Bund kann nichts dagegen tunRyanair zwingt Passagiere ab heute auf digital
Petar Marjanović
12.11.2025
Ryanair will Bordkarten (fast) nur noch über die App ausgeben. (Symbolbild)
Sebastian Kahnert/dpa
Ryanair schafft das Papier endgültig ab: Ab heute sind nur noch digitale Bordkarten erlaubt. Wer ohne Smartphone reist, muss tief in die Tasche greifen.
Ryanair stellt ab heute auf ausschliesslich digitale Boardingpässe um; physische Bordkarten werden nicht mehr akzeptiert.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) teilt mit, ihm seien keine Vorschriften bekannt, die ein physisches Ticket verlangten, weshalb der Bund die Umstellung rechtlich nicht verhindern kann.
Konsumentenschützer warnen vor Ausgrenzung älterer, technikferner Reisender. Wer kein Smartphone hat, riskiert zudem hohe Gebühren am Schalter.
Die Billigfluggesellschaft Ryanair stellt ab heute, Mittwoch, auf vollständig digitale Boardingpässe um. Physische Bordkarten lassen sich danach weder herunterladen noch ausdrucken. Das Boarding erfolgt ausschliesslich über die App «myRyanair».
Die App wird damit zum einzigen Weg, eine Bordkarte zu erhalten. Ryanair nennt Effizienz- und Umweltgründe und verweist darauf, dass bereits rund 80 Prozent der Kundschaft digitale Pässe nutzen. Die Airline verspricht kürzere Wartezeiten und mehr Informationen in Echtzeit.
Laut Berichten: Bis zu 50 Franken Ryanair-Gebühren
Es dürften aber auch wirtschaftliche Gründe mitspielen: Wer kein geeignetes Gerät hat oder sich digital nicht zurechtfindet, riskiert hohe Gebühren. Je nach Abflugland werden am Schalter zwischen 30 und 55 Euro fällig. In einigen Berichten ist von bis zu 50 Franken die Rede, wenn das Einchecken erst am Flughafen erfolgt. Ryanair sagt, Passagieren mit leerer Batterie werde am Flughafen eine kostenlose Bordkarte ausgestellt, sofern sie zuvor online eingecheckt haben.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) teilt mit, es kenne keine Vorschriften, die ein physisches Ticket verlangten. Damit fehlt dem Bund eine rechtliche Handhabe, Ryanair die Umstellung zu verbieten.
Konsumentenschützer*innen sehen die Gefahr der Ausgrenzung älterer und technikferner Reisender sowie von Menschen mit Behinderungen. Sie fordern, dass Mobilität auch ohne Smartphone möglich bleiben müsse, und prüfen rechtliche Schritte.
«Mobilität darf nicht an das technische Geschick oder die technischen beziehungsweise tatsächlichen Möglichkeiten von Reisenden geknüpft werden. Es darf nicht zum Ausschluss von einzelnen Gruppen kommen», warnt André Duderstaedt vom Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber deutschen Medien.
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