Initative Q: Betrug oder der neue Bitcoin?

tali

20.11.2018

Viel Geld bekommen, einfach so? Das verspricht die Initiative Q potenziellen Teilnehmern.
initiativeq.com

Einfach Name und E-Mail-Adresse angeben, und schon ist man reicher – oder doch nicht? Was hinter dem neuen Online-Hype Initiative Q steckt.

Ein Geschenk von 13'000 US-Dollar, nur dafür, dass man sich mit seinem Namen und seiner Email-Adresse registriert – klingt das nicht verlockend? Oder doch eher unseriös? Diese Frage stellen sich inzwischen auch immer mehr Schweizer, die in ihren E-Mail-Eingängen Einladungen der Initiative Q finden: einem Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, eine neue, moderne Währung einzuführen.

Buchstäblich 13'000 US-Dollar werden den potenziellen Teilnehmern zwar nicht versprochen, wenn sie ihre Daten angeben. Doch allein für ihre Registrierung belohnt die Firma sie mit 13'000 Einheiten der besagten Währung, die schlicht Q heissen soll und pro Stück rund einen US-Dollar wert sein soll. Weitere Qs lassen sich verdienen, indem der neue Nutzer innerhalb eines bestimmten Zeitfensters weitere Nutzer akquiriert: «Je eher Sie sich anmelden, umso grösser ist ihre Belohnung», wirbt die Initiative Q auf ihrer Website. Ein Aufruf, dem inzwischen über vier Millionen Menschen aus über 180 Ländern nachgekommen sein sollen – und der gleichzeitig für grosse Skepsis sorgt.

Viel Lärm um ... nicht viel

Bislang ist die Cyber-Währung, von der zunächst 20 Billionen Einheiten in Umlauf gebracht werden sollen, nämlich vor allem eins: ein grosser Marketing-Coup. Kaufen können sich die Unterstützer von ihren gesammelten Qs de facto nichts; ob sie ihre Qs jemals einlösen werden können, steht noch in den Sternen.

Denn bevor Qs überhaupt geschaffen werden, will die Initiative Q erst einmal genügend Menschen rekrutieren, die sie überhaupt verwenden würden: «Ein Zahlungssystem ist nur nützlich, wenn es von einer bestimmten Zahl Käufer und Verkäufer genutzt wird. Diese kritische Masse Nutzer zu erreichen, ist die grosse Herausforderung, denn die Leute werden zunächst zögern, das neue Zahlungssystem zu probieren», wird auf der Website erklärt. «Diese Hürde ist der Grund, warum bisherige Versuche, ein neues System einzuführen, trotz besserer Funktionalität wenig bis gar nicht erfolgreich waren.»

Zentral – und dadurch besser?

Sobald eine – bislang ungenannte – Teilnehmerzahl erreicht ist, plant Initiative Q, eine App zu bauen, mit der Nutzer sowohl online als auch in Läden zahlen können, gesichert durch eine moderne Verschlüsselungstechnologie und eine Multi-Faktor-Verifizierung. Dass die Umsetzungspläne an dieser Stelle schwammig werden, lässt bei Experten allerdings Alarmglocken läuten: «Initiative Q ist nicht das neue Bitcoin», meint Shidan Gouran, Präsident von Global Blockchain, im Gespräch mit «Forbes». «Tatsächlich ist das Konzept ziemlich fragwürdig, denn es scheint vorsätzlich mysteriös zu sein».

So will sich die Inititive Q auf ihrer Website von von Kryptowährungen wie Bitcoin abgrenzen, indem es nicht auf das Blockchain-Verfahren setzt. Das gilt zwar technisch als fälschungssicher, sei aber dezentral und könne dadurch nicht reguliert werden, kritisiert Saar Wilf, Gründer der Initivative Q und das einzige Teammitglied der Firma, das auf der Seite des Unternehmens namentlich genannt wird. Stattdessen soll ein unabhängiges Kommittee, gewählt von den Mitgliedern und Aktionären des Q-Netzwerks, für eine stabile Währung sorgen. Die Frage, wie genau das funktionieren würde und inwiefern das manipulationssicherer sei, bleibt jedoch ebenso offen wie die, woher ein Q eigentlich seinen Wert bezieht.



(K)ein Schneeballsystem

Kein Wunder, dass sich Wilf momentan vorrangig eine Frage gefallen lassen muss: Die, ob die Initiative Q nicht einfach nur ein grosses Schneeballsystem sei. Nein, widerspricht das Unternehmen, schliesslich müsse der Interessent bei einem Schneeballsystem per Definition Geld investieren, um Teil des Systems zu werden. Dass Argument, dass der Einstieg bei der Initiative Q kostenlos ist, überzeugt Finanzexpertin Michaela Hönig, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt University for Applied Sciences, trotzdem nicht: «Das Big Business im Internet sind die Daten. Das unterschätzen viele Nutzer», warnt sie in der «Zeit».

Auch dagegen wehrt sich der Konzern: «Die Daten unserer Nutzer werden nie auf dise Weise verwendet werden, wenn die Initiative Q scheitern sollte, zerstören wir unsere Datenbank», versprechen die Initiatoren. «Unsere Datenschutzbestimmungen verbieten das und wir würden grosse finanzielle Verluste riskieren, wenn wir wegen Zuwiderhandlung verklagt werden würden». Man solle das Projekt als einen Gratis-Lottoschein sehen, fordert die Initiative Q stattdessen.

Einen Gratis-Lottoschein, von dem man sich in den nächsten Jahren allerdings keinen Geldregen versprechen sollte: «Während die Firma hinter dem System versucht, ihre Existenz und Marketingkampagne mit grossen Versprechungen zu rechtfertigen, fehlen ihr zwei entscheidende Faktoren – ein tatsächliches Produkt und regulatorische Kontrolle», fasst Mike Rymanov, CEO des Digital Securities Exchange für «Forbes» zusammen. «Bevor es eine brauchbare Option für Investoren wird, muss die Initiative Q sicherstellen, dass es alle gesetzlichen Anforderungen in allen notwendigen Zuständigkeitsebenen erfüllt. Das kann und wird Jahre dauern».

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