Digital-Diät für Jugendliche? Schweizer wollen Social Media für unter 16-Jährige verbieten

Martin Abgottspon

12.5.2025

Keine Handys mehr auf dem Pausenplatz? Es wäre inzwischen ein ungewohntes Bild.
Keine Handys mehr auf dem Pausenplatz? Es wäre inzwischen ein ungewohntes Bild.
Imago

Schluss mit TikTok, Instagram und Co. und keine Handys mehr im Klassenzimmer? Eine überwältigende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung fordert genau das.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine deutliche Mehrheit von 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer befürwortet ein Social-Media-Verbot für Jugendliche.
  • Hauptgründe für diese Haltung sind elterliche Ängste vor Cybermobbing, ungeeigneten Inhalten und exzessiver Internetnutzung.
  • Obwohl 97 Prozent der Eltern Regeln für die Handynutzung aufstellen, hat rund die Hälfte Mühe mit deren Durchsetzung, was zu Konflikten führt.

Es ist ein Ergebnis, das aufhorchen lässt. Gemäss einer Studie des Forschungsinstituts Sotomo befürworten mehr als  80 Prozent der Befragten ein Verbot von sozialen Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus. Fast ebenso viele möchten zudem ein Handyverbot an Schulen, das sowohl Klassenzimmer als auch Pausenplätze umfassen soll. Die Studie, durchgeführt im Auftrag des Versicherungskonzerns Axa für den «Cybersorgen-Monitor», basiert auf den Aussagen von rund 1'700 Personen in der Deutschschweiz und der Romandie.

Dass solche Forderungen nicht nur theoretische Gedankenspiele sind, zeigt ein Blick in die Praxis. Jüngst sorgte die Nidwaldner Bildungsdirektion für überregionales Aufsehen mit ihrem Entscheid, die private Handynutzung an den Volksschulen des Kantons zu verbieten. Für die Studienautoren ist die breite Zustimmung zu derart einschneidenden Massnahmen ein klares Indiz für ein tief verankertes Bedürfnis, Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren der Online-Welt zu schützen. «Die Studie zeigt ganz klar, dass die Schweizer Bevölkerung findet, die Politik sei gefordert», analysiert Studienautor Michael Hermann die Ergebnisse.

Cybermobbing und Suchtgefahr als elterliche Hauptsorgen

Wenn es um die Aufklärung über die Risiken im digitalen Raum geht, sieht eine grosse Mehrheit der Befragten primär die Eltern und die Schulen in der Pflicht. Bemerkenswert ist dabei das Selbstvertrauen der Erziehungsberechtigten. 62 Prozent der Eltern von minderjährigen Kindern fühlen sich durchaus gewappnet, ihre Sprösslinge ausreichend über Cyberrisiken aufzuklären und vor diesen zu schützen.

Doch die Sorgen bleiben virulent. «Die grössten Gefahren liegen aus Sicht der Eltern beim Cybermobbing», erläutert Hermann. Hinzu komme die Angst vor der Konfrontation der Kinder mit Inhalten sexueller Art oder Gewaltdarstellungen. Ein weiterer zentraler Punkt sei «ganz grundsätzlich die exzessive Internetnutzung», so der Studienautor. Der richtige Umgang mit dem Smartphone – ein Zankapfel und Dauerbrennerthema an vielen Familientischen.

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Der alltägliche Knatsch am Familientisch

Empfehlungen von Experten, klare Regeln für die Smartphone- und Social-Media-Nutzung zu vereinbaren, scheinen bei den Eltern auf fruchtbaren Boden zu fallen. Beeindruckende 97 Prozent der befragten Eltern geben an, bereits Massnahmen wie die Einschränkung bestimmter Online-Plattformen oder die Begrenzung der Bildschirmzeit festgelegt zu haben.

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Die Krux liegt jedoch, wie so oft, in der Umsetzung. Rund die Hälfte der Erziehungsberechtigten bekundet Mühe bei der konsequenten Einhaltung der selbst gesetzten Regeln. Wenig überraschend birgt dies erhebliches Konfliktpotenzial. 52 Prozent berichten von gelegentlichem Streit mit ihren Kindern über die Bildschirmzeit. Noch herausfordernder gestalte sich laut Hermann die Kontrolle der konsumierten Inhalte. «Der digitale Raum entwickelt sich derart dynamisch, dass die Eltern kaum den Überblick behalten können», konstatiert er.

Ob solch einschneidende Verbote in der Schweiz, die traditionell eher zurückhaltend mit Regulierungen agiert, politisch mehrheitsfähig sind, bleibt abzuwarten. Michael Hermann zeigt sich jedoch vorsichtig optimistisch: «Weil es hier um Kinder geht, ist der Druck sehr gross und da wird die Politik auch handeln», ist er überzeugt.

Interessanterweise sehen die Befragten nicht nur die Internetnutzung von Kindern kritisch. Ein erheblicher Teil der Erwachsenen räumt ein, dass das Smartphone auch im eigenen Leben Überhand zu nehmen droht. 46 Prozent würden gerne weniger Zeit am Handy verbringen. Mehr als zwei Drittel der Befragten stufen den allgemeinen Umgang der Bevölkerung mit dem Internet als zu risikoreich ein.