04.08.2017 - 14:32, dpa/dj

Revolution an der Kasse: Touristen wollen kein Bargeld mehr

 

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Fast unbemerkt hält die chinesische Revolution an Europas Ladenkassen Einzug: Während Einheimische noch mit Kleingeld hantieren, zahlt die Millionenschar chinesischer Touristen in immer mehr Geschäften lieber mit dem Handy.

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Die Revolution hat im Bezahlwesen längst Einzug gehalten: An einer stetig steigenden Zahl an Ladenkassen in der Schweiz ist Zahlen per Handy inzwischen möglich, etwa mit Twint. Doch einige mobile Zahlungssysteme sind gar nicht für heimische Kunden gedacht.

Der chinesische Grosskonzern Tencent machte über seinen deutschen Partner Wirecard AG publik, dass von November an mit dem Chatprogramm WeChat für chinesische Touristen das Bezahlen per Handy in Europa möglich sein wird.

Bereits präsent ist Tencents schärfster Konkurrent Alibaba, der rasant expandiert und mit der App Alipay die Pionierrolle übernommen hat. Quasi im Verborgenen ist Europa von einer Entwicklung erreicht worden, die nach Einschätzung vieler Fachleute weitreichende Auswirkungen auf den globalen Finanzsektor haben wird. 

Tech-Fimen: China wird zur Grossmacht

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Chinesische Giganten mit massiver Marktmacht

Viele Europäer haben von Tencent und Alibaba noch nie gehört, in China haben die beiden Konzerne eine mit Google und Amazon vergleichbare Marktmacht. Tencent beziffert die Zahl der WeChat-Nutzerkonten auf 938 Millionen. Alipay hat 520 Millionen Nutzer. Nach einer Studie von iResearch wurde über die chinesischen Bezahlapps bereits die schwer vorstellbare Summe von 5,5 Billionen Dollar bewegt. Alipay hat dabei einen Marktanteil von 54%, Tencent von 37%

Der grösste Teil dieses Umsatzes wird immer noch beim Online-Shopping gemacht. Aber wie die «Financial Times» berichtet, sind beide Unternehmen rasant dabei, auch Offline-Händler einzubinden. Alibaba etwa hat Vereinbarungen mit mit 2 Millionen Geschäften in China und 110’000 im Ausland.

«In Europa wird Alipay von 10’000 Einzelhändlern akzeptiert», sagt Yang Xinyun, Sprecherin der Alibaba-Finanztochter Ant Financial in Hongkong. Die Zielgruppe sind nicht Einheimische, sondern Chinesen.  

Touristen wollen nicht mit Bargeld oder Karte hantieren

Alljährlich besucht eine zweistellige Millionenschar chinesischer Touristen Europa. Und die Mehrheit interessiert vor allem eins: Kaufen, kaufen, kaufen. Chinesische Touristen sollen 2015 nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua fast 300 Milliarden Dollar im Ausland ausgegeben haben.

In den Augen vieler Gäste aus der Volksrepublik ist Europa hauptsächlich ein gigantisches Einkaufszentrum; noch dazu eines mit günstigen Preisen, ob Lederhandtasche aus Frankreich, Sonnenbrille aus Italien oder deutscher Kochtopf. Die Durchschnittsausgaben eines chinesischen Touristen in Europa liegen nach Wirecard-Schätzung bei rund 3500 Franken.

Doch mit altmodischen Phänomenen wie Münzgeld oder Kreditkarten geben sich insbesondere jüngere Chinesen nur noch ungern ab. Alipay ist eine reine Bezahl-App, WeChat ein Chatprogramm mit integrierter Zahlmöglichkeit. Den meisten ist die Entwicklung bislang aus einem einfachen Grund verborgen geblieben: Von Alipay gibt es gar keine deutsche Version, der deutschen WeChat-App fehlt die Bezahlfunktion.

Chinesen haben globale Ambitionen

Die Bedeutung der Entwicklung geht über den Einzelhandel weit hinaus. «Die gigantischen chinesischen Technologiefirmen, ausgestattet mit einem Überfluss an Geld und IT-Infrastruktur, haben weitreichende globale Ambitionen», schrieben die Fachleute der Unternehmensberatung EY 2016 in einer Studie zur chinesischen Finanztechnologie (Fintech).

Alibaba und Tencent stossen mit grosser Wucht in nichtchinesische Märkte vor: «Derzeit sind wir mehr auf die Bereitstellung finanzieller Dienstleistungen in Entwicklungsländern fokussiert», sagt Ant-Financial-Sprecherin Yang. Das Unternehmen sei aber offen für mögliche Kooperationen mit europäischen Partnern.

Alipay expandiert derzeit in globalem Massstab - unter anderem in den USA, Indonesien, auf den Philippinen, in Südkorea, Brasilien und Russland. Und wo Alipay hingeht, ist Tencent nicht weit.

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