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Alte Nintendo-Spiele sind heute zum Teil ein Vermögen wert.
Gemini @ blueNews
Eine vergessene «Super Mario Bros.»-Kassette aus den 80er-Jahren bringt heute Millionen und macht aus einer Schublade einen Lottoschein. Die Sache hat nur einen Haken.
Irgendwann 1986 kaufte jemand in den USA ein Videospiel als Weihnachtsgeschenk, packte es nie aus und schob es in eine Schreibtischschublade. Dort lag es über drei Jahrzehnte. Unberührt, vergessen, ein Stück Pappe und Plastik zwischen alten Quittungen. Als die Kassette 2021 wieder auftauchte, brachte sie bei einer Versteigerung 660'000 Dollar, gut eine halbe Million Franken. Der frühere Besitzer, so erzählte es das Auktionshaus Heritage, habe sich nie etwas dabei gedacht.
Und vergangene Woche wurde es noch verrückter. Eine versiegelte «Super Mario Bros.» aus einem fast 40 Jahre lang ungeöffneten NES-Paket wechselte für 3 Millionen Dollar den Besitzer. Es ist der höchste Preis, der je für ein Videospiel bezahlt wurde. Spätestens jetzt wandert der Blick unweigerlich nach oben Richtung Estrich. Liegt da vielleicht auch noch ein kleines Vermögen, eingestaubt zwischen Skiausrüstung und Weihnachtsdeko?

Super Mario ist weit mehr als nur eine Videospielfigur.
Heritage
Bevor du die Leiter holst, die ernüchternde Wahrheit: «Super Mario Bros.» ist so ziemlich das Gegenteil eines seltenen Spiels. Rund 40 Millionen Mal wurde es verkauft. Es lag jahrelang jedem Nintendo bei. Fast jeder, der in den 80ern eine Nintendo-Konsole hatte, besass eine Kopie. Eine lose, gebrauchte Kassette bekommst du im Brockenhaus oder auf Ricardo für 20 bis 30 Franken. Daran wird sich auch nichts ändern.
Was die Millionen-Exemplare von deinem Estrich-Fund unterscheidet, ist nicht das Spiel, sondern sein Zustand. Es muss originalversiegelt sein, von einem Prüfdienst wie Wata oder PSA mit einer Spitzennote bewertet und aus einer der allerersten Produktionsreihen stammen. Die 3-Millionen-Kassette etwa trägt einen Glanzaufkleber als Siegel, den Nintendo nur Anfang 1986 verwendete, bevor die Schrumpffolie kam. Genau dieser Aufkleber macht das Exemplar so wertvoll.
Der eigentliche Stoff dieser Geschichte ist aber nicht ein einzelner Verkauf, sondern die Geschwindigkeit. Noch im Juli 2020 galt eine «Super Mario Bros.» für 114'000 Dollar als spektakulärer Rekord. Ein Jahr später knackte ausgerechnet «Super Mario 64» als erstes Spiel überhaupt die Millionengrenze. Wochen davor hatte eine frühe «Legend of Zelda» bei 870'000 Dollar gelegen, das einzige Nicht-Mario-Spiel in der absoluten Spitzengruppe.
Wer die Kurve nachzeichnet, sieht eine Preistreppe, die sich in fünf Jahren verzwanzigfacht hat. Und die fast immer denselben Klempner in Latzhosen zeigt. Mario ist König, Zelda Königin. Seltenere, aber unbekanntere Titel in Topzustand interessieren die zahlungskräftigen Sammler kaum. Bezahlt wird nicht für Rarität allein, sondern für den vertrauten Namen.
Den eigentlichen Wendepunkt markierte aber nicht ein Sammler, sondern eine Finanzplattform. Der bisherige Rekordhalter wurde gar nicht versteigert. Die Plattform Rally hatte die Kassette 2020 für rund 140'000 Dollar gekauft, in Anteile zerlegt und an Anleger verkauft, die anschliessend per Mehrheit über jedes Kaufangebot abstimmten.
Aus einem Kinderspiel wurde so ein handelbares Asset, irgendwo zwischen Goldbarren und Apple-Aktie. Ein 300'000-Dollar-Angebot lehnten die Anteilseigner ab und warteten auf mehr – mit Erfolg. Das ist die unbequeme Pointe des ganzen Booms. Hier geht es längst nicht mehr um Nostalgie, sondern um Spekulation, befeuert vom selben Pandemie-Geld, das auch Kryptowährungen und Sammelkarten in die Höhe trieb.