«New Pokémon Snap» – Zuckersüsse Fotosafari für Zwischendurch

#Von Domagoj Belancic

4.5.2021

Kamera statt Pokéball: In «New Pokémon Snap» sammelt man die Taschenmonster ausnahmsweise nur mit Fotos.
Kamera statt Pokéball: In «New Pokémon Snap» sammelt man die Taschenmonster ausnahmsweise nur mit Fotos.
Nintendo

Mehr als 20 Jahre mussten Fans des ersten «Pokémon Snap»-Games auf einen Nachfolger warten. Nun feiert die bunte Fotosafari ihr grosses Comeback und lässt Spieler in eine lebendige Pokémon-Welt eintauchen.

#Von Domagoj Belancic

4.5.2021

Ich befinde mich an einem tropischen Sandstrand mit zahlreichen Palmen und üppiger Vegetation. Eine sanfte Brise weht. Die grelle Sonne spiegelt sich im kristallklaren Meer. Links von mir raschelt es plötzlich in einem kleinen Gebüsch. Ich greife in meine Item-Tasche, und werfe einen Pokémon-Köder in den Sand.

Jetzt heisst es Geduld haben. Meine Kamera ist auf das Gebüsch gerichtet, mein Finger ist am Auslöser. Und plötzlich ist es so weit. Ein Pikachu springt aus dem Busch in Richtung Köder. Ich drücke auf den Auslöser. Der perfekte Schnappschuss! Solche Situationen erlebt man als Spieler in «New Pokémon Snap» im Sekundentakt.

In der tropischen Inselwelt der «Lentil-Region» geht es nämlich nicht um das Fangen, Sammeln und Trainieren von Pokémon, sondern um die Kunst des Fotografierens.

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Fast wie in echt

Am gemütlichen Gameplay-Grundprinzip hat sich im Vergleich zum 1999 erschienenen Originalspiel erstaunlich wenig geändert. Im Auftrag eines renommierten Pokémon-Professors muss der Spieler möglichst viele Taschenmonster fotografieren, um einem Phänomen auf den Grund zu gehen, das Pokémon in der Inselregion aus unerklärlichen Gründen grell leuchten lässt.

Auf den Forschungstrips wird man jeweils in einem futuristisch anmutenden Safari-Gefährt in die Level teleportiert und auf vordefinierten Pfaden durch die natürlichen Habitate der Pokémon gefahren. Mit Ausnahme einiger Abzweigungen können Tempo und Richtung des Gefährts nicht beeinflusst werden – der Spieler kann sich also voll und ganz auf das Fotografieren der Tierwelt konzentrieren. Und die hat es in sich.

Die unglaublich liebevoll inszenierten Umgebungen und Pokémon sind das absolute Highlight des Games und können für waschechte Pokémon-Fans schon als Kaufgrund reichen. Die kleinen Taschenmonster in der «Lentil-Region» fühlen sich im Gegensatz zu anderen Pokémon-Games nicht wie sammelbare Gegenstände, sondern wie echte, lebendige Tiere an, die miteinander in einem Ökosystem leben und interagieren.

Wunderschön: Noch nie hat sich die Pokémon-Welt so lebendig und echt angefühlt.
Wunderschön: Noch nie hat sich die Pokémon-Welt so lebendig und echt angefühlt.
Nintendo

(Zu) simples Foto-Gameplay

Jedes der über 200 Pokémon in der «Lentil»-Wildnis verfügt über eine Reihe an einzigartigen Verhaltensweisen und Animationen, die im Namen der Wissenschaft dokumentiert und fotografiert werden können. Um an die richtig seltenen Verhaltensmuster zu gelangen und die Pokémon möglichst spektakulär in Szene zu setzen, können verschiedene Hilfsmittel verwendet werden.

Während der Fahrt durch die Wildnis kann der Spieler mithilfe von Umgebungsscans, Essensködern, Musikboxen und speziellen Leuchtkugeln mit den Pokémon interagieren. Wie die einzelnen Monster genau auf die Items reagieren, ist im Voraus oft schwer abzuschätzen. Während sich einige Pokémon beispielsweise über die Essensköder freuen, zeigen andere Pokémon kein Interesse oder reagieren gar gereizt auf den Serviervorschlag.



Genau diese Unvorhersehbarkeit und die damit verbundene Experimentierfreude macht den Reiz des Gameplays in «New Pokémon Snap» aus und motiviert den Spieler abermals durch die Level zu fahren und neue Geheimnisse zu entdecken. Leider verfliegt der Reiz des Unvorhersehbaren im Laufe des rund 10-stündigen Abenteuers für Spieler, die ein bisschen mehr Komplexität und Abwechslung im Gameplay suchen.

Die relativ beschränkten Interaktionsmöglichkeiten offenbaren vor allem in den späteren Levels einige Schwächen im simplen Gameplay-Konstrukt und hinterlassen einen monotonen Nachgeschmack, den selbst die wundervoll inszenierten Spielwelten nicht ganz wegspülen können. Auch die Steuerung zeigt mit den immer flinker werdenden Pokémon im späteren Verlauf des Spiels ihre Schwächen – die träge Kamera hat mir so einige Schnappschüsse vermiest. Immerhin: Wer die sehr präzise Bewegungssteuerung aktiviert, kann mit kleinen Handbewegungen einen Ticken schneller reagieren.

Mit den Leuchtkugeln können einige Pflanzen und Pokémon mit einem gezielten Schuss zum Leuchten gebracht werden - mit oft unerwarteten Konsequenzen.
Mit den Leuchtkugeln können einige Pflanzen und Pokémon mit einem gezielten Schuss zum Leuchten gebracht werden – mit oft unerwarteten Konsequenzen.
Nintendo

Gute Fotos, schlechte Fotos

Trotz der teilweise zu simplen Gameplay-Mechaniken, hat das Spiel durchaus Suchtpotenzial. Neben der lebendigen Spielwelt und dem Herumexperimentieren mit den Items sorgt vor allem auch die Foto-Bewertungsfunktion für eine langanhaltende Motivation.

Nach jedem Ausflug kann der Spieler eine Auswahl der geschossenen Fotos vom Pokémon-Professor bewerten lassen, um Erfahrungspunkte zu sammeln und so neue Umgebungen, Levelvariationen (inklusive neuer Tageszeiten) und weitere Extras freizuschalten. Die bewerteten Fotos werden im Anschluss im sogenannten «Foto-Dex» archiviert. Zu jedem der über 200 Pokémon im Game können insgesamt vier verschiedene Verhaltenskategorien im Album dokumentiert werden.



Besonders motivierte Hobbyfotografen können nach dem Beenden der Story und der Auflösung des mysteriösen Leucht-Phänomens ihre Spielzeit mit der Komplettierung des «Foto-Dex» locker verdoppeln. Die Fotos können zusätzlich auch in einem relativ umfassenden Foto-Editor nachbearbeitet und mit freischaltbaren Spielereien wie Stickern und lustigen Spezialeffekten versehen werden. Das Spiel beinhaltet sogar eine Online-Plattform, mit der die eigenen Fotos geteilt und Fotos von Spielern aus der ganzen Welt angesehen und bewertet werden können.

Die teilweise spektakulären Fotos der Community sorgen für noch mehr Motivation und Inspiration auf dieser zuckersüssen Pokémon-Safari.