Schweizer Superstar im Ausland: Sie ist der «Roger Federer» des eSports

19.9.2018 - 10:10, Martin Abgottspon

Soe Gschwind Penski zählt weltweit zu den einflussreichsten Frauen im eSport.
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Ok, sie ist vielleicht nicht so bekannt und vermögend wie unser Tennis-As. Doch Soe Gschwind-Penski ist sicherlich das bekannteste Schweizer Gesicht in der eSport-Branche. In ihrer Heimat kennen sie trotzdem nur die wenigsten – und das, obwohl sie eigentlich ziemlich patriotisch ist.

Erst vor wenigen Wochen ging im Barclays Center in Brooklyn einer der grössten eSport-Events dieses Jahres über die Bühne. Zum ersten Mal wurden die Finals der neu gegründeten «Overwatch League» ausgetragen. Die 11'000 Tickets für einen Besuch vor Ort waren innert Minuten ausverkauft. In den Livestreams verfolgten Millionen die Entscheidungen. Und mittendrin stand die Schweizerin Soe Gschwind-Penski.

«Soembie», wie sie unter ihrem Pseudonym auch besser bekannt ist, ist Casterin bei der Overwatch League. Dort führt sie die Zuschauer mit ihren Analysen und witzigen Art durch die Ligaspiele. Das macht sie so gut, dass ihr auf Instagram, Twitter & Co. mittlerweile hunderttausende von Fans folgen. Frech, aber charmant: Das sind die Markenzeichen von Soe Gschwind-Penski.

Der kometenhafte Aufstieg

Die Schweizerin überzeugt aber bei Weitem nicht nur mit ihren moderativen Fähigkeiten, sondern genauso mit ihren fachmännischen Analysen. Das erstaunt wenig, wenn man weiss, wie lange Soe bereits im eSport unterwegs ist. Angefangen hat alles schon als kleines Mädchen, als sie sich mit ihrem Bruder noch um den Controller oder den Platz vor dem PC stritt. «Oft musste ich warten, bis er endlich schlief, ehe ich endlich das Kommando übernehmen konnte», erinnert sich die 30-Jährige. In Jugendjahren widmete sie sich dann intensiver Shooter-Spielen wie «Quake» oder «Unreal Tournament», bis sie für längere Zeit bei «World of Warcraft» hängen blieb.

Dass sie ihre Passion fürs Gaming später zum Beruf machen konnte, war mehr Zufall. Die richtige Person hörte zur richtigen Zeit eine ihrer Radiosendungen, die damals nichts mit Gaming oder eSport zu tun hatten. «Trotzdem hatten die Leute den Eindruck, dass ich eine Ahnung von Videospielen habe und mich ausserdem nicht schlecht anhöre». Kurze Zeit später landete Soe bei der Freaks 4U Gaming GmbH, mittlerweile eine der grössten eSport-Agenturen Europas.

Es war 2005, als sie erstmals auf einer eSport-Bühne stand: Damals kommentierte und moderierte Soe noch auf deutsch. In der Community wurde sie schnell akzeptiert. Eben auch, weil sie mit all ihrem Wissen über Videospiele die nötige Glaubwürdigkeit mitbrachte. Durch ihre erfolgreichen ersten Gehversuche auf den eSport-Bühnen folgten grössere Auftritte wie bei einer Gamescom, E3 oder BlizzCon. Dort wurde sie auch erstmals auf Overwatch aufmerksam und wusste gleich: «Das ist mein Ding!» Das sahen offenbar auch die Leute bei Blizzard so, weshalb Gschwind-Penski heute das Gesicht einer der weltweit grössten eSport-Ligen ist.

Ein bisschen Heimweh

Doch auch in der Karriere von Soe Gschwind-Penski war nicht immer alles nur rosig. Das musste sie insbesondere im Frühling dieses Jahres erfahren, als sie sich am Internationalen Frauentag für die Unterstützung der Männer bedankte: «An alle, die uns unterstützen, uns eine Stimme geben, wenn wir keine haben, für unsere Sache kämpfen und uns so behandeln, wie wir uns alle behandeln sollten…wie einen gleichberechtigten Menschen, unabhängig von der Rasse oder dem Geschlecht.»

Ironischerweise folgte auf die Dankes-Botschaft sofort eine Lawine des Hasses. Viele User warfen ihr Frauenfeindlichkeit und Unterordnung vor, beleidigten sie und drohten ihr sogar mit Mord. Kurz darauf äusserte sich Soe zu den Drohungen und teilte mit, wie schockiert sie diese zurückliessen. Der eigentliche Dank sei vollkommen untergegangen und missverstanden worden.

Soe zählt heute zu den einflussreichsten Frauen im eSport. In Los Angeles, wo sie mittlerweile lebt, findet sie auch viel Gehör, sie ist ein Star. Doch genau wie Roger Federer kommt auch sie gerne zwischendurch in die Schweiz. Sie vermisst die Schokolade und das Rivella und obwohl sie sämtliche Stars der Overwatch-Szene kennt, fieberte sie beim kürzlich ausgetragenen Overwatch World Cup natürlich mit den Schweizern mit. Für eine Qualifikation zum Final an der BlizzCon reichte es den Eidgenossen zwar nicht. «Aber in meinem Herzen sind sie trotzdem die Sieger», so Soe.

Und damit dürfte sie zumindest auch hierzulande wieder einige Fans hinzugewonnen haben.

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