Der kurvige Weg zum faltbaren Smartphone

8.11.2018 - 08:35, Henning Steier

Samsungs erstes faltbares Smartphone kommt wohl frühestens 2019 auf den Markt.
Bild: Keystone

Samsung hat sein Konzept eines Falt-Smartphones präsentiert. Die Südkoreaner sind nicht die ersten und zeigen, wie schwierig die Entwicklung sogenannter Foldables ist.

An der hauseigenen Entwicklerkonferenz SDC in San Francisco hat Samsung sein erstes faltbares Smartphone präsentiert. Das noch namenlose Gerät hat im aufgeklappten Zustand eine Displaydiagonale von 7,3 Zoll und eine Auflösung von 2152 x 1536 Pixeln, also 420 dpi – das ist nicht rekordverdächtig. Weitere technische Daten wurden noch nicht genannt. Es war noch erkennbar, dass das Gadget fingerdick sein wird.  Das Handy war nur kurz auf einer abgedunkelten Bühne zu sehen. Zudem steckte es in einer Hülle. Es wird der Länge nach gefaltet.

Wann das Falt-Smartphone auf den Markt kommen soll, verriet Samsung nicht. Den Bildschirm nennt das Unternehmen Infinity Flex Display. Das auf der Bühne gezeigte Gerät hat vorn ein kleines Display, das mit 840 x 1960 Pixeln auflöst, also im Seitenverhältnis 21:9 zum Kunden kommt. Es ist im zugeklappten Zustand aktiv. Wenn man das Smartphone öffnet, wechselt die jeweilige App auf den grossen Bildschirm. Dies soll verzögerungsfrei passieren. 

Neue Benutzeroberfläche

Samsung hat dafür die neue Benutzeroberfläche One UI entwickelt. Diese kann drei Apps gleichzeitig auf dem Display anzeigen. Samsung spricht dabei vom Multi Active Window. Samsung will noch in diesem Jahr einen Faltgeräte-Emulator für Entwickler anbieten, damit diese Apps für das neue Gerät schreiben können. 

Die Hardware ist das Eine, die Software das Andere. Dementsprechend hat Google angekündigt, ab der nächsten Android-Version Falt-Handys zu unterstützen. Android Q wird für den Herbst kommenden Jahres erwartet. Google bezeichnet die neue Gerätegattung als Foldables.

Es ergeben sich diverse Fragenzeichen in puncto Nutzen eines solchen Geräts: Denn bei einem Bildschirm-Verhältnis von 4:3 bleiben oben und unten dicke Balken. Hinzu kommt die Belastbarkeit der Knick-Displays. Sie müssen sich im Alltag Tausende Male falten lassen, ohne dass sie brechen. Samsung liess verlauten, das bieten zu können. Das dritte Fragezeichen betrifft das Gewicht solcher Geräte, das vierte das Zwitterdasein zwischen Tablets und Smartphones. Denn für viele der erwähnten Zwecke dürften auch grosse Smartphones reichen.

Samsung ist kein Pionier bei Falt-Handys. Das chinesische Unternehmen Royole bringt im Dezember das FlexPai auf den Markt. Es wird von Water OS, einer Android-Variante, angetrieben und weist ausgeklappt eine Bildschirmdiagonale von 7,8 Zoll auf – gefaltet schrumpft es auf vier Zoll zusammen. Wie in einem Video des Geräts zu sehen ist, ist es jedoch im gefalteten Zustand ziemlich dick und gleicht eher einem Taschenbuch statt einem Smartphone. Der Trend geht nun mal aber zu immer dünneren Geräten.

Das Gerät wird umgerechnet 1'300 Franken kosten. Offiziell wird es nicht in der Schweiz zu haben sein. Auf den ersten Blick der wichtigste Unterschied zu Samsungs Gadget: Erstgenanntes besitzt nur einen Bildschirm, der in der Mitte zusammengeklappt wird. Der Aussenbereich fungiert als Display.

Komplexe Entwicklung

Samsung hatte bereits 2011 flexible Displays präsentiert. Daran sieht man, wie komplex die Entwicklung entsprechender Geräte ist. Nokia hatte damals das sogenannte Kinetic Device gezeigt. Es wurde nie marktreif.  

Der neben Samsung weltweit wichtigste Displayhersteller, LG, könnte an der Elektronikmesse CES im Januar ein Falt-Smartphone präsentieren. Dies will zumindest der in der Regel gut informierte Branchenbeobachter Evan Bass erfahren haben. 

Auch der grösste PC-Hersteller Lenovo, der vor ein paar Jahren die Smartphone-Sparte von Motorola übernahm, arbeitet an flexiblen Smartphones. 2016 zeigte man entsprechende Designstudien, von denen seitdem aber nichts mehr zu hören war. Damals war auch Lenovos Cplus zu sehen, eine Kombination von Smartphone und Smartwatch. Denn das Gadget soll sich dank des flexiblen Gehäuses teilweise um den Arm wickeln lassen. Voraussetzung dafür ist, dass der Akku auch biegsam ist.

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