Kauf von Activision Blizzard

Das bedeutet Microsofts Mega-Deal für die Gamer

Von Martin Abgottspon

26.1.2022

«World of Warcraft» ist nur eine von etlichen Franchises, die in Microsoft-Hand übergehen.
«World of Warcraft» ist nur eine von etlichen Franchises, die in Microsoft-Hand übergehen.
Activision Blizzard

Für knapp 70 Milliarden kauft Microsoft Activision Blizzard. Doch welche Auswirkungen hat diese Übernahme für Spieler? Es geht vor allem um eines: Kundenbindung.

Von Martin Abgottspon

26.1.2022

Schon als Microsoft vor einigen Monaten Zenimax Media für knapp sieben Milliarden geschluckt hat, ging ein Raunen durch die Fachmedien. Es sollte nicht dabei bleiben, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Für den Rekordpreis von fast 70 Milliarden übernimmt Microsoft auch Activision Blizzard, einer der grössten Spielepublisher weltweit. Wenn der Deal bis 2023 über die Bühne ist, wird Microsoft mit diesem Zukauf zum drittgrössten Gaming-Unternehmen aufsteigen und Nintendo damit auf dem Podest ablösen.



Es geht um grosse Zahlen, um Wirtschaftliches und noch vielmehr um Politisches. Doch was bleibt unter dem Strich für die Gamer und Fans bestimmter Spiele? Immerhin hängen an Titeln wie «Call of Duty», «World of Warcraft», «Hearthstone» oder «Diablo» hunderte Millionen Spieler, die momentan nicht genau wissen, wie die Zukunft aussieht.

Ändern sich Bezahl-Modelle? Bleiben Accounts in der momentanen Form bestehen? Und welche neuen Spiele stehen durch die Übernahme in Aussicht? Fragen, auf die es so schnell keine Antworten gibt, Tendenzen allerdings sehr wohl.

Alles für den Gamepass

Natürlich sind rund 70 Milliarden Dollar auch für Microsoft kein Klacks. Doch das Unternehmen sitzt auf einem Geldberg von aktuell rund 150 Milliarden. Aus diesem Grund geschieht die Übernahme auch nicht in Form von Aktien-Zahlungen, sondern in einem All-Cash-Deal.

Fast die Hälfte des Geldbergs schmilzt damit zwar weg, fliesst allerdings in ein Geschäftsfeld, in dem Microsoft enormes Potenzial sieht und das das Unternehmen in den letzten Jahren auch schon erfolgreich aufgebaut hat: Gaming.

Als quasi einziges Unternehmen hat es Microsoft hinbekommen, wovon alle immer nur geredet und geträumt haben: Sie sind mit ihrem Gamepass zum Netflix für Gamer geworden. Für knapp 15 Franken im Monat lassen sich alle Spiele des Gamepasses ganz einfach installieren und spielen.

Dafür war eine ausgereifte Cloud-Gaming-Technologie nicht einmal nötig. Eine attraktive Bibliothek an Spielen war völlig ausreichend, um bis anhin 25 Millionen Abonnenten zu überzeugen. Mit den Spielen von Activision Blizzard dürfte die Zahl nochmals erheblich wachsen.



Im Kampf um die Vorherrschaft im Spiele-Kosmos ist dieser Rekord-Deal ein logischer Schritt. Während die Unterhaltungsindustrie schon vor Längerem ins Streaming-Zeitalter überging, passiert das in der Gaming-Welt erst jetzt.

Vollpreis-Spiele sind noch der Status quo, in den nächsten Jahren dürften aber Millionen von Spielern auf Abos wie eben den Gamepass wechseln. Verständlich, wenn sich Microsoft hier vorzeitig mit einem attraktiven Angebot in eine gute Stellung bringen will.

Es ist daher auch davon auszugehen, dass man für sämtliche Bezahl-Titel von Activision Blizzard in Zukunft den Gamepass braucht. Gratis-Spiele werden wohl gratis bleiben und in Zukunft über den Microsoft Store vertrieben werden.

Ob es gewisse Spiele wie «World of Warcraft» mit diesem Schritt auf die Konsole schaffen, ist fraglich, aber denkbar. Andere Online-Rollenspiele wie «Final Fantasy 14» haben diese Portierung schliesslich auch mit Erfolg vollbracht.

Ein Überblick der Spiele, welche Microsoft durch den Deal übernimmt.
Ein Überblick der Spiele, welche Microsoft durch den Deal übernimmt.
Microsoft

Ein Kampf an mehreren Fronten

Langfristig geht es aber nicht nur um den Gamepass. Mit einem Cloud-Gaming-Angebot will Microsoft auch Menschen zu Gamern machen, die keine Konsole oder einen teuren PC besitzen. Cloud-Gaming macht das möglich: Ein Controller, ein Bildschirm und eine stabile Internetverbindung reichen aus, um aktuelle Spiele nutzen zu können. Die nötige Rechenpower wird über den Cloud-Service zur Verfügung gestellt.



Und dann wäre da auch noch das aufstrebende Geschäftsfeld E-Sport. In diesem hat Microsoft bisher nur zaghafte Schritte unternommen. «Halo» und «Age of Empires 4» hat das Unternehmen zuletzt zwar gezielt in diese Richtung gepusht, die Branchen-Giganten fehlten ihnen aber ganz einfach.

Activision Blizzard hingegen gilt als Pionier im E-Sport und hat eine Reihe der beliebtesten Titel der Szene im Angebot. Dazu zählen Klassiker wie die Echtzeit-Strategiespiele «Warcraft 3» und «Starcraft 2», aber auch aktuelle Shooter wie «Overwatch» oder «Call of Duty».

Insofern ist es gut denkbar, dass Microsoft in solche Titel wieder mehr Entwicklungsaufwand stecken wird, als dies zuletzt bei Activision Blizzard der Fall war.

Gerüchte um neue Ableger von «Starcraft» und «Overwatch» machen auch schon die Runde. Umso mehr, weil sich kompetitive Spiele auch hervorragend für zusätzliche Monetarisierungsformen eignen, indem man im Game Geld für kosmetische Upgrades oder Battlepasses ausgeben kann.

Die Gamer können nur gewinnen

Bleibt die Frage, ob der Mega-Deal für die Gamer unter dem Strich nun eher positiv oder negativ ausfällt. Im ersten Moment reagieren einige Fans vielleicht noch abgeschreckt, weil sie sich einer Abo-Pflicht ausgesetzt fühlen. Allerdings bezahlen gerade «World of Warcraft»-Spieler eh schon seit vielen Jahren eine monatliche Gebühr, die nun einfach in den Gamepass übergeht. Ausserdem werden andere Spiele, für die man schon den vollen Preis bezahlt hat, auch entsprechend in die neue Microsoft-Umgebung migriert.

Viel-Spielern wird die Entwicklung daher nur entgegenkommen. Mit einem Spiele-Abo fährt man in der Regel immer günstiger als wenn man sich jeden Monat ein bis zwei Spiele kauft. Aber auch Gelegenheitsspieler brauchen durch den Deal nicht viel zu befürchten, vor allem, weil Gratis-Titel auch kostenlos bleiben werden.

Einzige Befürchtung bleibt lediglich, wie sich der Abopreis des Gamepasses entwickeln wird. Die aktuellen Beispiele von Netflix oder DAZN sind zumindest in dieser Hinsicht etwas besorgniserregend.