Beste Unterhaltung für ZweiIch wüsste nicht, welches Spiel «Split Fiction» dieses Jahr noch toppen soll
Martin Abgottspon
29.3.2025
«Split Fiction» ist das perfekte Spiel für einen gemeinsamen Abend auf der Couch.
Electronic Arts
Selten können mich Games komplett überwältigen. Doch «Split Fiction» hat es geschafft. Wahrscheinlich weil es nicht nur spielerisch, sondern auch emotional auf ganzer Linie überzeugt.
Du kennst das sicher, es gibt gute Bücher und sensationelle Bücher. Es gibt Serien, die man schauen kann und solche, die man auf keinen Fall verpassen darf. Und getreu diesem Prinzip verhält es sich auch bei Games, wobei «Split Fiction» definitiv zur Kategorie «Unverzichtbar» gehört.
Hazelight Studios beweist einmal mehr, warum sie zu den kreativsten Entwicklern unserer Zeit gehören. Das Team hinter «It Takes Two» und «A Way Out» liefert ein Abenteuer, das vor Fantasie und spielerischer Brillanz nur so sprüht. Doch alles der Reihe nach.
Eine Story voller Magie – und kreativer Wahnsinn
Die Geschichte dreht sich um die beiden angehenden Autorinnen Mio und Zoe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mio ist zynisch, sarkastisch und liebt düstere Sci-Fi-Welten. Zoe hingegen ist ein strahlender Optimist mit einer Vorliebe für fantastische Geschichten. Beide geraten durch eine Verkettung chaotischer Umstände in eine virtuelle Simulation, in der ihre beiden Schreibstile auf spektakuläre Weise kollidieren. Was folgt, ist eine wilde Reise durch die verschmolzenen Welten ihrer Fantasie – ein visuelles und erzählerisches Feuerwerk.
«Split Fiction» katapultiert die Spieler in über 20 verschiedene Universen, die von Science-Fiction bis hin zu märchenhaften Traumlandschaften reichen. Ein Level fühlt sich an wie ein neonbeleuchtetes Cyberpunk-Abenteuer mit rasanten Verfolgungsjagden, während das nächste an die surreale Magie von Alice im Wunderland erinnert. Egal, wohin es geht, jedes Setting ist voller Überraschungen, einzigartiger Mechaniken und einer enormen spielerischen Vielfalt.
In einem Moment springen Mio und Zoe mit futuristischen Greifhaken durch eine düstere Metropole, im nächsten surfen sie auf Wellen aus flüssigem Gold durch einen Fantasy-Markt voller sprechender Katzen. Die Hommagen an klassische Games sind dabei nicht zu übersehen: Ein Level erinnert an Tony Hawk’s Pro Skater, ein anderes zitiert Metroid und Ikaruga. Doch «Split Fiction» macht nie den Fehler, sich einfach nur bei Klassikern zu bedienen – es nimmt diese Inspirationen und erschafft daraus etwas völlig Eigenes.
«Splitfiction» spielt man wahlweise zu Zweit vor dem TV oder online mit einem Freund oder Freundin.
Electronic Arts
Koop-Gameplay, das neue Massstäbe setzt
Hazelight Studios ist bekannt für innovative Koop-Mechaniken, doch «Split Fiction» hebt das Genre auf ein neues Level. Jede Welt bringt neue Herausforderungen mit sich, die nur durch perfektes Zusammenspiel gemeistert werden können. Egal, ob man sich gegenseitig aus Fallen befreien, Gegner mit kombinierten Kräften besiegen oder gemeinsam komplexe Rätsel lösen muss – das Spiel zwingt dazu, wirklich zusammenzuarbeiten.
Besonders beeindruckend ist, wie natürlich sich das Gameplay anfühlt. Eine der cleversten Ideen ist ein Waffensystem, bei dem jeder Spieler eine andere Art von Schild durchbrechen kann. Nur durch präzise Abstimmung lassen sich Gegner besiegen. In späteren Levels wird das Konzept immer weiter ausgereizt, bis man sich fragt: «Wie soll das noch zu toppen sein?» – nur um dann völlig überwältigt festzustellen, dass Hazelight immer noch eine Überraschung bereithält.
Während viele Spiele mit der Unreal Engine 5 zu kämpfen haben, macht «Split Fiction» alles richtig. Die Grafik ist gestochen scharf, die Animationen flüssig, und das Spiel läuft auf allen Plattformen stabil. Auf der PS5 Pro in nativem 4K, auf der PS5 und Xbox Series X in 1800p und selbst auf der Series S in sauberen 1080p – und das alles bei butterweichen 60 Bildern pro Sekunde. Noch beeindruckender: Die PC-Version skaliert hervorragend und erlaubt sogar Koop mit Maus und Tastatur sowie Gamepad gleichzeitig.
Die Kraft der Kreativität
Doch so grandios das Gameplay auch ist, das Herzstück von «Split Fiction» sind seine beiden Protagonistinnen. Anfangs könnte man denken, dass Mio und Zoe blosse Gegensätze sind, die sich nach Schema F anfreunden. Doch die Art und Weise, wie das Spiel ihre Beziehung entwickelt, ist erstaunlich nuanciert und berührend. Je weiter die Reise voranschreitet, desto mehr lernt man über ihre Ängste, ihre Vergangenheit und warum sie die Geschichten erzählen, die sie erzählen.
Und genau darum geht es in «Split Fiction» letztlich. Um die Kraft von Kreativität. Die Geschichte ist eine Hommage an das Erzählen, an die Ideen, die uns als Menschen ausmachen, und an die Magie, die entsteht, wenn zwei unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Dabei scheut sich das Spiel nicht, ernste Themen anzusprechen – von kreativer Ausbeutung bis hin zu persönlicher Traumabewältigung. Doch bei all den tiefgründigen Momenten vergisst «Split Fiction» nie, vor allem eines zu sein, ein durch und durch unterhaltsames Spiel.