Neues «Lego Star Wars»-Spiel

«Skywalker Saga» erobert sogar die Herzen der kritischsten Fans

Von Pascal Wengi

12.4.2022

Zieh das Laserschwert: Darth Vader und Luke Skywalker melden sich in Lego-Form zurück.
Warner Bros.

Star-Wars-Games lassen Fanherzen nicht immer höher schlagen. Die neuste Lego-Ausgabe allerdings sollte man sich nicht entgehen lassen. Und wer noch kein Fan der Serie ist, könnte es mit der «Skywalker Saga» tatsächlich werden.

Von Pascal Wengi

12.4.2022

«Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…» Eine unverkennbare Intro-Zeile, die Filmgeschichte schrieb und bis heute Millionen Menschen weltweit begeistert. Unter den hartgesottenen Fans gibt es aber auch knallharte Kritiker, die äusserst anspruchsvoll sind und eine genaue Vorstellung davon haben, wie Inhalte zu ihrer Lieblings-Franchise aussehen sollten.

Gameentwickler, die sich an die Materie trauen, laufen oft Gefahr, dass ihr Werk bei der eigentlichen Zielgruppe durchfällt und für alle nicht Star-Wars-Fans einfach zu uninteressant wirkt. Beispiele dafür gibt es einige, nicht selten tun sich sogar renommierte Publisher und Entwickler schwer. So zuletzt auch Electronic Arts mit «Star Wars Battlefront 2», welches erst Jahre nach Release und einigen Updates in der Community ankam. Zuerst stiess man bei den Spielern aber auf grosse Ablehnung. Es kam sogar zu Unterschriftensammlungen an die Adresse von Disney, mit der Aufforderung, Electronic Arts die Lizenzrechte wieder zu entziehen.

Zwei wie C3PO und R2D2

Wie stehen also die Chancen für ein Spiel, welches das Star-Wars-Universum in eine komplette Kinderspielzeug-Welt verwandelt und sich sogar noch traut Humor reinzubringen? Wirklich gut, wie «Lego Star Wars: The Skywalker Saga» eindrücklich beweist. Lego und Star Wars passen zusammen wie Jedi-Ritter und Lichtschwerter, wie C3PO und R2D2 oder wie Yoda und grammatikalische falsche Sätze.

TT Games liefert den Spielern mit der «Skywalker Saga» nicht bloss die Inhalte aus einem Film oder einer Trilogie, sondern die Geschichte und deren Inhalte der kompletten Saga von «Episode 1 - Die dunkle Bedrohung» bis «Episode 9 - Der Aufstieg Skywalkers». Das bedeutet nicht nur jede Menge Story, Level und Abenteuer, sondern auch eine unglaubliche Sammlung von spielbaren Figuren und Raumschiffen. Sich mit Boba Fett auf Endor durch den dichten Wald kämpfen oder als Rey die Unterwasser-Stadt Gungan-City aus Episode 1 besuchen, sind somit nicht mehr bloss der Fantasie überlassen.

Liebevolle Anspielungen

Zwar gibt es im Story-Modus gewisse Einschränkungen und vordefinierte Charaktere, was aber durchaus Sinn macht, damit die erzählte Geschichte auch funktioniert. Diese wird für ein Game in einem Spielzeug-Universum sehr gut erzählt. Auch wer die Filme schon in- und auswendig kennt, wird von Beginn weg mitgerissen. An einigen Stellen traut sich TT Games sogar, die Dialoge leicht anzupassen, um für einen Lacher zu sorgen. Diese Zeilen sind in der Regel so gut, dass sie das Ursprungs-Werk in keinster Weise mindern oder lächerlich machen, sondern liebevoll ehren.

Das Spiel beweist dabei auch ein gutes Händchen für «Insider-Witze». Als kleines Beispiel dient hier eine Szene mit Kylo Ren aus «Episode 8 - die letzten Jedi». Im Original zeigt sich dort Darsteller Adam Driver mit nacktem Oberkörper, was in den sozialen Medien einige Reaktionen hervorrief. Die Interpretation im Spiel sieht nun so aus, dass Kylo Ren sein T-Shirt mit den Muskeln zerreisst und danach seine Muskeln anspannt und posiert. Herrlich.

Doch nicht nur Erzählen können die Entwickler*innen bei TT Games, nein sie können auch zeigen. Grafisch ist «Lego Star Wars: The Skywalker Saga» schon fast ein Overkill. Licht und Spiegelungseffekte wirken beeindruckend und das für ein Spiel, welches in der Theorie nur aus Plastik-Steinen besteht. An einigen Stellen sieht die Ingame-Welt fast schöner aus, als die filmische Vorlage. Texturen wirken glaubhaft und realistisch, genauso als hätte jemand jede Szene des Films  aus Lego-Klötzchen nachgebaut.

Auch wenn alles aus Lego besteht, hat die Grafik weit mehr als nur Klötzchen zu bieten.
Auch wenn alles aus Lego besteht, hat die Grafik weit mehr als nur Klötzchen zu bieten.
Warner Bros.

Es darf auch mal einfach sein

Gameplaytechnisch wird keine Revolution angestrebt, die ist auch gar nicht nötig. Die Mischung aus einfachem Schiessen und Nahkampf, gepaart mit Lego-spezifischen Rätseln wie das Finden von fehlenden Teilen oder das Demontieren und Zusammenbauen von Elementen gliedert sich wunderbar in die kindgerechte Welt aus Steinen ein. Zwar verfügt «Lego Star Wars: The Skywalker Saga» bei den Schiesseinlagen über ein Deckungssystem, versucht aber gar nicht erst, sich in diesem Bereich mit anderen Shootern zu konkurrieren.

Je nachdem, mit welcher der unzähligen Figuren man spielt, eröffnen sich dabei neue oder andere Möglichkeiten für Kämpfe und Rätsel. Als Jedi-Ritter wie Obi Wan Kenobi oder Luke Skywalker greift man natürlich auf sein Lichtschwert als Waffe der Wahl zurück. Als Han Solo lieber zum ikonischen Blaster. Und als Droide wie R2D2 oder BB-8 übernimmt man Konsolen oder Terminals und öffnet sich damit neue Wege. Dieses System lädt förmlich dazu ein, bereits besuchte Level nochmals zu spielen, um mit neuen Figuren, neue Wege zu öffnen und unzählige Geheimnisse zu entdecken.