22.09.2016 - 11:49

Morddrohung auf WhatsApp: «Sofort Anzeige erstatten»

Unter Schweizer Schülern kursiert eine WhatsApp-Nachricht mit Todesdrohungen. Michael In Albon ist Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte bei Swisscom.
Bild: Getty Images / Swisscom

Interview: Anatol Heib
 

0 Bewertungen


Unter Schweizer Teenagern kursiert derzeit ein Kettenbrief mit Morddrohungen. Medienkompetenz-Experte Michael In Albon sagt im Bluewin-Interview, wie Eltern und Kinder auf solche WhatsApp-Nachrichten reagieren sollen.

Nutzen Sie Bluewin auch unterwegs

Testen Sie die kostenlose App für Ihr Telefon oder Tablet

Auf WhatsApp verbreitet sich eine morbide Audionachricht. «Hi, ich bin Nico und neun Jahre alt», tönt es aus dem Smartphone. Der Empfänger wird daraufhin aufgefordert, die Nachricht innerhalb von 20 Minuten an mindestens 20 Freunde weiterzuleiten, berichtet die «Aargauer Zeitung». Andernfalls «komme ich um Mitternacht zu dir und bringe dich um», sagt die Stimme in der Audiobotschaft. 

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte bei Swisscom, sagt im Bluewin-Interview, was zu tun ist, wie man auf solche Kettenbriefe reagieren soll.

Bei Schülern verbreitet sich via WhatsApp eine Audionachricht mit Todesdrohung. Ein neues Phänomen?

Das ist wirklich neu. Und es überrascht mich, was gewissen Leuten für Blödsinn in den Sinn kommt. Mit diesem Audiofile ist der Straftatbestand der Drohung erfüllt und ich frage mich, ob sich der Urheber der Konsequenzen bewusst ist, für ihn, aber auch für die Empfänger.

Welche Wirkung hat eine solche Nachricht auf einen Teenager?

Im Kindesalter lernen wir erst, was eine Lüge, was Ironie oder Sarkasmus ist. Und das relativ spät. Deshalb sind Kinder auch für Werbung derart zugänglich. Mit solchen Nachrichten werden sie in vielen Fällen nicht umgehen können - sie können nicht abschätzen, ob es ernst ist, oder ein Spass. Freilich sind sie verängstigt und können die Aussagen nicht richtig einordnen.

Wie soll ein Kind reagieren, wenn es eine solche Nachricht erhält?

Sofort mit den Eltern darüber sprechen. Das ist auch nicht peinlich für sie und die Eltern können sehr gut abschätzen, was zu tun ist, sind also eine gute Anlaufstelle.

Bild zum Artikel

Michael In Albon ist Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte bei Swisscom. Er schreibt regelmässig zum Thema Medienkompetenz. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.
Bild: Swisscom

Soll man einen solchen Vorfall zur Anzeige bringen?

Ja, sicher, denn der Tatbestand ist gravierend genug. Aber das ist nur der eine Teil. Die Eltern sollten dem Kind helfen, solchen Jux richtig einzuordnen, damit es beim nächsten Mal selber eine richtige Einschätzung machen kann.

Was können die Eltern tun?

Präventiv gibt es kein probates Mittel – mit keinem Filter können sie solche Fälle vorsehen. Wir Eltern müssen wie im Strassenverkehr Vorsicht walten lassen. Ein Kind soll solche Chat-Apps erst nutzen können, wenn die Eltern der Ansicht sind, dass sie auch mit Posts solcher Art umgehen können.

Freilich ist das nicht immer möglich und wir alle werden immer wieder überrascht. Und das gilt auch für alle anderen Plattformen: wer auf Facebook ist, muss mit Werbung identifizieren können, wer auf Twitter ist, muss mit Streit- und Hass-Meldungen umgehen können. Das alles gehört zur Medienkompetenz.

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität