Zeitlos

Warum gewisse Videospiele Jahrzehnte überdauern

Von Fabian Gilgen

27.4.2020

Die Zauberformel für ein langlebiges Spiel gibt es wohl nicht.
Die Zauberformel für ein langlebiges Spiel gibt es wohl nicht.
Bild: Zazzle

Es gibt Videospiele, die länger als ihre Konsole leben und selbst 20 Jahre nach ihrer Veröffentlichung noch über zahlreiche Anhänger verfügen. Aber wie können diese Spiele so lange überleben?

Wie noch in keiner Epoche der Videospielgeschichte ist es so wichtig wie heute, dass ein Game über längere Zeit gespielt wird. Denn mit dem mittlerweile gebräuchlichen Finanzierungsmodell sind Spiele nicht mehr bloss ein Produkt, sondern eine Art Dienstleistung. So können Spieler nach dem Kauf der Videospiele noch zusätzliche Inhalte erwerben wie Erweiterungen oder auch schicke Kostüme. Also ist es für die Publisher am lukrativsten, wenn möglichst viele Spieler möglichst lange das Spiel weiterspielen.

Jedoch können solche Service-Games die Kundschaft auch vergraulen, statt sie langfristig zu motivieren. Beispiele von «Fallout 76» oder «Anthem» haben das in den letzten beiden Jahren schonungslos aufgezeigt. Vor der Veröffentlichung von «Anthem» meinte EA-Vizepräsident Patrick Soderlund noch: «‹Anthem› ist ein Spiel, das – sobald wir es nächstes Jahr auf den Markt bringen – für uns vielleicht der Beginn einer zehnjährigen Reise sein wird». Möglicherweise ist diese Einstellung, ein Spiel so lange am Leben halten zu wollen, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde, das Problem. Mehr und mehr wirkt es wie eine Ausrede, Spiele nicht mehr bereits bei der Veröffentlichung im bestmöglichen Zustand präsentieren zu müssen.

Damit ein Videospiel aber lange überlebt, muss es bereits bei Veröffentlichung auf ganzer Linie überzeugen. Man kann es nicht besser sagen als Shigeru Miyamoto von Nintendo: «Ein verspätetes Spiel kann gut sein, aber ein schlechtes Spiel ist für immer schlecht.» Nicht ohne Grund gibt es so viele Nintendo-Spiele, die vor mehr als 20 Jahren erschienen sind, aber immer noch gerne gespielt werden.



Die Spieler legen selbst Hand an

Jahre nach der Veröffentlichung eines Spiels ist es häufig die Community selbst und ihre Liebe zu diesem Spiel, die es weitertragen. «The Elder Scrolls V: Skyrim» ist ohne Diskussion ein hervorragendes Spiel, aber es hat wohl nur so lange überlebt, weil Spieler die Möglichkeit bekommen haben, das Spiel selbst durch Modifikationen weiterzugestalten. Solche Mods verleihen dem Spiel häufig einen neuen Look oder sogar eine neue Story. So haben Fans von «Skyrim» selbst neun Jahre nach Veröffentlichung immer noch neue Inhalte für das Spiel.

Gelegentlich werden Spiele auch durch die Speedrunning-Community am Leben gehalten. Denn hier werden die Spiele ganz anders gespielt, als es von den Entwicklern vorgesehen war. Es geht bloss darum, das Spiel möglichst schnell durchzuspielen. Den Speedrunnern ist dabei jedes Mittel recht. So werden Fehler im Spiel gnadenlos ausgenutzt, wenn sie helfen, es noch schneller durchzuspielen.



Speedrunning verleiht so geliebten Spielen einen ganz neuen Aspekt, wie es bei «The Legend of Zelda: The Ocarina of Time» oder «Super Mario 64» der Fall ist. Doch gibt es auch unbekannte Spiele, die bei Speedrunnern Anklang finden, weil sie gerade nicht so gut programmiert sind und dem Speedrunner auf diese Weise viele Möglichkeiten bieten, Fehler im Spiel zu finden, die sie ausnutzen können.

«Shrek» ist bei Speedrunnern beleibt, auch wenn es nicht wirklich ein gutes Spiel ist.

Video: Youtube

Also macht eine Vorhersage, ob ein Spiel selbst nach vielen Jahren noch gespielt wird, vor allem in dieser schnelllebigen Zeit nicht viel Sinn. Entwickler sollten sich einfach wieder vermehrt darauf konzentrieren, ein Spiel herauszubringen, das von Anfang an begeistert und sich der Einstellung Miyamotos anschliessen, der von sich selbst sagt: «Ich möchte Menschen überraschen und mit meinen Ideen verzaubern.»

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