Verkauf mit Beigeschmack Wird Wandern mit Komoot nie mehr dasselbe sein?

Martin Abgottspon

25.3.2025

Die App von Komoot könnte sich bald wesentlich verändern.
Die App von Komoot könnte sich bald wesentlich verändern.
Komoot

Eine der führenden Outdoor-Apps wechselt den Besitzer. Das verheisst nichts Gutes, wenn man sich andere Übernahmen der italienischen Gruppe näher anschaut.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die beliebte Outdoor-App Komoot wird vom italienischen Tech-Konzern Bending Spoons übernommen, was bei Nutzerinnen und Nutzern Sorgen auslöst.
  • Bending Spoons ist bekannt für radikale Umstrukturierungen nach Übernahmen, wie Massenentlassungen und aggressive Monetarisierung bei Evernote, WeTransfer und anderen Apps zeigen.
  • Obwohl Komoot noch keine Änderungen angekündigt hat, wächst das Misstrauen in der Community.

Seit Jahren begleitet Komoot Wanderer und Radfahrer durch dichte Wälder, auf die höchsten Gipfel und entlang von Seen. Vor 15 Jahren von einer Handvoll deutscher und österreichischer Studenten gegründet, entwickelte sich Komoot zur dominierenden Plattform für Outdoor-Aktivitäten. Heute zählt die App über 45 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Darunter auch viele Schweizer, bei denen Komoot längst zur digitalen Grundausrüstung für Wochenend-Ausflüge gehört.

Nun aber wird die App verkauft. An den italienischen Tech-Konzern Bending Spoons. Dieser verfügt nicht gerade über den besten Ruf. Für den Mitbegründer und CEO Markus Hallermann ist der Verkauf dennoch eine notwendige Konsequenz: «Was uns bis hierher gebracht hat, bringt uns nicht aufs nächste Level.» Skalierung brauche andere Kompetenzen als Aufbau und ein Partner wie Bending Spoons sollte genau das ermöglichen.

Da bleibt kein Stein auf dem anderen

Der Mailänder Techkonzern Bending Spoons tritt öffentlich als Innovationsmotor auf. Das Unternehmen besitzt inzwischen eine ganze Reihe erfolgreicher Digitalprodukte, darunter die Transferplattform Wetransfer, die Bildbearbeitungs-App Remini oder den digitalen Notizdienst Evernote. Bei einer Investorenrunde im Vorjahr wurde Bending Spoons mit 2,55 Milliarden Dollar bewertet. Zu den Geldgebern gehören prominente Namen: Ex-Google-Chef Eric Schmidt, Tennislegende Andre Agassi, Schauspieler Bradley Cooper oder Regisseurin Chloé Zhao.

Doch die operative Realität hinter den Kulissen wirkt weniger glamourös. In der Branche gilt Bending Spoons als aggressiver Käufer, der nach der Übernahme radikal restrukturiert. Nach dem Kauf von Evernote Ende 2022 wurden sämtliche Mitarbeitende in den USA und Chile entlassen, die Büros nach Italien verlegt. Anfang 2024 traf es die New Yorker Mosaic Group, wo ebenfalls komplette Belegschaft entlassen wurde. Bei Wetransfer mussten im letzten Sommer drei Viertel der 350 Angestellten gehen.

Aber nicht nur innerhalb der aufgekauften Firmen wird radikal operiert, auch für die Nutzer ändert sich die Erfahrung oft von Grund auf. Evernote war einst wirklich eine gute Notiz-App mit einem fairen Bezahl-Modell. Heute kann man sich kaum mehr einloggen, um irgendwelche alten Daten zu finden. Auf extrem penetrante Art und Weise wird man zu einem Abo fast schon genötigt, alles wird schamlos monetarisiert.

Alles runterladen, bevor es noch mehr kostet?

Ob Komoot nun ein ähnliches Schicksal droht, ist offen. Das Unternehmen hat bislang keine konkreten Änderungen angekündigt. Bei den Usern wachsen allerdings schon jetzt die Sorgen. Foren und sozialen Medien machen sie ihrem Ärger Luft. «Vielleicht sollte ich mal anfangen meine gesammelten Routen runterzuladen bevor sie die Funktion abdrehen», schreibt ein User. Ein anderer bemerkt trocken: «Ich werde nie verstehen warum man sich eine App kauft und diese dann zerstört.»

Noch ist unklar, wie tief der Eingriff in die Strukturen von Komoot tatsächlich ausfällt. Sicher ist nur: Das Vertrauen der Community steht auf dem Spiel – nicht nur im Gründerland, sondern auch in der Schweiz, wo man dem digitalen Kompass bisher blind folgte.