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«GTA 6» wird am 19. November 2026 veröffentlicht.
Rockstar Games
Noch ist «GTA 6» nicht erschienen, doch Cyberkriminelle verdienen längst daran. Mit gefälschten Beta-Keys, verseuchten Downloads und Hunderten Phishing-Seiten, versuchen sie ihr Glück bei Spielern, welche die Veröffentlichung kaum erwarten können.
Die Seite sieht aus, als hätte Rockstar sie selbst gebaut. Neon-Schriftzug in Vice-City-Farben, ein Hinweis auf eine «geschlossene Beta» mit angeblich limitierten Plätzen, dazu die schmeichelhafte Einladung, beim letzten Feinschliff des Spiels zu helfen. Wer früh dabei sein will, muss bloss ein Formular ausfüllen, eine kurze Verifizierung durchlaufen und dann «noch ein paar Angebote abschliessen», um den exklusiven Zugangscode freizuschalten. Genau an dieser Stelle schnappt die Falle zu.
Denn eine offizielle GTA-6-Beta existiert schlicht nicht. Das Threat-Intelligence-Team des Sicherheitsanbieters NordVPN hat eine ganze Welle solcher Maschen rund um das meisterwartete Spiel des Jahres dokumentiert: gefälschte Beta-Keys, trojanisierte Spiel-Downloads, eine Schein-App fürs Handy und Hunderte Phishing-Seiten. Und das Perfide daran liegt in einem simplen Missverständnis, das die Angreifer gezielt ausnutzen.

NordVPN
«Grand Theft Auto VI» erscheint am 19. November 2026 – und zwar ausschliesslich für die PlayStation 5 und die Xbox Series X|S. Eine PC-Version hat Rockstar bis heute nicht offiziell bestätigt. Genau deshalb richten sich auffällig viele der Fälschungen an PC- und Smartphone-Nutzer: also an jene Menschen, die zum Start gar keinen legalen Weg zum Spiel haben werden.
Wer keinen Zugang hat, sucht eher nach einer Abkürzung – und ist damit das leichteste Opfer. Marijus Briedis, Technikchef von NordVPN, bringt es auf den Punkt. Wenn alle möglichst früh dran sein wollen, würden «selbst offensichtliche Warnzeichen leichter übersehen». Vorfreude und die Angst, etwas zu verpassen, sind hier keine Nebensache, sondern das eigentliche Werkzeug der Betrüger.
Das Grundmuster ist simpel und wirkungsvoll. Du landest auf einer professionell gestalteten Seite, füllst ein kurzes Formular aus und durchläufst eine angebliche Bot-Prüfung. Danach sollst du «ein paar Angebote abschliessen» – in der Praxis heisst das: kostenpflichtige Abos buchen oder zweifelhafte Programme installieren.
Der versprochene Key kommt natürlich nie. Stattdessen bleibt im besten Fall ein unnötiges Abo, im schlechteren eine Schadsoftware auf dem Gerät. Dass die Seiten Beta-Zugänge für Konsolen versprechen, aber Computer- und Handy-Besitzer ansprechen, sollte stutzig machen. Tut es im Eifer des Gefechts aber oft nicht.

NordVPN
Eine zweite Spur führt zu gefälschten Download-Portalen. Die Angreifer haben Kopien bekannter Repack-Seiten wie FitGirl, DODI oder ElAmigos nachgebaut, also jener Plattformen, über die meist illegal neu verpackte Spielversionen verbreitet werden. Statt eines Spiels liefern sie Schadsoftware, getarnt als harmloser Windows-Installer.
Eine im Mai 2026 untersuchte Datei zeigt laut NordVPN, wie raffiniert das abläuft. Beim Start aktiviert sich unbemerkt eine versteckte Komponente, die sich als gewöhnlicher Bestandteil eines NVIDIA-Grafiktreibers ausgibt, um keinen Verdacht zu erregen. Danach kann sie den Speicher manipulieren, Nachschub an Schadsoftware laden und sich mit fremden Servern verbinden. Die genutzte Domain war erst 23 Tage vor der Entdeckung registriert worden. Ein typisches Zeichen für Infrastruktur, die nur für eine kurzlebige Kampagne hochgezogen wird.
Auch auf Android kursiert eine Fälschung, schlicht «GTA 6 Beta» genannt. Sie zeigt täuschend echtes Rockstar-Branding und ein Intro-Video und ist im Kern eine leere Hülle, in der kein Spiel steckt. Im Hintergrund blendet sie bildschirmfüllende Werbung ein und leitet auf externe Seiten weiter, wo wieder Abos oder weitere Schadprogramme warten.
Weniger ausgeklügelt, dafür in der Masse, sind die mehreren hundert Phishing-Seiten, die es auf die Logindaten für den Rockstar Social Club abgesehen haben. Viele liegen auf seriösen Plattformen wie GitHub oder Vercel. Die Angreifer borgen sich so den guten Ruf vertrauenswürdiger Anbieter, umgehen einfache Filter und das alles, ohne selbst etwas zu bezahlen.
Gekaperte Konten landen anschliessend auf einschlägigen Marktplätzen oder dienen für weiteren Betrug. Manche dieser Seiten sind zugleich Verteilstationen für Schadsoftware, getarnt hinter gefälschten Download-Buttons und dem Versprechen exklusiver Inhalte.

NordVPN
Das ist kein abstraktes Problem von irgendwo im Netz. Beim Bundesamt für Cybersicherheit gingen 2024 über die Meldeplattform antiphishing.ch fast eine Million Hinweise ein. Das sind 79 Prozent mehr als im Vorjahr, woraus rund 20'800 echte Phishing-Seiten herausgefiltert wurden. Im ersten Halbjahr 2025 registrierte das BACS über 35'000 Cybervorfälle, und Betrugsphänomene machten mit 58 Prozent den grössten Brocken aus. Hype-getriebene Maschen wie jene rund um «GTA 6» sind nur die aktuell sichtbarste Variante davon.
Schützen kannst du dich mit ein paar einfachen Reflexen. Lade Spiele und Spieldateien grundsätzlich nur über offizielle Kanäle – den PlayStation Store, den Xbox Marketplace oder Rockstars eigene Plattform. Sei misstrauisch bei jedem Beta-Angebot. Echte Testphasen grosser Titel werden über offizielle Kanäle angekündigt und verlangen niemals, dass du dich «verifizierst» oder ein Abo abschliesst. Und prüfe immer die Webadresse, bevor du irgendwo dein Passwort eingibst.
Bis zum 19. November sind es noch fast sechs Monate. Sechs Monate, in denen der Hype lauter wird, die grosse Marketingkampagne erst richtig anläuft und mit jeder neuen Schlagzeile die Versuchung wächst, der Erste zu sein. Die Fälschungen werden in dieser Zeit nicht verschwinden – sie werden nur besser.