Google, Intel und Qualcomm sperren Huawei aus

dpa/dj

20.5.2019 - 09:57

Huawei steht vor massiven Problemen. Grosse US-Tech-Hersteller schneiden den chinesischen Konzern auf Druck der amerikanischen Regierung von Software und Hardware ab. 

Nachdem Huawei auf eine schwarze Liste der US-Regierung gekommen ist, schränken Google und andere amerikanische Technologiekonzerne ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Netzausrüster und Smartphone-Anbieter ein. So hätten auch Chipkonzerne wie Qualcomm, Intel, Broadcom ihren Mitarbeitern mitgeteilt, dass Huawei bis auf weiteres nicht beliefert werde, berichtet «Bloomberg».

Der Google-Mutterkonzern Alphabet habe die Bereitstellung von Hardware und einiger Software-Dienste eingestellt, hiess es unter Berufung auf informierte Personen. Diese Entwicklung könnte Huawei in existenzielle Schwierigkeiten führen. Was es für Besitzer eines Huawei-Gerät bedeutet, erklären wir ganz am Ende des Artikels.

Huawei-Geschäft ausserhalb Chinas in Gefahr

Google ist für Huawei ein wichtiger Partner, weil bei dem Internet-Riesen das Mobil-Betriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen. Die fertigen Versionen des Systems werden zwar quelloffen allen zur Verfügung gestellt, ausserhalb Chinas werden allerdings fast nur Android-Smartphones mit integrierten Google-Diensten wie GMail, Google Maps oder dem Google Play Store verkauft. Diese Android-Version ist nicht Open Source, sondern muss von Google lizenziert werden.

Damit dürfte ein Ende der Zusammenarbeit mit Google die Verkaufschancen von Huawei-Smartphones im Westen drastisch verschlechtern. Im ersten Quartal dieses Jahres lieferte Huawei knapp 30 Millionen Smartphones ausserhalb Chinas aus, in etwa genauso viele wie im Heimatland.

Weiter Support für bestehende Huawei-Geräte

Google erklärte am Montag, man halte sich an die Anordnungen der US-Regierung und prüfe die Folgen. Zugleich betonte das Unternehmen, dass es für Nutzer bestehender Huawei-Smartphones keine Einschränkungen bei der Nutzung der App-Download-Plattform Google Play und der Sicherheitsfunktion Google Play Protect, die bösartige Anwendungen herausfiltert, geben werde.

Unklar ist, was etwa mit Android-Sicherheitsupdates für diese Geräte passieren wird. Huawei hat in einer Stellungnahme zugesagt, alle bestehenden Geräte sowie jene der Untermarke Honor in Eigenregie mit Sicherheitsupdates zu versorgen. Man wolle weiterhin eine sichere Softwareumgebung für alle Nutzer weltweit zur Verfügung stellen, heisst es.

Huawei bekommt auch keine Chips mehr

Qualcomm, Intel und Broadcom wiederum gehören zu den wichtigsten Chip-Herstellern der Welt. Ohne ihre Produkte ist es quasi unmöglich, moderne Laptops oder Smartphone zu produzieren. Huawei entwickelt zwar eigene Prozessoren und Modems für einige Modelle seiner Smartphones, bezieht aber Chips für einen Teil der Telefone von Qualcomm. Bei seinen Laptops setzt es auf Intel.

Bei seiner Netzwerktechnik ist Huawei noch viel stärker auf Chips aus den USA angewiesen. Die Firma habe aber in Vorbereitung auf mögliche US-Sanktionen bereits Halbleiter für mindestens drei Monate eingelagert, berichtete «Bloomberg» unter Berufung auf informierte Personen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Huawei in so kurzer Zeit die sanktionierten Chips komplett durch Eigenentwicklungen ersetzen kann.

Was macht Microsoft?

Es gilt als wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen weitere US-Firmen ähnlich vorgehen dürften. Microsoft beispielsweise könnte Huawei von Windows ausschliessen — das würde das Desktop-Geschäft weiter treffen. Selbst wenn Huawei die nötigen Chips für seine Laptops beziehen kann, könnte es diese nicht mit Windows 10 ausstatten. Huawei arbeitet zwar bereits an einem eigenen Betriebssystem, doch ob das für Durchschnittsnutzer besonders attraktiv sein wird, darf bezweifelt werden.

Was passiert mit Huawei-Laptops wie der MateBook-Reihe? Bei Desktop-Prozessoren gibt es ein US-Duopol von Intel und AMD und mit Windows 10 werden die Rechner wohl auch nicht ausgestattet werden können.
Huawei

Der chinesische Huawei-Konkurrent ZTE war im vergangenen Jahr von ähnlichen US-Einschränkungen so schwer getroffen worden, dass die Firma zeitweise ihr internationales Geschäft stoppen musste. Die Sanktionen gegen ZTE wurden später mit einem Deal aufgehoben. Das scheint derzeit auch Huaweis einzige Hoffnung zu sein.

Was bedeutet es für Huawei-Nutzer?

Lässt sich das Huawei-Handy weiter verwenden?

Ja, ein existierendes Gerät sollte weiterhin unverändert benutzbar sein. Auch Updates für installierte Apps sollten über den Play Store weiterhin abrufbar sein. Huawei bietet zudem einen eigenen App Store namens AppGallery an. Hier wird man sicherlich versuchen, das Angebot auszubauen.

Was ist mit Android-Updates?

Für Android gibt es üblicherweise monatlich Sicherheitsupdates, die von Google vorbereitet werden und von den Herstellern an ihre Geräte ausgeliefert werden. Diese Pipeline wird vermutlich unterbrochen. Huawei hat aber zugesagt, in Eigenregie Sicherheitsupdates zu erstellen, um die eigenen Nutzer zu schützen. Das dauert aber vermutlich ohne die Unterstüzung von Google länger. Android-Funktionsupdates, wie das bevorstehende Android Q, wird man sich als Huawei-Nutzer aber wohl  ganz abschminken müssen.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Als Huawei-Nutzer ist man nun natürlich gegenüber anderen Android-Handys benachteiligt, da man auf Android-Updates wohl grösstenteils verzichten muss. Gerade für Besitzer brandneuer Geräte wie dem Huawei P30 Pro ist das ärgerlich. Ein Rückgaberecht dürfte es aber erstmal nicht geben.

Wie lange werden die Huawei-Sanktionen dauern?

Die aktuelle Situation ist das Ergebnis einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump und Teil eines grösseren Handelsstreit zwischen den USA und China. Wie es hier weiter geht, kann niemand seriös vorhersagen. Vielleicht verkündet Trump ja nächste Woche per Tweet ein Ende des Konflikts und für Huawei wird alles wieder wie vorher. So wurde es übrigens vor fast genau einem Jahr auch mit ZTE gehandhabt.

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