«Forza 6» im Test Das beste Japan, das ich je nicht besucht habe

Martin Abgottspon

20.5.2026

Der Wunsch der Spieler wurde erhört. Der neuste Ableger der «Forza»-Reihe findet in Japan statt.
Der Wunsch der Spieler wurde erhört. Der neuste Ableger der «Forza»-Reihe findet in Japan statt.
Bild: Microsoft

Ich war noch nie in Japan. Aber nach etlichen Stunden in «Forza Horizon 6» fühle ich mich nun schon fast wie ein Einheimischer. Trotzdem bezweifle ich, dass das wahre Japan nur halb so schön ist.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Von Tokios Neonschluchten bis zu den verschneiten Japanischen Alpen liefert Playground Games die meistgewünschte Horizon-Map der Seriengeschichte..
  • Dank klarem Progressionssystem, spektakulären Showcase-Events und über 550 Autos bleibt «Forza Horizon 6» auch nach dem ersten Staunen fesselnd.
  • Tokio wirkt stellenweise etwas leblos, Tuning-Optionen bleiben oberflächlich. Aber wer einmal die Bergpässe Richtung Norden entdeckt hat, vergisst das schnell wieder.

Das erste Mal, wenn man in Tokio aus dem Tunnel herausfährt und die Gingko Avenue vor einem auftaucht, muss man einfach kurz in sich gehen. Goldgelbe Bäume links und rechts, Neonlichter in der Ferne, der Asphalt noch nass vom letzten Regen. Eine Kulisse, die einem den Atem verschlägt und eine, auf die sich Fans der «Forza»-Serie schon lange gefreut haben.

Japan ist schon seit Jahren der meistgewünschte Schauplatz der Community und man merkt, dass die Entwickler das wussten und entsprechend unter Druck standen. Die Antwort ist nun eine Karte mit sieben Regionen und 74 Distrikten, die sich von Tokios Innenstadtschluchten bis in die verschneiten Japanischen Alpen erstreckt. Tokio selbst ist dabei fünfmal grösser als Guanajuato in «Forza Horizon 5» und fühlt sich im Spiel auch tatsächlich so an.

Neu ist das Fog-of-War-System. Die Karte enthüllt sich erst, wenn man die Strassen selbst abgefahren hat. Klingt nach einer Kleinigkeit, ändert aber einiges. Jede neu aufgedeckte Kurve, jeder entdeckte Bergspass fühlt sich nach echter Erkundung an und nicht bloss nach dem Abhaken einer To-do-Liste.

Bei den ländlichen Gebieten glänzt das Spiel besonders

Tokio ist imposant, keine Frage. Der C1-Loop nachts, die Hochstrassen, die sich über mehrere Ebenen stapeln, die Daikoku-Parkfläche als Treffpunkt für Autofans mit Stil – das alles sitzt. Und trotzdem: Die Stadt ist nicht der Stern dieser Karte.

Sobald man das urbane Gewirr hinter sich lässt und die Bergpässe Richtung Norden ansteuert, beginnt das Spiel erst richtig zu atmen. Mt. Haruna – in der Szene bekannt als Kulisse aus Initial D – ist buchstäblich dort. Die enge Kurventechnik, die Steilheit, das Gefühl, in einer Touge-Sequenz aus einem Anime zu stecken. Wer weiss, worauf er schaut, wird grinsen. Wer es nicht weiss, grinst trotzdem.

Und dann die Alpen. Schneebedeckte Pässe, Skilifte am Hang, Winterlicht, das den ganzen Schauplatz in etwas Unwirklich-Schönes taucht. Als man das erste Mal den Gipfel erreicht und zurück auf die Ebene schaut, ist das tatsächlich ein Gänsehaut-Moment.

Die Kulissen rund um Tokyo sind schlicht atemberaubend.
Die Kulissen rund um Tokyo sind schlicht atemberaubend.
Microsoft

Ganz klar etwas für Entdecker

Am PC mit Controller läuft Forza Horizon 6 geschmeidig – die Steuerung reagiert präzise, das Fahrgefühl ist dieses vertraute Horizon-Gleichgewicht aus zugänglichem Arcade und glaubwürdiger Physik. Wer schon den Vorgänger gespielt hat, findet sich sofort zurecht, bemerkt aber schnell die Verfeinerungen. Das Progressionssystem ist klarer strukturiert und die Story-Missionen wie die Ausflüge mit Mei durch japanische Architektur und Kultur haben mehr Charme als man erwartet. Nicht tiefgründig, aber angenehm geerdet.

Mit gut 550 Autos zum Launch, JDM-Ikonen in Hülle und Fülle und einer Handvoll versteckter Treasure Cars verteilt über alle Regionen, gibt es genug zu sammeln, um das Spiel monatelang zu beschäftigen. Die Sounds sind stark – besonders die Motorgeräusche kommen auf einem guten Setup schön zur Geltung.

Nicht ganz perfekt

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Ganz ohne Kritik geht es nicht. Tokio selbst wirkt an einigen Stellen etwas leer – ein Disneyland-Tokyo, das die Atmosphäre der echten Stadt nur andeute, statt sie wirklich einzufangen. Die Strassen sind dort auch etwas breiter als man für ein authentisches Stadtgefühl bräuchte. Und wer auf tiefgreifende visuelle Tuning-Optionen hofft, wird enttäuscht: Innenraum-Details, Auspuffenden, Unterboden-Neon – Fehlanzeige, obwohl das Japan-Setting geradezu danach schreit.

Forza Horizon 6 ist das Racing Game, auf das man gewartet hat. Japan als Kulisse ist kein Selbstläufer – aber Playground Games hat das Versprechen eingelöst. Nicht perfekt, nicht in allen Ecken, aber dort wo es zählt: in den Bergen, auf den Touge-Pässen, in diesen stillen Momenten zwischen zwei Rennen, wenn man einfach nur fährt und die Landschaft an sich vorbeizieht.