83 Milliarden Dollar Netflix kauft Warner Bros. – will aber nur die Serien-Sparte

Stefan Michel

5.12.2025

Netflix-Übernahmeziel: Warner Bros. Discovery hatte sich im Oktober offiziell zum Verkauf gestellt, nachdem mehrere Übernahmeangebote eingegangen waren. (Archivbild)
Netflix-Übernahmeziel: Warner Bros. Discovery hatte sich im Oktober offiziell zum Verkauf gestellt, nachdem mehrere Übernahmeangebote eingegangen waren. (Archivbild)
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Netflix und Warner Bros. sind sich einig: Der Streaming-Gigant übernimmt die Serien-Sparte des Hollywood-Veteranen für 72 Milliarden Dollar, mitsamt Schulden von 10 Milliarden. Die TV-Sender im Besitz von Warner werden in ein neues Unternehmen ausgelagert.

Stefan Michel

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  • Netflix übernimmt von Warner Bros. die Serien-Sparte.
  • Der Kaufpreis beträgt 72 Milliarden Dollar. Hinzu kommen Schulden von Warner Bros. in der Höhe von rund 10 Milliarden, was sich für Netflix zu Kosten von knapp 83 Milliarden Dollar summiert.
  • Die TV-Sender wie CNN, Discovery und weitere, werden in eine neue Gesellschaft ausgelagert.

Netflix übernimmt Warner Bros Discovery – samt Film- und TV-Studios sowie Streaming-Sparte. Die Agentur Reuters nennt einen Kaufpreis von 72 Milliarden US-Dollar. Netflix übernimmt damit Schulden von Warner in der Höhe von gut 10 Milliarden, was Gesamtkosten von 82,3 Milliarden Dollar ergibt. Damit verleibt sich der Streaming-Pionier eines der traditionsreichsten Schwergewichte Hollywoods ein und schreibt damit ein neues Kapitel in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie.

Nach wochenlangem Bieterkrieg setzte sich Netflix durch und überbot mit einem Angebot von rund 28 Dollar je Aktie die Konkurrenz von Paramount Skydance, die nur knapp 24 Dollar geboten hatte. Die Aktie von Warner Bros Discovery schloss am Donnerstag bei 24,50 Dollar – der Konzern war zuletzt mit rund 61 Milliarden Dollar bewertet.

Game of Thrones, Harry Potter & Co. künftig bei Netflix zuhause

Mit der Übernahme sichert sich Netflix das Herzstück der Hollywood-Magie: Franchises wie Game of Thrones, Harry Potter und das DC-Universum wandern künftig in die Hände des Unternehmens, das einst als Versand-DVD-Dienst begann und heute die globale Streaming-Landschaft dominiert.

«Gemeinsam können wir dem Publikum noch mehr von dem geben, was es liebt, und das nächste Jahrhundert des Geschichtenerzählens mitgestalten», erklärte Netflix-Co-CEO Ted Sarandos euphorisch in einer Mitteilung.

Wettlauf um Inhalte – und um regulatorische Hürden

Experten sehen in dem Deal vor allem einen strategischen Schachzug: Netflix wolle sich unabhängiger von externen Studios machen und sich langfristig die Rechte an Blockbustern sichern – auch im Hinblick auf neue Geschäftsfelder wie Gaming. Doch die Fusion dürfte bei Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa für Stirnrunzeln sorgen. Immerhin übernimmt der weltweit grösste Streamingdienst einen direkten Rivalen mit rund 130 Millionen Abonnenten – inklusive HBO Max.

Um Bedenken zu zerstreuen, betonte Netflix laut Reuters, dass eine Kombination der beiden Plattformen den Verbrauchern zugutekäme – durch günstigere Bündelangebote. Zudem habe der Konzern zugesichert, weiterhin Kinostarts für Warner-Filme einzuplanen – ein Signal an die Filmindustrie, dass das Kino nicht sterben soll.

Politisches Störfeuer aus dem Lager von Paramount

Die Konkurrenz zeigt sich indes wenig begeistert: Paramount – unterstützt von David Ellison, einem engen Vertrauten der Trump-Administration – hatte die Bieterschlacht ursprünglich losgetreten. In einem Schreiben äusserte das Unternehmen jüngst Zweifel an der Fairness des Verkaufsprozesses und warf Netflix bevorzugte Behandlung vor.

Finanziert wird der Kauf über eine Mischung aus Bargeld und Aktien: Jeder Warner-Aktionär erhält 23,25 Dollar in bar und rund 4,50 Dollar in Netflix-Aktien – was Warner mit 27,75 Dollar pro Aktie und insgesamt 72 Milliarden Dollar bewertet (einschliesslich Schulden sind es sogar 82,7 Milliarden Dollar).

Netflix rechnet damit, durch die Fusion in den ersten drei Jahren jährliche Einsparungen von zwei bis drei Milliarden Dollar zu erzielen. Der Abschluss der Übernahme wird nach der Abspaltung der Warner-Sparte «Discovery Global» erwartet – frühestens im dritten Quartal 2026. Zu dieser gehört unter anderem der News-Sender CNN.