«Mario Strikers: Battle League Football»

Fussball war wohl noch nie chaotischer

Von Domagoj Belancic

8.6.2022

Voller Körpereinsatz: Im Kampf um den Sieg ist bei «Mario Strikers» (fast) alles erlaubt.
Voller Körpereinsatz: Im Kampf um den Sieg ist bei «Mario Strikers» (fast) alles erlaubt.
Nintendo

Rund 15 Jahre nach dem letzten Mario-Fussballspiel auf der Wii, betreten die Kicker aus dem Pilzkönigreich in «Battle League Football» wieder den virtuellen Fussballrasen. Können Mario und seine Freunde nach all den Jahren immer noch auf Top-Niveau mitspielen?

Von Domagoj Belancic

8.6.2022

«Das Runde muss in das Eckige» - diese unumstrittene Fussballweisheit lässt sich auch auf die Fussballpartien in «Mario Strikers» anwenden. Doch wie bei Mario-Sportspielen üblich, gelten abseits dieses Grundprinzips etwas andere Regeln als im echten Leben.

In den intensiven 5-gegen-5-Partien ist fast alles erlaubt. Brutale Blutgrätschen, Bomben, Bananen und übermächtige «Hyperschüsse» gehören zum Standard-Repertoire der «Strikers»-Spieler. Wer auf chaotisches Gameplay mit Mario-typischen Items steht, kommt hier also voll auf seine Kosten. Fans von etwas traditionelleren Sportspielen werden sich im unübersichtlichen Wirrwarr auf dem Fussball-Schlachtfeld aber nur schwer zurechtfinden.

Timing ist alles

Hinter all dem Chaos auf dem Spielfeld steckt ein überraschend ausgeklügeltes Gameplay-Fundament, das sich an den Mechaniken herkömmlicher Fussball-Games orientiert und überraschend viel Tiefgang und strategischen Spielraum bietet. Kurz zusammengefasst: Wer in «Mario Strikers» erfolgreich sein will, muss sowohl im Angriff als auch in der Defensive das perfekte Timing und das Aufladen von bestimmten Aktionen beherrschen.

So kann der Ball durch perfekt getimte und direkt abgenommene Pässe aufgeladen und schneller gemacht werden. Und mit perfekt getimten Tacklings kann der Gegner nicht nur vom Ball getrennt, sondern auch temporär ausgeknockt werden. Aber Achtung: Der angegriffene Spieler kann im Gegenzug mit einem - wie könnte es anders sein - perfekt getimten Ausweichmanöver einen Geschwindigkeitsschub erhalten und dem Angreifer davonrennen.

Torschüsse können entweder durch perfekte Ballstafetten oder durch das lange Drücken des Schussknopfs aufgeladen und stärker gemacht werden. Mit dem Einsammeln von speziellen Items können zudem übermächtige «Hyperschüsse» aufgeladen werden, die gleich zwei Tore wert sind. Das Aufladen dieser Schüsse dauert aber ziemlich lange und bietet eine ideale Angriffsfläche für gegnerische Tacklings.

Dieses nervenaufreibende Katz-und-Maus-Spiel zwischen perfekt getimten Angriffs- und Verteidigungsmanövern macht den Reiz des unglaublich schnellen Gameplays in «Mario Strikers: Battle League Football» aus.

Volltreffer! Die cool inszenierten «Hyperschüsse» im Comic-Stil gehören zu den visuellen Highlights des Games und variieren je nach Spielfigur.
Volltreffer! Die cool inszenierten «Hyperschüsse» im Comic-Stil gehören zu den visuellen Highlights des Games und variieren je nach Spielfigur.
Nintendo

Auf die richtige Ausrüstung kommt es an

Jeder der insgesamt zehn spielbaren Charaktere hat seine eigenen Stärken und Schwächen, die sich auf die aufgeführten Gameplay-Elemente auswirken. Der massive Bowser kann beispielsweise andere Spielfiguren ohne Probleme weggrätschen und ist immun gegen die Tacklings schwächerer Charaktere. Dafür ist die Riesenechse extrem langsam und weist erhebliche technische Defizite auf, die sich vor allem beim Schiessen und Dribbeln bemerkbar machen.

Wer fleissig spielt und viele Partien gewinnt, verdient virtuelle Goldmünzen, mit denen Ausrüstungsgegenstände für die Spielfiguren erworben werden können. Mit der richtigen Ausstattung können die Schwächen einzelner Charaktere bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen oder ihre Stärken noch weiter ausgebaut werden.

Das Herumexperimentieren mit den verschiedenen Charakteren und ihren Attributen macht extrem viel Spass und bietet viel Freiraum für komplett unterschiedliche Spielstile. Wer auf Dauer erfolgreich sein will, muss sich ein gut ausbalanciertes Team zusammenstellen und laufend mit neuer Ausrüstung erweitern.

Jeder der insgesamt zehn spielbaren Charaktere hat seine eigenen Stärken und Schwächen, die sich auf die oben aufgeführten Gameplay-Elemente auswirken. Der massive Bowser kann beispielsweise andere Spielfiguren ohne Probleme weggrätschen und ist immun gegen die Tacklings schwächerer Charaktere. Dafür ist die Riesenechse extrem langsam und weist erhebliche technische Defizite auf, die sich vor allem beim Schiessen und Dribbeln bemerkbar machen.   Wer fleissig spielt und viele Partien gewinnt, verdient virtuelle Goldmünzen, mit denen Ausrüstungsgegenstände für die Spielfiguren erworben werden können. Mit der richtigen Ausstattung können die Schwächen einzelner Charaktere bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen oder ihre Stärken noch weiter ausgebaut werden. Das Herumexperimentieren mit den verschiedenen Charakteren und ihren Attributen macht extrem viel Spass und bietet viel Freiraum für komplett unterschiedliche Spielstile. Wer auf Dauer erfolgreich sein will, muss sich ein gut ausbalanciertes Team zusammenstellen und laufend mit neuer Ausrüstung erweitern.
Schnell wie der Blitz: Mit freischaltbaren Gegenständen kann der sowieso schon flinke Toad auf Kosten seiner Schusskraft noch schneller gemacht werden.
Nintendo

Anarchie auf dem Fussballplatz

Leider gerät das solide Gameplay-Fundament und der strategische Tiefgang in vielen Partien komplett in den Hintergrund. Schuld daran sind vor allem die Mario-typischen Items, die den Spielverlauf teilweise in Sekundenschnelle komplett ändern können. Eigentlich spannende Duelle können durch den inflationären Einsatz der zufällig generierten Items schnell in unübersichtliche Item-Schlachten ausarten, bei denen Zufall und Glück mehr zählen als Strategie und Können. Der Einsatz dieser Items kann in den meisten Spielmodi leider nicht ausgeschaltet werden.

Apropos unübersichtlich: In vielen Matches hatte ich oft Mühe zu erkennen, wo sich der Ball gerade befindet und welchen Charakter ich gerade steuere. Das liegt vor allem am teilweise ziemlich konfusen Anzeigesystem und an den nicht immer klar unterscheidbaren Charakteren und Trikotfarben auf dem Spielfeld. Wenn beispielsweise zwei Toads im blauen und im grünen Trikot gegeneinander spielen, muss man schon ganz genau hinsehen, um einen Unterschied zwischen den Spielfiguren zu erkennen.

Wer bin ich und wo bin ich? Selbst mit zusätzlichen visuellen Hilfen ist oft unklar, welche Spielfigur gerade aktiv kontrolliert wird und wo sich der Ball befindet.
Wer bin ich und wo bin ich? Selbst mit zusätzlichen visuellen Hilfen ist oft unklar, welche Spielfigur gerade aktiv kontrolliert wird und wo sich der Ball befindet.
Nintendo

Magerer Offline-Spielumfang

«Mario Strikers: Battle League Football» führt den negativen Trend der neueren Mario-Sportspiele fort und bietet dem Spieler mit gerade mal 10 spielbaren Charakteren und nur einer Handvoll Stadien relativ wenig Abwechslung im Fussball-Chaos. Besonders enttäuschend sind auch die mageren Offline-Modi. Wer gegen seine Freunde spielen will, muss sich mit einzelnen Matches begnügen. Andere kompetitive Modi, wie beispielsweise Cups oder Ligen, gibt es aktuell nicht zur Auswahl.

Ein bisschen Offline-Abwechslung liefert zumindest der «Pokalturnier»-Modus, der zwar nicht kompetitiv, dafür aber wahlweise Solo oder kooperativ mit drei Mitspielern angegangen werden kann. Leider sind die kurzen Cups im Schwierigkeitsgrad extrem unausgewogen und machen dadurch nur bedingt Laune - man tritt entweder gegen unglaublich einfache Gegner oder gegen perfekt spielende Teams an. In Kombination mit den nicht ausschaltbaren Items, ist der Frust in diesem Modus quasi vorprogrammiert.

Vielversprechender Online-Modus

Sehr vielversprechend hört sich hingegen der «Strikers Club» Online-Modus an. Hier können Spieler weltweit ihre eigenen Clubs gründen und sich in einwöchigen Saisons in einem rangierten Ligasystem an die Spitze kämpfen. Bis zu 20 Freunde können in einen Club eingeladen werden und im Namen des Vereins gegen andere Spieler antreten. Im Gegensatz zum Offline-Modus können durch gewonnene Matches nicht nur Ausrüstungsgegenstände, sondern auch kosmetische Erweiterungen für das eigene Team und Stadion freigespielt werden.

Leider startet die erste Saison des «Strikers Club» erst zum Launch vom Spiel, weshalb ich für diesen Test nur beschränkte Online-Erfahrungen sammeln konnte. Abgesehen von vereinzelten Rucklern und Lags, funktionierten die Online-Begegnungen bisher ziemlich gut. Schade ist nur, dass sich in einem solch kompetitiven Online-Modus die Items ebenfalls nicht ausschalten lassen.

Immerhin: Nintendo hat bereits angekündigt, das Game mit neuen Online-Inhalten über längere Zeit zu unterstützen. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln wird. Die nötigen Grundlagen für einen waschechten kompetitiven Multiplayer-Hit wären auf alle Fälle vorhanden.