beinhalten.
... sollte keine Umlaute oder andere sprachenspezifische Zeichen enthalten, damit man sie auch auf Tastaturen in anderen Ländern eintippen kann.
... sollte mindestens acht Zeichen, besser noch zwölf oder mehr Zeichen lang sein.
... sollte jeweils nur für einen Zugang verwendet werden.
... sollte komplex, aber trotzdem gut zu merken sein.