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OpenAI @ blueNews
Quasi über Nacht kosten verschiedene Apple-Produkte bis zu 20 Prozent mehr. Schuld ist der KI-Boom, nach dem in Europa allerdings kaum jemand überhaupt gefragt hat.
Wer in den letzten Tagen im Schweizer Apple Store stöberte, rieb sich vielleicht die Augen. Das MacBook Pro 14 Zoll mit M5-Chip und einem Terabyte Speicher kostet neu 1'899 statt 1'599 Franken. Das iPad Air startet nicht mehr bei 579, sondern bei 729 Franken. Selbst der kleine HomePod mini wurde teurer.
Apple hat letzte Woche quasi über Nacht einen Grossteil seines Sortiments verteuert. Betroffen sind sämtliche Mac- und iPad-Modelle, ausserdem Apple TV, die HomePods und die Vision-Pro-Brille. Unangetastet bleiben vorerst das iPhone, die Apple Watch, die AirPods und die AirTags.

Bei Macbooks betragen die Preisaufschläge bis zu 300 Franken.
Apple
Apple-Chef Tim Cook nannte die Aufschläge bei seinem letzten grossen Auftritt vor dem CEO-Wechsel «unvermeidlich» und bezeichnete die bisherige Preisgestaltung sogar als «nicht nachhaltig». Der Schuldige ist für ihn schnell ausgemacht: der weltweite Hunger nach künstlicher Intelligenz. Und tatsächlich steckt dahinter ein realer Engpass, der die halbe Tech-Branche erfasst hat. In den USA hat dieselbe Welle bereits den Xbox-Preis um fast einen Viertel nach oben getrieben, und der Smartphone-Hersteller Nothing sagte einen kompletten Geräte-Start ab.
Der Mechanismus dahinter ist nüchterne Marktwirtschaft. Für KI-Rechenzentren brauchen Konzerne wie OpenAI, Google und Microsoft gigantische Mengen an Arbeitsspeicher und sie zahlen dafür praktisch jeden Preis. Die Speicherhersteller haben ihre Produktionslinien deshalb auf die teure Spezialware für diese Datacenter umgestellt und liefern weniger gewöhnlichen Speicher für Laptops, Tablets und Spielkonsolen. Als Folge davon schossen die Vertragspreise für DRAM-Speicher schossen im ersten Quartal 2026 um bis zu 98 Prozent in die Höhe, und ein Ende ist nicht in Sicht.
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So weit, so erklärbar. Nur aber gerät die Geschichte ins Wanken, sobald man auf Apples Bücher schaut. Der Konzern fuhr zuletzt vier Quartale in Folge Rekordgewinne ein. Und Apples Margen auf Hardware liegen weit über dem Branchenschnitt. Schätzungen von TechInsights und dem «Wall Street Journal» gehen beim iPhone 17 Pro von einem Aufschlag von bis zu 47 Prozent aus, während andere Smartphone-Hersteller sich mit 15 bis 25 Prozent begnügen.
Genau hier hakt das US-Techportal «The Verge» ein. Der Konzern wäre bestens gepolstert, um die höheren Speicherkosten selbst zu schlucken. Marketing-Professor Ari Lightman von der Carnegie Mellon University bringt es im Gespräch mit dem Portal auf den Punkt. Apples Klage über «nicht nachhaltige» Preise lasse sich mit den eigenen Rekordzahlen kaum vereinbaren. Es gehe, ohne jeden Zweifel, vor allem darum, die Aktionäre bei Laune zu halten, die unentwegt Wachstum sehen wollen.
Apple steht nämlich unter Druck, der wenig mit Speicherchips zu tun hat. Der Konzern hinkt im KI-Rennen hinterher, im September übernimmt mit John Ternus ein neuer Chef, und ein zündender neuer Produkthit fehlt. Wer da als wertvollstes Unternehmen der Welt gelten will, braucht eine gute Geschichte für die Börse – und satte Margen trotz steigender Kosten sind eine solche Geschichte.

Tim Cook meinte bei der letzten Keynote, dass die höheren Preise unvermeidbar gewesen wären.
Imago
Im Endeffekt soll der Endkunde also mehr bezahlen, weil ein KI-Wettrüsten die Speicherpreise treibt. Allerdings hat gerade in Europa und auch in der Schweiz kaum jemand nach dieser KI verlangt. Erst recht nicht, weil die rundum erneuerte «Siri AI» in Europa wegen wegen des Digital Markets Act vorerst gar nicht nutzbar ist.
Als Nicht EU-Land steht die Schweiz zwar etwas besser da und könnte die neue Siri sogar früher erhalten. Das nützt im Alltag aber wenig, solange die Assistentin kein Wort Schweizerdeutsch, Hochdeutsch oder Französisch versteht, was vorerst der Fall sein dürfte.
Besonders ironisch wird es beim Blick unter die Motorhaube der neuen Siri. Für einen Teil ihrer Fähigkeiten greift Apple ausgerechnet auf die Gemini-Modelle von Google zurück, also auf jene Konkurrenz, deren Datacenter-Ausbau die Speicherpreise erst nach oben getrieben hat. Der Kreis schliesst sich auf eine Weise, die man sich kaum hätte ausdenken können. Alle von uns bezahlen den Aufpreis für einen Boom, der von einer KI angeheizt wird, die Apple sich teilweise selbst einkauft.