Gaming während der Pandemie: Wie viel ist zu viel?

#Von Martin Abgottspon

13.4.2021

Die Bildschirmpräsenz hat sich während Corona massiv erhöht.
Die Bildschirmpräsenz hat sich während Corona massiv erhöht.
Getty Images

Mit Corona erhöhte sich auch die Bildschirmzeit und mit ihr die Kurzsichtigkeit bei Kindern. Welche Rolle spielt Gaming dabei und was ist ein gesundes Mass?

#Von Martin Abgottspon

13.4.2021

Erst vor Kurzem sorgte sich die «New York Times» um amerikanische Kinder, die seit dem Ausbruch der Pandemie wesentlich öfter vor der Konsole, dem PC oder am Handy ihre Zeit verbringen. Veranschaulicht wurde das Ganze am Beispiel einer jungen Familie mit einem Kind, das sich nach Aussagen der Zeitung «besorgniserregend» oft mit Videospielen beschäftigt. Die Eltern sind ratlos.



Viele Familien werden sich an diesem Bild, das die «New York Times» zeichnet, wiedererkennen. Doch wie soll man mit der Situation nun umgehen? Schliesslich bieten viele Spiele den Kindern und Jugendlichen gerade in dieser schwierigen Zeit auch eine Anlaufstelle, sich mit Freunden zu treffen und sich auszutauschen. Die gemeinsamen Erlebnisse auf dem Fussball- oder Spielplatz sind auf Eis gelegt. So trifft man sich eben online.

Probleme mit Kurzsichtigkeit

Die Besorgnis um erhöhte Bildschirmzeiten und steigenden Medienkonsum wird aktuell noch durch weiteren Studien bestärkt. Gemäss einer Untersuchung aus China etwa ist die Kurzsichtigkeit bei Kindern stark angestiegen. 

Ähnliche Erfahrungen machen auch Schweizer Ärzte, wie «SRF» berichtet. «Wir verzeichnen mehr Fälle von kurzsichtigen Kindern», erklärt Lorenz Franscini, Präsident der Tessiner Sektion der Gesellschaft für Augenheilkunde. Besonders stark sei die Zunahme bei kleinen Kindern zwischen sechs und acht Jahren.

Die Ärzte begründen die Entwicklung aber nicht nur durch die erhöhte Bildschirmzeit. Genauso wirken sich auch ein zu geringer Abstand zum Display, aber auch die spärliche Zeit in der freien Natur negativ auf die Augen aus. Durch das fehlende Sonnenlicht, wird weniger Dopamin in der Netzhaut freigesetzt, was dazu führen kann, dass der Augapfel zu schnell wächst, was wiederum zu Kurzsichtigkeit führt.

Besonders Kinder im Alter zwischen sechs und acht Jahren sollen vermehrt unter Kurzsichtigkeit leiden.
Besonders Kinder im Alter zwischen sechs und acht Jahren sollen vermehrt unter Kurzsichtigkeit leiden.
Getty Images

Der Trend scheint nicht so klar

Ein umfassendes Bild zu diesem Trend gibt es jedoch nicht. Nationale Studien fehlen. Zudem ist davon auszugehen, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern weniger stark betroffen ist, weil die Schulen deutlich früher wieder geöffnet wurden.



Und auch bezüglich der erhöhten Bildschirmzeit gibt es bereits erste Entwarnungen. Befragungen der deutschen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ergaben etwa, dass der Medienkonsum beim ersten Lockdown zwar um rund 49 Minuten pro Tag gestiegen ist, sich mittlerweile aber schon fast wieder bei seinem ursprünglichen Wert von rund eineinhalb Stunden pro Tag befindet.

Diese Faustregeln können helfen

In diesem Sinn ist es sicherlich wichtig, dass man den Spielkonsum seiner Kinder gut beobachtet, aber ihnen auch nicht panikartig die Geräte verweigern sollte. Zielführender ist es mit ihnen über den Umgang digitaler Medien zu sprechen und sich Lieblingsspiele, Apps oder Webseiten zeigen zu lassen und sich auf den Diskurs einzulassen.

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei der Swisscom, meint ergänzend: «Von morgens bis abends Gamen ist sicher nicht empfehlenswert. Die Abwechslung machts. Auch an einem regnerischen Tag soll Gaming nicht die einzige Freizeitbeschäftigung sein.» Weiter animiert er auch zur Abwechslung zum Beispiel in Form von  Familien-Challenges, in welchen Eltern gegen Kinder antreten.

Bezüglich Bildschirmzeiten gibt es verschiedene Faustregeln, welche man beiziehen kann. Zum Beispiels die «20-20-2»-Regel, die Folgendes besagt: Nach 20 Minuten Lesen oder Gamen immer eine Pause von 20 Sekunden einlegen und in die Ferne schauen – und mindestens zwei Stunden pro Tag draussen verbringen. Das BAG verweist ausserdem auf die 3-6-9-12-Faustregel vom französischen Psychologen Tisseron: kein Fernsehen unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, Internet ab 9 und soziale Netzwerke ab 12 Jahren.