Apple erneuert mit dem iPhone XS seine Lizenz zum Gelddrucken

Pascal Landolt

13.9.2018 - 09:15

Nicht die iPhones selber – Bildschirme sind wichtig für Apple: Möglichst grosse Bildschirme.
Keystone

Apple lanciert neue iPhone-Modelle und steckt uns dabei immer grössere Bildschirme in die Hosentaschen. Das hat nicht in erster Linie mit Wünschen der Nutzer zu tun: Apple sichert so sein Überleben für die nächsten zehn Jahre.

Letzten Monat hat Apple Schlagzeilen als erste Billion-Dollar-Unternehmung der jüngeren Zeit gemacht: Seit Tim Cook im August 2011 die Spitze von Apple übernahm, hat sich der Börsenwert des iPhone-Konzerns bereits mehr als verdoppelt.

Und nicht zuletzt unter Cook ist Apple extem effizient darin geworden, natürliche Ressourcen in begehrenswerte Gadgets zu verwandeln. Vor allem gelang es dem Unternehmen dabei, eine in der Industrie einmalige Profitmarge, Spöttern sprechen von der «Apple Tax», daraufzuschlagen.

Unter Tim Cook setzt Apple neue Superlative: Mehr Umsatz, schnellere Verkäufe, höhere Börsenkurse (Symbolbild).
AP

Apple unbeeindruckt vom Markt

Dabei hat sich Apple bisher bemerkenswert dem Markttrend zur Sättigung entzogen und 2018 sogar noch einmal zugelegt mit den iPhone-Verkäufen. Wie weiter? Kommt jetzt mit der Apple-Brille ein total neues und immersives Produkt, das den iPhone-Konzern durch die nächsten Jahre trägt? Mitnichten: Die Zukunft ist bei Bildschirmen – grossen Bildschirmen.

Apple ist also darauf und daran, die Bildschirme seiner Geräte in immer mehr Haushalte zu bringen. Jetzt werden diese Screens bei den iPhones noch grösser – und das ebnet den Weg für ein neues Businessmodell von Apple, das sich noch in Entwicklung befindet und über ein riesiges Potenzial verfügt: Services.

Der Bildschirm wächst, der Medienkonsum damit noch mehr: iPhone 8 Plus (links) und sein Nachfolger, das neue iPhone XS Max.
Screenshot Bluewin

Grössere Bildschirme befeuern «Services»

Die Apple-Dienste wie der App Store, iTunes, iCloud und Apple Music entwickeln sich im Windschatten der iPhone- und iPad-Verteilung. Jetzt werden gar Gerüchte laut, ein Netflix-Konkurrent sei bei Apple in Vorbereitung. Die Sparte der «Services» wuchs bei Apple zuletzt mit 31% im Vergleich zum Vorjahr – fast schon ein Boom-Markt. Und um diese Services einem immer breiteren Publikum zu präsentieren, braucht es grössere Bildschirme. Kein Wunder – zeigen doch Studien, dass auf Geräten mit grösseren Screens auch mehr Daten und Inhalte konsumiert werden.

Nun stellt uns Apple mit dem iPhone XS – und insbesondere mit dem neuen iPhone XS Max – also die trojanischen Pferde für mehr Medienkonsum vors Tor. Und die Lösung für unsere auflodernde Sucht liefert der iPhone-Konzern gleich mit: Services, der Sparte mit dem «explosiven Wachstum» bei Apple.

Das iPhone-Lineup von Apple wächst dieses Jahr um 10% in der Bildschirmdiagonale. Dahinter steckt gleich doppeltes finanzielles Kalkül.
Screenshot Apple.com

Grosse Bildschirme für bessere Margen

Und nicht nur das: Grössere Bildschirme sind für Apple auch direkt finanziell interessant. Beim iPhone 8 kostet Apple der Sprung vom kleinen auf den grossen Display rund 33 Dollar mehr, der Aufpreis, den es seinen Kunden verrechnet, beträgt aber 100 US-Dollar. Dies alles sorgt dafür, dass das gesamte iPhone-Lineup von Apple dieses Jahr um rund 10% in der Bildschirmdiagonale gegenüber dem Vorjahr zulegt. Der Trend ist klar.

Auch wenn gewisse Stimmen im Netz laut nach einem iPhone SE schreien – dem kompakten iOS-Gerät, das sich mit einer Hand mühelos bedienen lässt: Die 4-Zoll-Handys kommen nicht zurück. Das ist nicht persönlich gemeint von Apple. Aber das Überleben des Tech-Giganten hängt massgeblich davon ab.

Von 1 bis X: Die Geschichte des iPhone

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