Kommt das «böse» Microsoft zurück?

dpa/dj

6.7.2020 - 19:23

Satya Nadella machte Microsoft zum sanften Giganten. Gerät dieser Ruf nun in Gefahr?
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Déjà-vu bei Microsoft? Manche Beobachter sehen bei dem Konzern schon eigentlich längst vergessen geglaubte Verhaltensmuster zurückkehren.

Die letzten Jahre haben es gut gemeint mit Microsoft. Vor allem mit Abo-Geschäften und Cloud-Diensten wurde viel Geld verdient. Und während sich die anderen amerikanischen Tech-Giganten wie Facebook, Apple, Amazon und Google mit öffentlichkeitswirksamen Datenschutzskandalen und Kartellvorwürfen konfrontiert sahen, ging Microsoft unter der Führung von CEO Satya Nadella erfolgreich quasi jeder grossen Kontroverse aus dem Weg.

Das war natürlich nicht immer so. In den 1990er- und 2000er-Jahren war Microsoft der unangefochtene Buh-Mann der Tech-Welt. Kartellverfahren in der EU und den USA brachten Microsoft Milliardenbussen ein, eine Zerschlagung konnte nur knapp verhindert werden. Kernstück der Beschwerden damals war Microsofts Umgang mit dem Browser Internet Explorer und dessen Konkurrenten. Und ausgerechnet beim Browser sehen manche Beobachter nun eine Rückkehr zu alten Verhaltensmustern.



Penetrantes Verhalten nach Updates

Konkret geht es um den neuen Browser Edge. Bei diesem vollzog Microsoft Anfang des Jahres den Umstieg auf eine Chromium-Basis, übernahm also das Grundgerüst des Google-Browsers Chrome. Die neue Version von Edge wird nun per automatischem Update den Windows-Nutzern zur Verfügung gestellt. Selbst auf Windows 7, für das Microsoft eigentlich schon den Support eingestellt hatte, wird Edge automatisch installiert.

Dabei geht Microsoft jedoch besonders penetrant vor. Beim ersten Hochfahren des Rechners erscheint ein grosses Pop-up, das für Edge wirbt. Dieses kann erstmal nicht weggeblickt werden. Stattdessen muss man sich erst durch mehrere Menüs klicken. Daten von anderen Browsern wie Lesezeichen werden dabei ungefragt in Edge importiert — und müssen manuell wieder gelöscht werden. Nutzer werden zudem dazu gedrängt, Edge zum Standard-Browser zu machen und Verknüpfungen sowie in der Taskleiste als auch auf dem Desktop werden erstellt. «The Verge» verglich das Vorgehen von Microsoft hier mit dem einer Malware.

Slack sieht sich unterdrückt

Die zweite Beschwerde gegen Microsoft kommt von einem Konkurrenten, dem Bürokommunikations-Dienst Slack. Microsoft sei geradezu von der Idee besessen, Slack an den Rand zu drängen, und verteile seine Teams-Software massenhaft kostenlos mit Windows 10, sagte Slack-CEO Stewart Butterfield in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Trotzdem sei es Microsoft nicht gelungen, sein Unternehmen vom Markt zu fegen. Slack habe derzeit weltweit 122'000 Kunden und verzeichne weiter ein starkes Wachstum.

«Ich glaube, dass Märkte eine Rolle spielen und Wettbewerb gut ist», betonte Butterfield. Und deshalb sei es sehr schwer, festzulegen, wo man eine Grenze ziehen müsse und wo der Staat tatsächlich eingreifen sollte. Sich in den USA für ein Kartellverfahren stark zu machen, sei aber im Grunde eine Zeitverschwendung.

«Der Kongress müsste handeln, und es kann Jahre dauern, bis da eine Entscheidung fällt.» Und da ein Votum der Politik mit Sicherheit vor Gerichten angefochten werde, würde vermutlich mehr als ein Jahrzehnt verstreichen, bevor Microsoft in die Schranken gewiesen werde.

«Freundlichere Kultur»

Im Vergleich zu den Zeiten, in denen Microsoft im «Browserkrieg» seinen Wettbewerber Netscape auch mit umstrittenen Massnahmen niedergerungen habe, sei der Konzern aber inzwischen «durch eine wärmere und freundlichere Kultur geprägt», sagte Butterfield. Obwohl man Slack in Microsoft-Pressemitteilungen diskreditiert habe. «Microsoft-CEO Satya Nadella ist eine grossartige Person – aber man wird auch nicht Chef dieses Konzerns, wenn man keine scharfen Ellbogen besitzt.»

Microsoft entgegnet, ihre Software Teams werde bei Windows 10 nicht standardmässig installiert, weder in den Versionen für Privatanwender noch bei den sogenannten Commercial-Lizenzen für gewerbliche Kunden. «Grundsätzlich kann aber jeder PC-Hersteller natürlich Microsoft-365-Anwendungen oder andere Programme installieren.»

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