Düstere Bilanz in Europa Warum hassen alle Tesla ausser Norwegen?

Martin Abgottspon

8.1.2026

In Norwegen zogen die Tesla-Verkäufe aus einem bestimmten Grund nochmal richtig an.
In Norwegen zogen die Tesla-Verkäufe aus einem bestimmten Grund nochmal richtig an.
Bild: Gemini @blue News

Europas Automarkt wird elektrisch. Nur spielt Tesla dabei eine immer unbedeutendere Rolle. Ausnahme ist Norwegen. Aber selbst da trügt das Bild.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Während die Konkurrenz zweistellig zulegt, bricht Tesla in Europa um 27,8 Prozent ein.
  • Gebremst wird der Konzern durch veraltete Modelle, erstarkte Rivalen und Musks politischen Imageschaden.
  • Nur in Norwegen sieht die Welt noch in Ordnung aus, doch da täuschen Steuer-Vorteile über die Realtität hinweg.

Es sind düstere Zeiten für Tesla in Europa. In Schweden gleicht die Jahresbilanz einer Kapitulation. Minus 66,9 Prozent stehen zu Buche. In Deutschland, dem wichtigsten Markt des Kontinents und Standort der einzigen europäischen Gigafactory, halbierte sich der Absatz im Vergleich zum Vorjahr. Die nackten Zahlen des Jahres 2025 entlarven den Mythos der Unbesiegbarkeit, der Elon Musks Konzern jahrelang umgab.

Ein Negativ-Trend hält nicht als Ausrede hin. Denn im Schnitt wurden 20 Prozent mehr vollelektrische Fahrzeuge verkauft als noch im Vorjahr. Bei Tesla allerdings brach der Absatz durchschnittlich um 27,8 Prozent ein. In der Schweiz spiegelt sich dieses Bild exakt wider. Auch hier liegen die Verkäufe präzise 27,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. 

Gemini @blue News

Die Illusion des Nordens

Ein einziger Lichtblick hellt die düstere Statistik auf, doch er ist ein Trugbild. In Norwegen verzeichnete Tesla ein Plus von 41,3 Prozent. Wer hierin eine Trendwende liest, verkennt allerdings die steuerliche Mechanik dahinter. Da Elektroautos in Norwegen mit einer Neuzulassungsquote von 96 Prozent inzwischen den Markt wischen vollständig dominieren, strich die Regierung die bisherigen Steuerrabatte rigoros zusammen.

Was folgte, war kein organisches Wachstum, sondern ökonomische Torschlusspanik. Um den schlechteren Konditionen im neuen Jahr zu entgehen, zogen die Norweger ihre Autokäufe massenhaft in den Herbst und Dezember vor. Dieser künstliche «Run» auf die alten Förderbedingungen bescherte Tesla Rekordzahlen zum Jahresabschluss. Doch dieser Sondereffekt ist geborgt: Die im Dezember getätigten Vorziehkäufe werden unausweichlich in der Bilanz des ersten Quartals 2026 fehlen. Auch der Dezember-Peak in der Schweiz, wo Tesla ungewöhnlich viele Fahrzeuge auf einen Schlag auslieferte, kaschiert lediglich die strukturelle Schwäche.

Vom Jäger zum Gejagten

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Die Tektonik des Marktes hat sich verschoben. Der Volkswagen-Konzern hat sich mit seiner Kernmarke und den zunehmend populären Skoda-Stromern als unangefochtener Marktführer etabliert. Gleichzeitig attackieren chinesische Herausforderer wie BYD, MG und Leapmotor das Preissegment, das Tesla mangels eines günstigen Einsteigermodells in Europa sträflich vernachlässigt.

Der technische Vorsprung, einst Teslas Lebensversicherung, ist aufgebraucht. Die Konkurrenz hat bei Reichweite und Software gleichgezogen, in Teilen sogar überholt. Selbst das früher exklusive Supercharger-Netzwerk taugt kaum noch als Alleinstellungsmerkmal in einer Welt, in der Ladesäulen an jeder Strassenecke zur Gewohnheit geworden sind. Hinzu kommt ein hausgemachtes Problem. Elon Musks politische Radikalisierung und sein öffentlicher Schulterschluss mit ultrarechten Akteuren provozierten Proteste und vergraulen jene urbane, liberale Klientel, die den Aufstieg der Marke einst finanzierte.

Globale Risse im Fundament

Weltweit federt der «Early-Mover»-Vorteil den Absturz noch ab, verhindern kann er ihn aber nicht. Global schrumpfte der Absatz 2025 um knapp 10 Prozent auf 1,636 Millionen Fahrzeuge. In China gelang es immerhin, das Minus auf sieben Prozent zu begrenzen. Ein Wert, den manche westliche Konkurrenten im Reich der Mitte als Erfolg verbuchen würden.

Doch der Ausblick bleibt volatil. In den USA droht unter Donald Trump das Ende der E-Auto-Förderung, was den gesamten Sektor unter Druck setzen wird. Die Hoffnung ruht paradoxerweise erneut auf China, wo die Elektrifizierung schneller voranschreitet als irgendwo sonst. Doch genau dort formieren sich Toyota und Volkswagen neu, um mit marktspezifischen Modellen den Preiskampf gegen die lokalen Platzhirsche und Tesla weiter anzuheizen. 

Tesla will Absatz mit abgespeckten Modellen ankurbeln

Tesla will Absatz mit abgespeckten Modellen ankurbeln

STORY: Der unter schwachen Verkaufszahlen leidende Elektroauto-Hersteller Tesla bietet künftig abgespeckte Modelle zu günstigeren Preisen an. So solle das Model 3 in den USA ab sofort nur noch 36.690 Dollar kosten, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das meistverkaufte Fahrzeug, das Model Y, sei ab 39.990 Dollar zu haben. Analysten zeigten sich allerdings skeptisch, dass dies eine neue Nachfrage in grossem Umfang auslösen könnte.  Welche neuen Preise Tesla in Deutschland aufrufen könnte, war zunächst unklar. Der US-Konzern mit seinem Chef Elon Musk versucht, seine rückläufigen Verkaufszahlen und seinen schwindenden Marktanteil angesichts der zunehmenden globalen Konkurrenz zu verbessern. Musk verspricht seit Jahren günstigere Teslas für den Massenmarkt. 2024 hatte er allerdings Pläne für den Bau eines völlig neuen Elektrofahrzeugs für 25.000 Dollar aufgegeben. Tesla hat auch mit seiner alternden Produktpalette zu kämpfen. Zudem ist die Konkurrenz stark gewachsen, auch in Europa, wo Musks weit rechts stehende politische Ansichten auch die Markentreue untergraben haben.

08.10.2025