19.03.2017 - 11:26

Milliardär mit 26 Jahren: Das süsse Leben des Snapchat-Gründers

von Dirk Jacquemien, Redaktor
 

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Über Nacht zum Milliardär, mit einem Super-Model liiert und ein Leben in der High Society: Snapchat-Gründer Evan Spiegel lässt es krachen. Doch wie tickt der 26-Jährige, der die App Snapchat zur Teenie-Sensation machte?

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Von diesem Moment träumt wohl jeder amerikanische Tech-Gründer, für den 26-jährigen Evan Spiegel ist er wahr geworden. Am 2. März debütierte Snap Inc. an der New Yorker Börse und stieg im Kurs bereits am ersten Tag um fast 50 Prozent. Das Unternehmen erobert mit der Smartphone App Snapchat die Herzen der Teenies.

Zwar verlor die Snap-Aktie in den folgenden Tagen wieder einiges an Wert, das dürfte Spiegels Freude aber nur begrenzt geschmälert haben. Er selbst machte Aktien im Wert von knapp 300 Millionen Dollar zu Geld und sein verbleibender Anteil an Snap. Inc. hat einen Wert von knapp 3 Milliarden Dollar.

Wir zeigen in der Bildergalerie, wie es zu diesem Erfolg kam und welches Leben der 26-jährige Millionär führt.

Mit dem BMW zur Privatschule

Spiegels Lebenslauf ist der vieler junger Tech-Gründer. Er wird 1990 als Sohn zweier wohlhabender Anwälte geboren und wächst in Pacific Palisaden auf, einem Nobelstadtteil von Los Angeles. Bereits vor seinem Snapchat-Coup erlebt er Luxus: Die Eltern statten ihn noch als Teenager mit einem Cadillac Escalade und einem 75’000 Dollar teuren BMW aus.

Nach dem Besuch einer teuren Privatschule geht Spiegel an die renommierte Stanford University, mitten im Herzen des Silicon Valley. Jahre später tauchen vulgäre E-Mails von Spiegel aus dieser Zeit auf, in der er eine Flut von frauenfeindlichen Kommentaren abgibt. Einen Imageschaden hat das nicht zur Folge. Vermutlich hat Spiegel damals schon intuitiv gespürt, dass im digitalen Zeitalter einmal verfasste Nachrichten auch Jahre später noch zum Problem werden können. Dies könnte ihn auch auf eine zentrale Funktion von Snapchat gebracht haben. Alle veröffentlichen Inhalte verschwinden nach 24 Stunden wieder von der Plattform.

Ebenfalls wie viele andere Tech-Gründer brach Spiegel das Studium kurz vor Ende vorzeitig ab und widmete sich ganz seinem Unternehmen.

Was aus Napster, Second Life und Co. wurden

  • MySpace
  • StudiVZ
  • Facebook
  • Netscape

Was macht Snapchat besonders?

Kernfunktion des ausschliesslich für Smartphones erhältlichen Snapchat ist das Versenden von Fotos oder kurzen Videos an Freunde. Diese lassen sich mit überlagertem Text, Emojis oder Filtern noch «verschönern».

Die Besonderheit: Die Nachrichten haben eine Haltbarkeit von nur wenigen Sekunden. Der Empfänger kann sie kurz angucken, dann werden sie automatisch für immer gelöscht.

Diese Funktion verschaffte Snapchat gerade in seinen Anfangszeiten den Ruf einer Schmuddel-App zum Versenden von Nacktbildern, ist inzwischen mit zahlreichen zusätzlichen Features aber eine der meistgenutzten Apps unter jungen Menschen. 

Nicht das Superhirn: Ideen kam von jemand anderem

Die ursprüngliche Idee für dieses Konzept hatte nicht Spiegel selbst, sondern ein Kommilitone namens Reggie Brown. Er stellte die Idee Spiegel und einem weiteren Snap Mitgründer namens Bobby Murphy vor.

Spiegel und Murphy verkrachten sich allerdings schnell mit Brown und schmissen ihn aus dem Unternehmen. In einem Vergleich in 2014 erhielt Brown von Snap Inc. 157,5 Millionen Dollar als Entschädigung für seine Rolle bei der Gründung.

Murphy ist als Chief Technology Officer weiterhin in der Firma aktiv und hält fast die gleichen Besitzanteile wie Spiegel. Er ist aber offenbar zufrieden damit, völlig im Hintergrund zu agieren und Spiegel die Rolle des öffentlichen Gesichts von Snapchat zu überlassen. 

Ersetzt Snapchat WhatsApp und Facebook?

  • Snapchat
  • Evan Spiegel
  • Rainbow Vomit
  • Snapchat Discover

Mit Model Miranda Kerr im Weissen Haus

Und diese Rolle nimmt Spiegel allem Anschein nach mit Freude an. Auf den Titelblättern sowohl von Wirtschaftszeitungen als auch von Hochglanzmagazine ist er Stammgast. Und mit seiner Beziehung zu Supermodel Miranda Kerr fand Spiegel Eintritt in prominente Kreise. In der Vergangenheit soll er auch für Pop-Star Taylor Swift geschwärmt haben.

An Kerrs Seite macht Spiegel sowohl an Hollywood-Partys als auch bei Staatsbanketten im Weissen Haus die Runde. Im Sommer 2016 gaben Kerr und Spiegel ihre Verlobung bekannt. 

Bild zum Artikel

Evan Spiegel führt ein Glitzer-Leben. Seine Verlobte ist Supermodel Miranda Kerr.
Bild: Getty Images

Snap-Zentrale: Hippes LA statt Silicon Valley

Den Coolness-Faktor der vor allem bei jungen Leuten beliebten App wird auch auch durch den Firmensitz von Snap untermauert. Snap ist in Los Angeles im hippen Stadtteil Venice zuhause, verteilt auf zahlreiche kleinere Gebäude unmittelbar an der Pazifikküste.

Das ist ungewöhnlich, denn die meisten anderen grossen amerikanischen Tech-Unternehmen sitzen in riesigen Glaspalästen in den Grossräumen San Francisco und Seattle.

Spiegel dreht in Venice seine Runden im Sportwagen oder prominiert begleitet von einem Team von Bodyguards durch das Viertel. Diese Auftritten machen ihm nicht nur Freunde. Zahlreiche Anwohner protestierten bereits gegen Verdrängung und Verkehrschaos, die Snap nach Venice bringen würden. 

So schützen Sie Ihr digitales Leben

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Der grösste Rivale: Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Zu Snaps Gründungsmythos gehört, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen Korb gegeben zu haben. 2013 wollte dieser für fast 3 Milliarden Dollar Snapchat kaufen. Spiegel, Murphy und ihre Investoren lehnten ab. Der Geldregen beim Börsengang scheint diese Entscheidung als richtig bestätigt zu haben.

Zu früh freuen dürfte sich Snap allerdings nicht. Zuckerberg ist nämlich dazu übergegangen, in seinen eigenen Apps Messenger, Instagram und WhatsApp viele Features von Snapchat wie verschwindende Nachrichten, Filter oder Statusupdate skrupellos zu kopieren. Bisher ist Facebook damit grösstenteils erfolgreich und gilt mit seiner geballten Marktmacht als grösste Gefahr für die zukünftige Entwicklung und den Wachstum von Snapchat. 

Zukunft als Kamera-Firma

Mit der geballten Marktmacht macht Mark Zuckerberg Snapchat schon heute das Leben schwer. Und er wird den Druck weiter erhöhen. Spiegel will daher das Geschäftsmodell ausbauen und versteht Snap nun offiziell als «Kamera-Firma». Erstes Produkt in dieses Hinsicht sind die «Spectacles», Sonnenbrillen mit eingebauter Kamera. Kamera-Drohnen sollen in Arbeit sein. Snap hat trotz seines enormen Börsenwerts noch nie einen Gewinn abgeworfen. Spiegel hat also einiges an Arbeit vor sich. Von seinen Fahrten im schnittigen Sportauto und den Auftritten in der High Society wird es sich aber nicht abhalten lassen.

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Grösste Gefahr für Snapchat ist Facebook. Deshalb versucht Spiegel das Unternehmen in eine «Kamera-Firma» umzubauen. Erstes Produkt ist «Spectacles».
Bild: Snap

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