So kompromisslos gehen Games gegen Rassismus vor

#Von Martin Abgottspon

4.5.2021

Wer in «Valorant» mit rassistischen Äusserungen auffällt, muss schnell mit einem permanenten Ausschluss rechnen.
Wer in «Valorant» mit rassistischen Äusserungen auffällt, muss schnell mit einem permanenten Ausschluss rechnen.
Riot Games

Rassistische Äusserungen gehören leider auch in Videospielen zur Tagesordnung. Um noch vehementer dagegen vorzugehen, werden auffällige Spieler jetzt auch abgehört und bestraft.

#Von Martin Abgottspon

4.5.2021

Mit dem Tod von George Floyd wurde das Thema Rassismus im letzten Sommer wieder in die breite Öffentlichkeit gerückt.  Es kam zu weltweiten Protesten, während sich gleichzeitig viele Unternehmen in den Diskurs einschalteten. Viele machten auf die Problematik aufmerksam und versprachen, konsequent gegen Rassismus vorzugehen.

Die Spieleindustrie war damals an vorderster Front. Grosse Studios wie Microsoft, Sony und Electronic Arts solidarisierten sich und sagten ihre Events und Ankündigungsshows ab, um dem Thema noch mehr Bedeutung zu verleihen. In den sozialen Medien bezogen sie klar Stellung: «Wer über die Gewalt und den Rassismus, den Schwarze Menschen erleben, schweigt, macht sich mitschuldig.», schrieb etwa Sony auf ihrem Twitter-Kanal.

Spiele sind Nährboden für Rassismus

Was hinter geschlossenen Türen bei den Spieleanbietern passierte, war unklar. Dass etwas passieren musste, dafür umso deutlicher. Bei schätzungsweise 2,5 Milliarden Gamern weltweit, wo rassistische Äusserungen in Spielen praktisch Alltag sind, ist eindeutig Handlungsbedarf gefragt.



Immerhin reagierte Activision ziemlich schnell, indem das Unternehmen rassistische oder hassorientierte Nutzernamen aus ihren Spielen entfernte. Genauere Filter und Melde-Systeme wurden eingeführt, damit nichts durchrutscht, während man Wiederholungstäter permanent aus Spielen ausschloss.

Die Macht der Community

Doch gerade innerhalb der Spiele kommt es bis heute immer wieder zu rassistischen Äusserungen, insbesondere in E-Sport-Titeln. Wo untereinander kommuniziert wird, fallen Beleidigungen und in schlimmeren Fällen eben auch rassistische und sexistische. 

Immerhin gibt es mittlerweile bei praktisch allen Online-Spielen eine Melde-Funktion, wo man die Vergehen direkt an den Publisher übermitteln kann. Nach Auswertung der Chatverläufe werden die gemeldeten User dann mit zeitlich begrenzten und im Wiederholungsfall permanenten Ausschlüssen bestraft.

In verschiedenen Online-Spielen kann man Mitspieler oder Gegner für bestimmte Fehlverhalten melden.
In verschiedenen Online-Spielen kann man Mitspieler oder Gegner für bestimmte Fehlverhalten melden.
Riot Games

Nicht nur Alexa hört mit

Riot Games geht jetzt noch einen Schritt weiter. Der Publisher populärer E-Sport-Titel wie «League of Legends» oder «Valorant» will künftig auch den Voice Chat moderieren, um Störenfriede noch besser überführen zu können. «Wir wollen damit im Endeffekt nicht nur die Toxizität noch weiter verringern, sondern Spieler wirklich zusammenbringen», sagt Sara Dadafshar von Riot Games in einem Interview mit «Polygon». 



Dennoch handelt es sich hierbei um einen heiklen Schritt. Diverse Persönlichkeits- und Datenschutzdiskussionen sind bereits im Gang. Um verbale Verstösse im Voice Chat adäquat ahnden zu können, sei die Aufzeichnung zur Auswertung des Voice Chats aber unumgänglich, so Dadafshar. Sie betont dabei auch, dass die Daten nur in strittigen Fällen genauer untersucht werden. «Wir wissen, dass das Sammeln von Sprachdaten für viele Spieler ein Grund zur Sorge ist. Aber wir behandeln die Daten stets nur so, wie wir unsere eigenen behandeln würden. Wer sich trotzdem nicht wohlfühlt, kann seinen Sprachchat im Spiel auch einfach deaktivieren.»

Sind Ausschlüsse effektiv genug?

Es ist davon auszugehen, dass durch diese Massnahmen in Zukunft noch mehr Spieler verwarnt oder gebannt werden. Ein Problem bleibt allerdings das Strafmass. Natürlich schmerzt es, wenn man seinen gesamten Account verliert, in welchen man womöglich auch noch einige Franken investiert hat. 

Trotzdem kann man sich relativ einfach einen neuen Account erstellen, ohne wirklich eine Lehre aus seinem Fehlverhalten gezogen zu haben. Accounts über Handynummern zu verifizieren könnte hier Abhilfe schaffen. Soweit wollen sich die Spielehersteller dann aber doch (noch) nicht einschränken.