Mit «Snowflake» gegen Zensur So kannst du der iranischen Bevölkerung helfen, ins Internet zu kommen

Petar Marjanović

14.1.2026

Digitaler Informationskampf: So umgehen Iraner die Internetsperre

Digitaler Informationskampf: So umgehen Iraner die Internetsperre

Der Iran kappt erneut das Internet, um wachsende Proteste im Land unter Kontrolle zu bringen.

14.01.2026

Der Iran kappt erneut das Internet, um wachsende Proteste im Land unter Kontrolle zu bringen. Internet-Nutzer*innen in Europa können von zuhause aus der iranischen Bevölkerung helfen. So funktioniert's.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Seit Ende Dezember protestieren im Iran erneut viele Menschen gegen das Regime, worauf die Führung den Zugang zum weltweiten Internet weitgehend gesperrt hat, um Demonstrationen und Berichterstattung zu erschweren.
  • Der digitale Blackout trifft die Bevölkerung hart und macht es auch ausländischen Medien schwierig, das Ausmass der Proteste und der Repressionen einzuschätzen.
  • Technische Hilfsmittel wie die Tor-Erweiterung «Snowflake» ermöglichen es dennoch, staatliche Internet-Sperren teilweise zu umgehen.

Seit Ende Dezember gehen im Iran erneut zahlreiche Menschen gegen das Regime auf die Strasse. Auslöser waren zunächst Proteste von Händlern in Teheran, die sich über die schlechte wirtschaftliche Lage beklagten. In der Folge breiteten sich die Demonstrationen rasch auf andere Landesteile aus.

Die Führung in Teheran reagierte mit bekannten Mitteln. Der Zugang zum weltweiten Internet wurde weitgehend unterbrochen. Damit will das Regime die Organisation der Proteste erschweren und verhindern, dass Bilder, Videos und Berichte aus dem Land nach aussen gelangen. Für die Bevölkerung hat dieser digitale Blackout gravierende Folgen. Ohne Internet lassen sich Informationen kaum austauschen.

Auch ausländische Medien stehen vor Problemen. Ohne verlässliche Kontakte wird es zunehmend schwierig, das Ausmass der Proteste und das Vorgehen der Sicherheitskräfte einzuschätzen. Die nahezu vollständige Abschottung vom globalen Internet gilt dabei als eines der wirksamsten Instrumente des iranischen Sicherheitsapparates.

Snowflake teilt eigene Internet-Verbindung

Gegen solche Internet-Sperren gibt es allerdings technische Umgehungsmöglichkeiten. Eine davon trägt den Namen «Snowflake». Es handelt sich um eine kostenlose Erweiterung für Internetbrowser, die vom sogenannten Tor-Projekt entwickelt wurde. Bekannt ist dieses Projekt vor allem durch den «Tor-Browser», mit dem sich Webseiten anonym aufrufen lassen.

Wer Snowflake installiert, stellt freiwillig einen kleinen Teil seiner eigenen Internetverbindung zur Verfügung. Menschen in Ländern mit starker Zensur können diese Verbindung nutzen, um Zugang zum offenen Internet zu erhalten. Die Erweiterung wird für gängige Browser wie Google Chrome, Microsoft Edge oder Mozilla Firefox angeboten.

So gehst du vor

  • Zuerst musst du prüfen, welchen Internet-Browser du auf dem Computer nutzt: Wenn es Google Chrome, Microsoft Edge oder Mozilla Firefox nutzt, kannst du die Erweiterung installieren. Klicke dazu auf den passenden Link.
  • Auf der Erweiterungsseite klickst du auf «Hinzufügen»-Button. 
  • Nach dem Installieren erscheint im Browser oben rechts ein Schneeflocken-Symbol. Klicke darauf und aktiviere dann die Erweiterung (siehe Bild unten).
So sieht die aktivierte Erweiterung im Google Chrome auf MacOS aus.
So sieht die aktivierte Erweiterung im Google Chrome auf MacOS aus.
Screenshot

Das Tor-Netzwerk funktioniert über mehrere verschlüsselte Weiterleitungen. Dadurch wird die Herkunft einer Internetverbindung verschleiert. Bei Snowflake dient die eigene IP-Adresse kurzfristig als Einstiegspunkt, wechselt aber laufend. Für staatliche Zensoren ist es deshalb kaum möglich, sämtliche Zugänge zu blockieren.

In der Schweiz gilt die Nutzung von Snowflake wie auch des Tor-Browsers als legal. Selbst wenn sich Behörden mit dem Thema befassen würden, ist eine eindeutige Zuordnung des Datenverkehrs aufgrund der Verschlüsselung schwierig. Weltweit ist der Tor-Browser nur in wenigen Ländern ausdrücklich verboten – darunter China, Russland, Iran, Saudi-Arabien und Venezuela.