28.07.2017 - 13:15, Dirk Jacquemien

Atomtests und Aliens: Dafür werden Supercomputer gebraucht

 

0 Bewertungen


Die Schweiz besitzt mit «Piz Daint» den schnellsten Supercomputer Europas. Doch wofür brauchen wir eigentlich so viel geballte Rechenkraft?

Bluewin App: Neu mit E-Mail

E-Mail & News: Die ganze Welt von Bluewin gibt's jetzt für unterwegs.

Der schnellste Computer Europas und der drittschnellste der Welt steht in Lugano. «Piz Daint», so nennt sich der von der ETH Zürich betriebene Supercomputer, muss sich nur von zwei chinesischen Rechnern geschlagen geben. Erst letztes Jahr bekam Piz Daint, der Teil des Swiss National Supercomputing Centre ist, ein Update für 40 Millionen Franken.

Diese Bronzemedaille hat Piz Daint bei einer TOP500-Liste der leistungsstärksten Computer der Welt erreicht, die von amerikanischen und deutschen Forscher zusammengestellt wird. Platz 1 ging an «Sunway TaihuLight», der im chinesischen Wuxi steht, Platz 2 an «Tianhe-2», stationiert etwas weiter südlich in Guangzhou.  

Diese geballte Computer-Power kommt auf vielerlei Weg zum Einsatz. Hauptsächlich werden Supercomputer heute für Simulationen aller Art benötigt. Je stärker die Rechenleistung, desto mehr Eventualitäten können berücksichtigt werden. Wir erklären hier und zeigen Bild für Bild in unserer Bildergalerie, wo Supercomputer in der Praxis eingesetzt werden:

iPhone 7 so schnell wie Supercomputer vor 20 Jahren

Doch wie schnell sind die Supercomputer wirklich? Sunway TaihuLight beispielsweise schafft 92 Petaflops. Flops steht hier für «Floating Point Operations Per Second», also die Durchführung einer Addition oder Multiplikation in einer Sekunde. Peta steht für Billiarde, also eine Zahl mit 15 Nullen.

Tianhe-2 schafft 33,9 Petaflops, unser Schweizer Rechner Piz Daint 19,6 Petaflops. Das ist eine ganze Menge an Mathematik. Zum Vergleich: Ein iPhone 7 schafft knapp 300 Gigaflops und hat damit in etwa die Rechenkraft des schnellsten Supercomputers aus dem Jahr 1996.

Nun aber genug der Theorie - hier sind die populärsten Einsatzzwecke für Supercomputer rund um die Welt:

Wettervorhersage

Die Wettervorhersage jeden Abend im Fernsehen ist höchstwahrscheinlich Produkt eines Supercomputers. Mit Millionen von Messdaten kann dieser unzählige Wetterszenarien durchrechnen und das wahrscheinliche Wetter der nächsten Tage vorhersagen.

Medizinische Forschung

Auch in der Medizin sind Supercomputer immer gefragter. Sie helfen etwa, die DNA eines Menschen zu katalogisieren und auf Erbfehler zu durchsuchen. Der IBM-Supercomputer Watson setzt sogar auf künstliche Intelligenz und kann durch das Lesen von Hunderttausenden medizinischen Fachartikeln helfen, besonders seltene Diagnosen zu stellen.

Auch rekordschnell: 5G - Das neue, schnelle Mobilfunknetz

  • 5G
  • Übertragungsraten
  • Datenvolumen
  • Entwicklung

Wissenschaft

Besonders bei der Simulation und Analyse von komplexen Physik-Prozessen sind Supercomputer heute unersetzlich. Die unfassbare Menge an Daten, die etwa der Teilchenbeschleuniger im CERN erzeugt, kann kein Mensch auswerten. Auf jeden Test folgen hier noch Jahre an Untersuchungen und Auswertungen am Computer.

Industrie

Bevor heute von einem neuen Produkt ein Prototyp zum Anfassen gebaut wird, wird dieses meist ausführlich am Computer simuliert. Flugzeug- oder Autohersteller beispielsweise nutzen Computersimulationen, um etwa die Aerodynamik eines neuen Vehikels zu testen.

Atombombentests

Kim Jong-un erzeugt regelmässig weltweite Aufmerksamkeit, wenn er mal wieder einen Atombombentest durchführen lässt. Dabei finden ständig virtuelle Nuklearwaffentests statt, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas mitbekommt. Supercomputer können eine nukleare Explosion in alle ihren Details simulieren und Militärs können so Änderungen oder Verbesserungen ihrer Waffen gefahrlos, geheim und ohne Verletzung internationaler Abkommen testen.  

Suche nach Ausserirdischen

Das SETI-Projekt sucht nach Signalen einer ausserirdischen Zivilisation. Solange diese nicht gerade im Stil von «Independence Day» Weisses Haus und Eiffelturm in die Luft jagt, sind Zeichen von Aliens wohl eher versteckt. Teleskope rund um den Erdball nehmen dazu Radiosignale aus dem All auf und Supercomputer durchsuchen dann die Aufnahmen. Clevere Algorithmen können so kosmisches Hintergrund-Rauschen von Zeichen ausserirdischer Kommunikation unterscheiden.

Simulation unserer Welt

In unsere ganze Welt vielleicht eine Simulation? Sind wir selbst und dieser Artikel die Kreation eines Supercomputers? Diese «Simulation hypothesis» genannte Theorie wird in der Wissenschaft und unter führenden Köpfen in der Tech-Welt durchaus ernsthaft diskutiert. Tesla-Chef Elon Musik etwa glaubt, dass es eine «1 zu 1 Milliarde»-Wahrscheinlichkeit gibt, dass wir in einer Simulation leben. Diese Theorie ist momentan nicht beweisbar.  

Mehr Zukunftsfieber: Fliegen wir bald im Elektro-Lufttaxi?

  • Lilium
  • Lilium
  • Lilium
  • Hexa

So schützen Sie Ihr digitales Leben

  • Digitales Leben
  • Code
  • Daten löschen
  • Facebook WhatsApp

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität