Zensur Kein Blut und keine Leichen – China greift bei Games noch härter durch

Fabian Gilgen

24.4.2019

Zensur: Für die chinesische Kultur ist so manches unangebracht.
Zensur: Für die chinesische Kultur ist so manches unangebracht.
Bild: Getty Images

China ging schon immer restriktiv mit seinen Medien um. Für Videospiele hat dies seit diesem Jahr ein noch extremeres Ausmass angenommen. Blut in jeglicher Farbe und Leichen sind in Videospielen nun verboten.

Viele Spiele-Entwickler hatten bis anhin jeweils eine zensierte Version ihrer Titel für China herausgebracht. Denn im Land der Mitte darf einiges in Medien nicht gezeigt werden. Dazu zählen etwa auch Blut und Knochen. So hatte auch Blizzard vor Jahren eine den Richtlinien entsprechende Version von «World of Warcraft» für China herausgebracht. Dies führt zum Teil zu kuriosen Resultaten, wenn Blut einfach umgefärbt wurde oder Fleischteile mit Knochen durch Brot ersetzt wurden.

«World of Warcraft» in China: Wenn aus Leichen plötzlich Strohmänner werden.

Video: YouTube

Seit diesem Jahr wird es nun noch schwieriger, Spiele in China zu veröffentlichen. Denn Blut darf ab sofort gar nicht mehr symbolisiert werden und es dürfen auch keine Leichen vorkommen. Dass kein Blut mehr spritzt, wenn man in einem Shooter einen Gegner erledigt, kann man vielleicht noch nachvollziehen. Doch wenn ein abgeschossener Gegner sich einfach in Luft auflöst, wird es doch ein bisschen bizarr.

Händler werden kreativ

Not macht kreativ: Chinesische Händler wissen, wie sie selbt verbotene Spiele verkaufen können.
Not macht kreativ: Chinesische Händler wissen, wie sie selbt verbotene Spiele verkaufen können.
Bild: Taobao/Capcom

Um die strenge Zensur zu umgehen, lassen sich Händler auf chinesischen Online-Plattformen einiges einfallen. So wird zum Beispiel das in China verbotene Remake von «Resident Evil 2» mit einem selbstgezeichneten Cover und unter einem anderen Namen angepriesen. Statt «Resident Evil 2», heisst das Spiel dann einfach «First day on the Job at the Police Station: Remake» (Erster Tag im Job bei der Polizeiwache: Neuauflage) oder «Fried Cold Rice 2» (Gebratener kalter Reis 2).

Auswirkungen auf den weltweiten Spiele-Markt

Aufgrund von diesen starken Einschränkungen werden sich viele Entwickler in Zukunft zwei Mal überlegen, eine für China konforme Version ihres Spiels herauszugeben. Und dennoch: Im Hinterkopf bleibt bei vielen der rasant wachsende und enorm grosse Markt, den man eigentlich schon gerne beackern möchte.

So könnte es sein, dass alle Länder in Zukunft im Vornherein nur eine zensierte Version des Spiels erhalten.  Dies war zum Beispiel bereits bei «Rainbow Six: Siege» der Fall. Ubisoft gab vor dem Release bekannt, dass sie nur eine Version herausbringen und diese zensieren würden. In einem Blog-Post nannten sie diese Zensur schlicht «Ästhetische Änderungen». Vielen Fans ist das aber sauer aufgestossen. Als Reaktion auf den daraus entstandenen Shitstorm gab Ubsioft schliesslich doch klein bei und veröffentlichte  auch eine unzensierte Version.

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