Spielekritik

«Resident Evil 3 Remake»: Viel zu kurzer Spitzen-Horror

Von Pascal Wengi

7.4.2020

«Resident Evil 3» kriegt ein neues Gewand.
Bild: Capcom

Nach dem unglaublich erfolgreichen Remake von «Resident Evil 2» im letzten Jahr folgt nun der ebenso heiss erwartete dritte Teil rund um den Zombie-Ausbruch in Raccoon City. Höchstwertungen des zweiten Teils lassen auf ein weiteres Meisterwerk hoffen, doch kann «Resident Evil 3» auch abliefern?

«Resident Evil 3: Nemesis» von 1999 gilt bis heute nicht unbedingt als bestes Resident-Evil-Spiel. Das Original war ursprünglich als eigenständige Erweiterung zu Teil zwei geplant, was dem Spiel auch anzumerken war. Capcom legte im Gegensatz zum gefeierten zweiten Teil den Fokus zwar etwas mehr auf Action statt Horror, trotzdem musste sich der dritte Teil die Anschuldigung gefallen lassen, zu stark vom zweiten Teil zu kopieren.

Doch der namensgebende Tyrann «Nemesis» wurde zu einem Fan-Favorit, was den dritten Teil bis heute trotzdem zu einem der wichtigsten Titel der Serie macht. Jeder, der das Original gespielt hat, erinnert sich wohl an das furchteinflössende «Starrrrrrrs», welches der brutale Hüne bei seiner unaufhaltsamen Verfolgung der Heldin Jill von sich gab. Dass er meist aus dem Nichts irgendwo durch eine Wand brach oder irgendwo heruntersprang, ist bis heute der Grund für stetige Paranoia vieler Spieler, wenn sie in Spielen durch lange Gänge laufen müssen – zumindest bei mir.

Der Trailer zu «Resident Evil 3 Remake».

Video: Youtube

Gleiche Story aber eben doch nicht

Auch im Remake darf Nemesis natürlich nicht fehlen und schon bei den ersten Bildern des Ungetüms im Ankündigungstrailer hatte so manch ein Spieler des Originals Flashbacks an diese konstante Furcht vor dem Tyrannen. Doch wie auch schon vor 21 Jahren stellt sich ihm eine Frau tapfer gegenüber: Jill Valentine. Das taffe Ex-Mitglied der S.T.A.R.S Spezialeinheit des Raccoon Police Department leidet seit ihren traumatischen Erlebnissen in der berüchtigten Villa aus Teil eins unter ständigen Albträumen. Nun ermittelt sie auf eigene Faust gegen den Megakonzern Umbrella.



Den Grossteil des Spiels erlebt der Spieler aus ihrer Sicht und muss eine Gruppe Überlebender mithilfe einer U-Bahn aus der Stadt schaffen. Denn Raccoon City ist gänzlich in der Hand des von Umbrella verursachten Zombie-Ausbruchs. Hilfe erhält Jill dabei von Carlos, dem sympathischen Mitglied des Umbrella-Söldner-Trupps, den der Spieler an einigen Stellen wie im Original steuern darf. 

Unerwünschter Super-Fan ohne Rücksicht auf Social Distancing. Der Nemesis ist wohl die brutalste Klette der Game-Geschichte.
Bild: Capcom

Bei der Story haben sich die Entwickler hingegen etwas mehr Interpretationsspielraum gegönnt. Wer sich noch an «Resident Evil 3: Nemesis» erinnert und jeden Abschnitt auswendig kennt, wird nun die eine oder andere Überraschung erleben. Unverkennbare Abschnitte, wie der erneute Besuch der Polizeistation aus Teil zwei, sind aber wieder mit von der Partie.

Da der dritte Teil dieselbe Grafik-Engine wie Teil zwei verwendet, war dies keine grosse Überraschung. Denn wie schon bei den beiden Originalspielen, ähneln sich auch die Remakes sehr stark, vor allem optisch.

Wunderschönes Chaos

Gerade die Grafik ist eine der grössten Stärken von «Resident Evil 3 Remake», denn das Spiel sieht einfach bombastisch aus. Die Strassen von Raccoon City kommen in der imposanten RE-Engine voll zur Geltung. Selten sah eine vom Tod heimgesuchte Stadt so lebendig aus. Da der dritte Teil kurz vor den Ereignissen des zweiten spielt, befindet sich Raccoon City gerade mitten im Chaos und zeichnet ein realistisches Bild einer ehemals beschäftigten Metropole, welche förmlich überrannt wurde.

Hell schimmernde Neon-Reklamen zieren die Häuserfronten und thronen als starker Kontrast über der Zerstörung und dem Leid in den Strassen. Halbwegs intakte Schaufenster beleuchten die Strassen ebenso wie brennende Autos und Sirenen von verunfallten Rettungsfahrzeugen. Kaum eine andere Apokalypse bot je mehr Schönheit in all ihrem Horror. Die detaillierte Umgebung erzählt ihre eigene Geschichte und wirkt dank der potenten Grafik stets erschreckend glaubhaft.

Selten sah eine zerstörte Stadt so wunderschön aus. Die RE-Engine glänzt mit ihren Beleuchtungseffekten und glaubhafter Darstellung einer überrannten Stadt.
Bild: Capcom

Dies gilt ebenso für die Hauptfiguren, die allesamt hervorragend modelliert wurden. Protagonistin Jill erhielt dabei eine komplette Generalüberholung, was einige Fans eher missgünstig zur Kenntnis nahmen. Einige sehen in ihrem neuen Look eine Anlehnung an die Hauptdarstellerin der Filmumsetzung, Mila Jovovich, obwohl diese im Film als Alice eigentlich eine komplett andere Rolle spielt. Kann auch purer Zufall sein, aber eine gewisse Ähnlichkeit ist doch vorhanden. Positiv fällt ebenso die verbesserte Synchronisation aus, welche dieses Mal klar besser als noch im Remake zu Teil zwei rüberkommt.

Fehlender Inhalt

Eins zu eins wurde hingegen die Steuerung mit all ihren Stärken und Schwächen aus Teil zwei übernommen. Zwar ist man mittlerweile Lichtjahre von der berüchtigten Panzersteuerung der Originale entfernt und, doch fühlt sich das Spiel teilweise nicht zeitgemäss an. Vor allem auf der Konsole mit Controller ist das Zielen ungewohnt. Waren bei Teil zwei mit Leon und Claire noch ein Polizei-Anfänger und eine Studentin am Werk, was den ungeübteren Umgang mit Waffen erklären würde, handelt es sich bei Jill und Carlos um zwei trainierte Waffenexperten. Da sollte man eigentlich erwarten, dass die beiden etwas mehr Übung im Zielen mit Pistole und Sturmgewehr haben.

Da sich Teil drei wie auch schon im Original mehr auf Action statt Horror konzentriert, trifft man somit auch auf mehr Untote und andere Gegner, was die gewöhnungsbedürftige Steuerung nicht gerade vereinfacht. Glücklicherweise erhalten Jill und Carlos etwas mehr Munition als ihre beiden Kollegen aus Teil zwei und können diese so auch etwas grosszügiger unter die Untoten bringen.



Wo «Resident Evil 3 Remake» gegenüber dem zweiten Teil dafür spart, sind leider die Rätsel. Der dritte Teil spielt sich etwas gradliniger. Das erneute Erkunden derselben Schauplätze wie noch in Teil zwei entfällt. Vielmehr hetzt einem das Spiel durch die Level, spätestens wenn man von Nemesis verfolgt wird. Dies ist in Anbetracht der gut gestalteten Level etwas schade.

Leider spart das Spiel aber auch stark am Inhalt und so ist nach dem Durchspielen der Story Schluss. Es gibt keine alternative Route und keinen alternativen Modus. Nach dem Durchspielen auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad wird zwar noch der Albtraummodus freigeschaltet, welcher die Verteilung der Gegner neu auswürfelt und an machen Stellen sogar mehr Sinn macht als die Standard-Version, doch dies lädt maximal für einen zweiten Durchgang ein. Es gibt ausserdem einen Shop, wo der Spieler Punkte für neue Objekte ausgeben kann, diese sind aber bloss nette Gimmicks und keine spielverändernden Neuerungen – etwas enttäuschend für einen Vollpreistitel.



Interessanter Multiplayer ohne Belang

Der Vollständigkeit halber zu erwähnen, wäre der asymmetrische Mehrspielermodus, in welchem ein Spieler als Mastermind vier anderen Spielern das Leben schwer macht. Die vier Überlebenden müssen in einem Level gewisse Aufgaben erfüllen und vom Mastermind platzierte Fallen und Monster ausschalten. Dies ist zwar eine nette Idee, aber kaum ein «Resident Evil»-Fan interessiert sich für einen Multiplayer-Modus und so zahlt dies auch nicht wirklich auf den Umfang ein. Der «Söldner»-Modus wie im Original wäre hier wohl die bessere Wahl gewesen.

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