Wie gut ist das neue «Resident Evil Village»?

#Von Pascal Wengi & Martin Abgottspon

17.5.2021

Ethan Winters ist wie schon im letzten Teil der Serie auch in «Resident Evil Village» der Hauptprotagonist.
Ethan Winters ist wie schon im letzten Teil der Serie auch in «Resident Evil Village» der Hauptprotagonist.
Capcom

Das neuste Grusel-Abenteuer aus der «Resident Evil»-Reihe spaltet nicht nur Köpfe, sondern auch die Meinungen der Redaktion. Ein offener Dialog.

#Von Pascal Wengi & Martin Abgottspon

17.5.2021

«Resident Evil» gehört mittlerweile zu den bekanntesten Spiele-Serien überhaupt. Nach mehr als 20 Jahren am Markt haben die Zombiejäger und zwielichtigen Bösewichte schon manchem Grusel-Fan das Herz stehen lassen, wobei es bei den einzelnen Serienteilen auch immer wieder Höhen und Tiefen gab. Der neuste Ableger «Resident Evil Village» wird von der Fachpresse jetzt grösstenteils bejubelt. Zurecht, wie Martin findet, Pascal allerdings versteht die grosse Euphorie nicht ganz.

Pascal: «Rein technisch gesehen, ist das Spiel sicher ein guter Titel. Als grosser Fan der Serie fehlt mir aber das gewisse Etwas. Etwas, das mir beispielsweise ‹Resident Evil 2› geboten hat. Damals haben die Entwickler einfach die perfekte Balance aus Atmosphäre, Action und aufkommender Panik gefunden, ohne allzu sehr ins Shooter-Genre abzudriften. Bei ‹Resident Evil 7› und auch ‹Village› stört mich vor allem die Sicht aus der Ego-Perspektive, weil der Hauptprotagonist Ethan Winters für diese zusätzliche Immersion einfach zu schwach ist. Klar ‹Resident Evil› nie von starken Charakteren gelebt, aber ...»



Martin: «Ich glaube, ich muss dich an dieser Stelle kurz unterbrechen. Ich finde nämlich, dass gerade ‹Resident Evil Village› so starke Charaktere hat, wie noch kaum ein Titel der Serie. Ethan Winters mag blass wirken, aber bei den Bösewichten hat man allein mit Lady Dimitrescu eine Figur geschaffen, an die man sich noch ewig erinnern wird.»

Pascal: «Einverstanden. Lady Dimitrescu ist ein beeindruckender Gegner, der auch schon eine riesige Fan-Gemeinde hat. Aber leider werfen die Entwickler den Spielern hier nur Häppchen vor. Lady Dimitrescu ist nur kurz eine Gefahr und die Spannung um sie reisst schon viel zu früh wieder ab. Es ist nur eine Episode in gesamten Spiel, das sich für mich ein bisschen wie ein Ausflug in einen Freizeitpark anfühlt. Ich gehe von Themenbereich zu Themenbereich und schnappe überall etwas auf, was letzten Endes aber ohne Zusammenhang bleibt.»

Lady Dimitrescu nimmt zweifellos eine zentrale Rolle im Spiel ein.
Lady Dimitrescu nimmt zweifellos eine zentrale Rolle im Spiel ein.
Capcom

Martin: «Du stellst das jetzt so dar, als wären Vergüngungsparks langweilig.»

Pascal: «Das nicht, aber mir fehlt einfach diese ständige Panik wie beispielsweise aus früheren Titeln, als mich Nemesis durch das ganze Spiel gejagt hat. Deshalb ist es für mich wie eine Vergeudung, dass man aus Lady Dimitrescu nicht mehr rausgeholt hat. Im Endeffekt, wollte man vielleicht zu vielen Leuten einen Gefallen machen und hat sich dabei etwas verloren.»

Martin: «Aus meiner Sicht haben sie genau das richtig gemacht. Man hat auf die Feedbacks der Spieler gehört und eine extrem atmosphärische Welt irgendwo im tiefen Rumänien geschaffen, die wirklich mit starken Charakteren brilliert. Dabei ist es ihnen auch gelungen, die Grundessenz der Serie ins Jahr 2021 zu transportieren, ohne altmodisch zu wirken. Egal ob Anspielungen an frühere Titel, das Speichern auf der Schreibmaschine oder das beschränkte Inventar: Man spürt, das ist ‹Resident Evil›. Gepaart mit der hübschen Grafik und den Action-Spielelementen harmoniert das einfach wunderbar.»



Pascal: «Für mich ist das eher ein Flickenteppich. Würden wir über einen x-beliebigen Horror-Shooter sprechen, wäre das auch in Ordnung. Für einen ‹Resident Evil›-Teil wirkt das aber alles etwas zu gesucht. Es ist zuviel Fantasy, zu viel Kitsch. Ein bisschen wie im Film ‹Hotel Transsilvanien›, also ein Ort, wo Monster Ferien machen. Mit der Gesamtstory von ‹Resident Evil›-hat das wenig zu tun.»

Martin: «Ich denke das ganze Setting und die Gegnertypen sind irgendwo auch einfach Geschmacksache. Aber was denkst du denn über das Gameplay? Wenn ich dem Spiel Abzüge machen müsste, dann vor allem wegen den Rätseln, die mich teilweise wirklich genervt haben, weil sie so langatmig und unnötig sind.»

Pascal: «Die Rätsel passen zwar gut ins Setting, sind aber oft zu banal. Die Kugelbahn-Rätsel sind zwar witzig, machen beim wiederholten Versuch aber wenig Spass.»

Martin: «Ohne zu viel spoilern zu wollen, aber das eine Puppen-Rätsel trieb mich wirklich fast in den Wahnsinn. Lauf dahin, finde da was, geh wieder zurück, öffne diese Türe...»

Pascal: «Wenn du das Puppenhaus gerade ansprichst. Ich denke, die Entwickler haben da was probiert, das sich im Endeffekt eher wie ein Escape Room anfühlt. Ich glaube ich hatte selten weniger 'Resident Evil'-Feeling als in diesem Haus ...»

Dass Puppen auch ganz schön gruselig sein können, ist kein Geheimnis.
Dass Puppen auch ganz schön gruselig sein können, ist kein Geheimnis.
Capcom

Martin: «Jetzt drehen wir uns aber etwas im Kreis und sind schon wieder beim Setting. Wie beurteilst du denn die Shooter-Mechaniken?»

Pascal: «Weder Fisch noch Vogel. Um ein guter Shooter zu sein, fehlen Komponenten wie Treffer-Feedback oder richtiges Zielen. Für ein richtiges Horror-Erlebnis, bei welchem einem auch mal die Munition ausgeht und man genau überlegen muss, wie man seine Patronen einsetzt, fehlt es an Entscheidungsfreiheiten. Man ist quasi zum Kampf gezwungen und dafür hat man dann zu wenig Munition oder eben zu schlechte Shooter-Mechaniken.»

Martin: «Gut, den Anspruch ein guter Shooter zu sein, hatte 'Resident Evil' ja auch nie. Da gibt es zweifellos bessere Titel. Insofern bin ich in dieser Hinsicht auch nicht so kritisch. Ich finde es passt ziemlich gut zusammen, auch mit den Waffen, die man im Verlauf des Spiels findet und die auch wichtig werden, wie zum Beispiels die Explosivgeschosse.»

Pascal: «Ich hätte mir gewünscht, dass sie in diesem Bereich einfach einen Schritt vorwärts gemacht hätten. Besseres Zielen und Trefferfeedback wären aus meiner Sicht wirklich willkommen gewesen.»

Martin: «Fassen wir das zusammen: Was gibst du dem Spiel für eine Note?»

Pascal: «Weil ich die Serie wirklich sehr mag und das Spiel technisch gut funktioniert, bin ich mit einer 7 von 10 noch grosszügig. Es sind wirklich persönliche Dinge, die ich bemängle und die für mich in diesem Titel einfach nicht über alle Zweifel erhaben waren. Fans der Serie machen mit einem Kauf sicherlich nichts falsch, aber es kommt halt nicht an gewisse Vorgänger wie 'Resident Evil 2' oder 'Resident Evil 4' ran.»

Martin: «Ich gebe eine 9. Mein Lieblingstitel ist 'Resident Evil 4', an welches es knapp nicht rankommt. Ansonsten aber eine schöne Abwechslung, die das Flair perfekt auf die neue Konsolengeneration transportiert hat und mir viel Spass gemacht hat.»

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