Trotz Absicherung Schuhverkauf endet im Albtraum – Familie verliert 40'000 Franken

Sven Ziegler

2.6.2026

Ricardo-Nutzer müssen derzeit speziell aufpassen, dass sich nicht Opfer von Phishing-Angriffen werden.
Ricardo-Nutzer müssen derzeit speziell aufpassen, dass sich nicht Opfer von Phishing-Angriffen werden.
ChatGPT @blueNews

Ein harmloser Schuhverkauf auf Ricardo endet für eine Berner Familie in einer finanziellen Katastrophe. Cyberkriminelle verschaffen sich Zugang zum Familienkonto und stehlen mehr als 40'000 Franken. Besonders bitter: Das Geld war für die Zukunft der kleinen Tochter gedacht.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine Berner Familie verliert nach einem Ricardo-Verkauf über 40'000 Franken an Betrüger.
  • Die Täter locken das Opfer mit einer täuschend echten Phishing-Mail in die Falle.
  • Trotz Zwei-Faktor-Authentifizierung gelingt es den Kriminellen, das Konto leerzuräumen.

Anfang März stellt ein 34-jähriger Familienvater aus Bern erstmals ein Paar Schuhe auf Ricardo zum Verkauf. Kurz darauf meldet sich ein vermeintlicher Interessent namens «Tiago».

Zunächst wirkt alles seriös, wie der Mann dem «Tages-Anzeiger» schreibt. Der Käufer möchte die Ware erst persönlich abholen, bittet später aber darum, die Schuhe per Post zu erhalten. Um die Details zu klären, wechseln die beiden vom Ricardo-Chat auf Whatsapp. Für den Verkäufer wirkt die Anfrage harmlos.

Wenig später erklärt der angebliche Käufer, die Bezahlung erfolge über eine Ricardo-Zahlungsfunktion. Dafür benötige er lediglich die E-Mail-Adresse des Verkäufers. Kurz darauf trifft eine täuschend echt gestaltete Nachricht im Namen von Ricardo ein. Darin wird der Familienvater aufgefordert, einen Zahlungseingang zu bestätigen. Als er auf den Link klickt, landet er auf einer gefälschten Bankseite. Im Hintergrund greifen die Täter seine Zugangsdaten ab. Als auf seinem Handy die gewohnte Freigabeanfrage der Bank erscheint, bestätigt er diese im Glauben, das Geld für die Schuhe zu erhalten – und öffnet den Kriminellen damit die Tür zu seinem Konto.

40'000 Franken verschwinden innert weniger Tage

In den folgenden Tagen räumen die Betrüger das Familienkonto systematisch leer. Besonders bitter: Nur zwei Wochen zuvor hatte die Ehefrau ihre Ersparnisse auf das gemeinsame Konto überwiesen. Insgesamt erbeuten die Täter mehr als 40'000 Franken. Als die Frau am Montagmorgen eine Rechnung begleichen will, bemerkt sie den Betrug. Auf dem Konto befinden sich nur noch acht Franken. «Du verlierst den Boden unter den Füssen», sagt der Familienvater rückblickend. 

Der Fall entspricht exakt einer Betrugsmasche, vor der blue News bereits Anfang April gewarnt hatte. So nehmen Kriminelle gezielt Personen ins Visier, die erstmals etwas auf Ricardo verkaufen. Die Täter kontaktieren ihre Opfer als vermeintliche Käufer, locken sie mit gefälschten Ricardo-Mails oder Whatsapp-Nachrichten auf Phishing-Seiten und stehlen anschliessend Bank- und Zugangsdaten.

Besonders perfide: Die Betrüger suchen ihre Opfer gezielt anhand öffentlich sichtbarer Profilinformationen aus und konzentrieren sich auf unerfahrene Verkäufer.