09.03.2017 - 13:51

Schweizer Elektroauto-Hersteller: «Liefern Sie uns Akkus, Herr Hayek!»

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von Pascal Landolt, Redaktor
 

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Wer am 87. Autosalon in Genf durch die Stände läuft, merkt: Auch Schweizer Hersteller basteln an der Elektro-Revolution. Doch während Konzept und Design oft hierzulande gemacht werden, kommt die Technik nach wie vor aus dem Ausland. Ein bekannter Tüftler will das nun ändern.

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Das Epizentrum der eidgenössischen Innovation am Autosalon befindet sich dieses Jahr an bester Lage in Halle 5 am Stand 141. Dort findet sich die Plattform von «e'mobile», der Schweizer Fachgesellschaft für Elektromobilität. «Bluewin» hat sich am Stand schlau gemacht über die Entwicklungen in der Schweizer Autobranche.

Was nur wenige wissen: Mit Herstellern wie Kyburz, Rinspeed und Micro Mobility Systems ist auch in der Schweiz viel Wissen im Roller- und Automobil-Sektor vorhanden.

Die Schweiz kann Autos bauen - auch Elektroautos?

Die Schweiz braucht endlich ein eigenes Elektroauto - sozusagen Tell statt Tesla. Das meint Wim Ouboter, seines Zeichens Erfinder des «Micro-Scooters» und mit einem eigenen kleinen Stand am Salon vertreten.

Geniale Idee oder Grössenwahnsinn? Immerhin hatte das Magazin «Cash» Ouboter vor ein paar Jahren als «wichtigen Schweizer Querdenker» bezeichnet - gemeinsam mit anderen klingenden Namen wie Gottlieb Duttweiler, Bankkritiker Marc Meyer oder Nicolas Hayek von Swatch.

Bild zum Artikel

«Ich habe einen Traum: Die Batterie für unseren Microlino soll aus der Schweiz kommen. Hallo, Herr Hayek!» Diesen Wunsch äussert Micro-Gründer und Tüftler Wim Ouboter gegenüber «Bluewin» am Autosalon in Genf. Ist ein Schweizer Elektroauto bald Realität?
Bild: Bluewin

Micro: «Wir wollen Schweizer Akkus»

Letztes Jahr enthüllte «Micro Mobility Systems» aus Küsnacht ZH an der Automesse den «Microlino» - einen kleinen Elektroflitzer mit zwei Plätzen, basierend auf dem Design des legendären «Isetta» (Bluewin berichtete). 

Ein Jahr später ist die Entwicklung bereits weit vorangeschritten, auch wenn Micro am Stand das letztjährige Modell nochmal unverändert zeigt. Die Zeit habe man genutzt, um mit Produktionspartner «Tazzari» die Serienfertigung vorzubereiten und das Design zu finalisieren.

Noch 2017 werden die ersten «Microlino» in Norditalien vom Band rollen. Das ist auch nötig - über 2600 Vorbestellungen hat Micro für den sympathischen Stadflitzer erhalten, im Verkauf ist ein Preis um 13'000 Euro angepeilt.

Die Querdenker: Schweizer Innovation am letztjährigen Autosalon

  • Autosalon Microlino
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Doch Firmenchef Ouboter denkt bereits weiter. Sein Wunsch: Ein Elektromobil mit Schweizer Akku-Technologie.

Das ist gar nicht so abwegig, denn mit «Belenos» hat der Uhrenhersteller Swatch eine Tochterfirma, die an einem «Superakku» für Elektroautos tüftelt. Ursprünglich sollte ja sogar der von Swatch mitentwickelte «Smart»-Kleinwagen rein elektrisch fahren.

Das Know-How von Belenos, das unter anderem an der ETH Zürich erarbeitet wurde, soll Batterien für Autos bis zu 30% leistungsfähiger machen. 

«Verkaufen Sie uns Ihre Akkus, Herr Hayek!»

Wim Ouboter, «Micro»-Erfinder

Einen Missstand sieht Ouboter hier noch: Bisher kooperiert Swatch/Belenos erst mit Geely - einem Autohersteller aus China. Er appeliert deshalb an den Swatch-Patron Nick Hayek Jr.: «Verkaufen Sie uns Ihre Akkus, Herr Hayek!»

In einem kurzen Interview, das Sie im Video oben im Artikel sehen, beantwortete uns Ouboter zudem unsere brennendsten Fragen zum Stand des «Microlino».

Kyburz: Dank ihnen rollt der Pöstler elektrisch

Kyburz vereint eine Menge typisch Schweizerischer Qualitäten: Der Elektromobil-Hersteller aus dem Zürcher Oberland stellt solide Produkte her, die unseren Alltag prägen. Trotzdem haben viele noch nie von der Marke gehört. Typisches Unterstatement: Schaffe Gutes, aber schweige darüber.

Denn Kyburz stellt bereits seit sieben Jahren die elektrischen Scooter für die Schweizer Post her. Der Kleinbetrieb aus Freienstein ZH sorgt also dafür, dass unsere Pakete lautlos bis vor die Haustür geliefert werden.

Doch an den Salon bringt die Firma nicht den «Pöstler-Scooter», sondern den «eRod»: Einen zweisitzigen Sportwagen, der seine spritzigen Fahreigenschaften einem Elektroantrieb verdankt. Doch während Konzept und Chassis in der Schweiz entwickelt werden, stammen auch hier Akku und Antrieb aus dem Ausland.

Elektroautos setzen den Autosalon Paris unter Strom

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Viel Wohlwollen: Deutschland glaubt an die Schweiz

Am selben e'mobile-Stand steht auch der Bosch-Konzern. Etwas zurückversetzt im Hintergrund, wie wenn der Industriebetrieb aus Deutschland aufmerksam die Entwicklungen an der Schweizer Elektro-Front beobachten würde.

Mitgebracht hat Bosch die Grundlage für jedes Elektromobil: Einen simplen vierteiligen Bausatz aus Batterie, Motor, Ladegerät und Steuerungschip. 

«Microlino ist attraktiv und clever. Das könnte tatsächlich funktionieren.»

Dr. Hans Schlager, Bosch Entwicklung

Dr. Hans Georg Schlager, Leiter Product Management vom Projekthaus Light eMobility bei Bosch, glaubt an die Schweizer Entwicklungen: «Was Micro auf die Beine stellt, ist beeindruckend. Das Konzept 'Microlino' ist attraktiv und mit Tazzari aus Italien haben sie einen starken Industriepartner. Das könnte tatsächlich hinhauen», sagt er im Gespräch mit «Bluewin».

Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit: Micro seinerseits prüft einen Einsatz des Elektro-Baukastens von Bosch in ihre Elektromobile. Damit können sich die Zürcher voll auf Design und Marketing konzentrieren, während mit dem deutschen Modul eine etablierte und abgestimmte Antriebslösung bereit steht.

Bereits schielt Bosch-Manager Schlager auch auf Kyburz: «Die Firma könnte von unseren Lösungen profitieren. Unser Antrieb ist perfekt für die Grösse ihrer Modelle.»

Motto des Jahres in Genf: Bodenständig statt Innovativ

Abgesehen von diesen Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität, könnte man meinen, Innovation sei dieses Jahr ganz klein geschrieben. Viel PS und Benziner stehen bei vielen Anbietern bereits als Zeichen für Fortschritt.

Die Zukunft kann warten - das ist der Eindruck, der beim Rundgang auf dem Genfer Salon entsteht. Denn die etablierten Autobauer konzentrieren sich wieder auf das Hier und Heute - sie rücken vor allem bodenständige Neuheiten ins Rampenlicht. Ein Überblick über die traditionellen Modelle finden Sie in unserem Artikel «Autohersteller zeigen in Genf nur wenig Neues», oder Sie klicken sich gleich durch die Bildergalerie:

Die Highlights des 87. Genfer Autosalons

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