Sextortion: So perfide wird mit intimen Bildern erpresst

dj

7.8.2018

iStock

Mit vermeintlichen und realen Intimbildern werden immer mehr Internet-Nutzer erpresst. Vor allem junge Menschen geraten in die Klauen der Erpresser.

Es gehört zu dem perfidesten Verbrechen im Netz: Die Erpressung von Menschen mit Aufnahmen ihrer höchstpersönlichsten Momenten. Früher waren dies hauptsächlich gezielte Angriffe, aber inzwischen ist die so genannte Sextortion zum Massenphänomen geworden.

Vermehrt finden auch Schweizer Nutzer derzeit massenhaft versendete E-Mails in ihren Postfächer, in denen Erpresser behaupten, an private Aufnahmen gekommen zu sein. Und so funktioniert die Masche:

Haben die Erpresser wirklich Computer gehackt?

In den Mails steht dann beispielsweise, die Erpresser hätten den Computer des Opfers gehackt und diesen dann mittels der Webcam bei der Masturbation gefilmt oder private Bilder geklaut. Die Aufnahmen würden bei Nichtzahlung eines Erpressungsgeld öffentlich gemacht und an Freunde und Arbeitgeber verschickt, so die Drohung.

In Wirklichkeit ist das fast immer ein Bluff und solche Bilder existieren nicht. Natürlich handelt es sich auch hier um einen strafrechtlich relevanten Erpressungsversuch, der zur Anzeige gebracht werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hintermänner ermittelt werden dürfte jedoch verschwindend gering sein.

Sicherheit im Internet: Die Internet-Checkliste

Gezielte Angriffe kommen weiterhin vor

Weitaus perfider sind allerdings gezielte Erpressungen. Bei dieser Masche geben sich die Erpresser auf Chatdiensten, Dating-Plattformen oder Social Media-Angeboten wie Instagram oder Snapchat meistens als attraktive Altersgenossen aus und verwickeln ihre Opfer in Gespräche und Flirts. Um Vertrauen zu erzeugen versenden die Erpresser häufig zunächst selbst Bilder und Videos, die aber freilich selten sie selbst zeigen.

Zunächst versuchen die Erpresser Vertrauen zu ihren Opfern aufzubauen.
fedpol

Haben die Erpresser dann im Gegenzug intime Bilder ihrer Opfer ergattert, gibt es im Grunde zwei verschiedene Szenarien. Das erste ist die klassische Erpressung, hier wird wieder Geld für die Nichtveröffentlichung der Bilder verlangt. Diesmal ist die Drohkulisse allerdings real, die Opfer werden oft in Verzweiflung getrieben, vor allem, da eine Zahlung ja nicht garantiert, dass nicht noch weitere Forderungen kommen. Mehrere Suizide sind in diesen Zusammenhang bereits bekannt geworden.

Junge Menschen besonders gefährdet

Das zweite Szenario betrifft vor allem jüngere Opfer. Hier nutzen die Kriminellen die Drohung der Veröffentlichung um weitere, oft noch intimere Fotos zu erpressen. Motiv ist dann etwa die Erlangung von kinderpornographischem Material.

Bei einer Erpressungvariante werden immer mehr intime Fotos verlangt.
fedpol

Solche Fälle sollten immer der Polizei gemeldet werden. 100 bis 200 Fälle von Sextortion gäbe es in der Schweiz jährlich und eine hohe Dunkelziffer, so fedpol zum «SRF». Effektivster Schutz ist wohl, intime Fotos niemals an Menschen zu schicken, die man nicht zuvor auch im realen Leben getroffen hat, egal wie vertrauensvoll eine Online-Unterhaltung scheint. Wie die Erpressung-Masche abläuft und wie man sich schützen kann, zeigt fedpol auch in einem eigenes produzierten Video:

Zurück zur Startseite