Zensurvorwürfe Warum sperrte Tiktok Nachrichten mit dem Wort Epstein?

Martin Abgottspon

28.1.2026

Wieviel Absicht steckt hinter der Ausgrenzung von Jeffrey Epstein auf Tiktok?
Wieviel Absicht steckt hinter der Ausgrenzung von Jeffrey Epstein auf Tiktok?
Lifetime / Bildmontage blue News

TikTok steht in den USA unter Verdacht, politische Inhalte gezielt zu unterdrücken. Und der Name Jeffrey Epstein wird zum Prüfstein für Transparenz, Macht und Meinungsfreiheit im digitalen Raum.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • TikTok sperrte zeitweise Nachrichten mit dem Namen Jeffrey Epstein und löste damit Verdacht auf politische Inhaltsunterdrückung aus.
  • Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom kündigte eine behördliche Prüfung an, während TikTok von technischen Problemen spricht.
  • Reichweitenprobleme bei regierungskritischen Inhalten und frühere Moderationsvorwürfe schüren erneut Misstrauen gegenüber der Plattform.

Auslöser der aktuellen Debatte sind Berichte zahlreicher Nutzerinnen und Nutzer, deren Direktnachrichten auf TikTok nicht versendet werden konnten, sobald sie den Namen des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein enthielten. Stattdessen erschien eine Fehlermeldung, die auf einen angeblichen Verstoss gegen die Nutzungsbedingungen verwies. Die Vorkommnisse traten kurz nach der Übernahme des US-Geschäfts durch das neu gegründete Joint Venture TikTok USDS auf.

Besonders brisant ist der zeitliche Kontext. Die schleppende Veröffentlichung von Akten im Epstein-Komplex gilt als empfindlicher Angriffspunkt auf die Regierung von Präsident Donald Trump. Dass ausgerechnet dieser Name technisch blockiert wird, nährt Spekulationen über eine politisch motivierte Moderation.

Newsom schaltet die Behörden ein

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom reagierte mit ungewöhnlicher Schärfe. Der erklärte Trump-Gegner kündigte eine offizielle Untersuchung gegen die neue Betreibergesellschaft an. Ziel sei es zu prüfen, ob TikTok gegen geltendes Recht verstossen habe, insbesondere im Hinblick auf Meinungsfreiheit und unzulässige Inhaltsunterdrückung. Die Vorwürfe beschränken sich dabei nicht auf private Nachrichten, sondern umfassen auch Berichte über unterdrückte Videos mit regierungskritischem Inhalt.

TikTok weist die Anschuldigungen zurück. Das Unternehmen spricht von technischen Problemen infolge eines Stromausfalls in einem Rechenzentrum, der das Laden und Ausspielen von Inhalten beeinträchtigt habe. Eine gezielte Blockade des Begriffs «Epstein» gebe es nicht. Warum jedoch ausgerechnet dieser Name systematisch Fehlermeldungen auslöste, bleibt bislang unbeantwortet.

Ein Muster früherer Eingriffe

Die aktuellen Vorwürfe reihen sich in eine längere Geschichte intransparenter Moderationspraktiken ein. Bereits 2020 hatte eine Recherche offengelegt, dass TikTok Kommentare mit Begriffen rund um Homosexualität in mehreren Sprachen unterdrückte ohne dies offen zu kommunizieren. Auch damals sprach das Unternehmen von technischen Fehlern und internen Richtlinien, die später angepasst worden seien.

Kritiker sehen darin weniger Einzelfälle als vielmehr strukturelle Schwächen einer Plattform, deren Moderation in hohem Masse automatisiert und für Aussenstehende kaum nachvollziehbar ist. Gerade in politisch aufgeheizten Phasen werde diese Intransparenz zum demokratischen Risiko.

Prominente Stimmen und Reichweitenverluste

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Konflikt durch prominente Nutzer. Sängerin Billie Eilish veröffentlichte einen Screenshot eines TikTok-Videos ihres Bruders Finneas, in dem dieser die US-Einwanderungsbehörde ICE scharf kritisiert. Trotz Millionenpublikum blieb die Reichweite des Videos zunächst auffällig gering. «TikTok bringt übrigens Leute zum Schweigen», kommentierte Eilish.

Auch andere Nutzer berichteten von technischen Auffälligkeiten: Videos, die nicht korrekt abspielten, abrissen oder neu starteten. Zwar normalisierte sich die Reichweite des Finneas-Videos später – es verzeichnete schliesslich Hunderttausende Likes und Millionen Aufrufe. Doch der anfängliche Einbruch bleibt erklärungsbedürftig.

Die Schauspielerin Megan Slater geht noch weiter. Sie spricht von Zensur und Überwachung und kündigte öffentlich an, ihren TikTok-Account zu löschen, nachdem sie wiederholt vergeblich versucht habe, ICE-kritische Inhalte hochzuladen. Ihr Aufruf zum Boykott der Plattform verbreitete sich rasch über andere soziale Netzwerke.

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Parallel dazu gerät eine Passage der TikTok-Nutzungsbedingungen in den Fokus, wonach das Unternehmen Daten erhebt, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus von Nutzerinnen und Nutzern zulassen. Zwar war diese Klausel bereits vor der Übernahme Teil der Geschäftsbedingungen, wie Recherchen von Techcrunch zeigen. In der aktuellen Debatte verstärkt sie jedoch die Sorge, dass sensible Informationen politisch missbrauchbar sein könnten.

TikTok betont, dass diese Datenerhebung branchenüblich sei und keinen Bezug zu den aktuellen technischen Problemen habe. Für Kritiker bleibt jedoch die Frage offen, wie solche Daten in einem politisch polarisierten Umfeld genutzt werden könnten.