Spotify verstärkt Kampf gegen Werbeblocker 

Henning Steier

8.2.2019 - 10:11

Spotify bekämpft Werbeblocker ab März mit dauerhaften Kontosperren.
Symbolbild: Keystone

Der marktführende Musicstreamingdienst hat Adblocker-Anwender bisher geduldet. Ab März müssen einige mit dauerhaften Kontosperrungen rechnen. Denn das Unternehmen steht unter Erlösdruck.

In seinen neuen Nutzungsbedingungen verbietet Spotify nun explizit das Anbieten und Nutzen von Werbeblockern. Entsprechenden Konten könnten sofort gesperrt werden, heisst es. Das betrifft Schweizer Nutzer noch nicht, sondern zunächst nur solche, die beispielsweise in den USA und Grossbritannien leben. In der Branche ist aber zu vernehmen, dass die Nutzungsbedingungen ab März auch für Schweizer Kunden geändert werden sollen.

Hintergrund ist, dass rund 100 Millionen Hörer die werbefinanzierte Version des Musicstreaming-Dienstes nutzen. Wie viele derzeit Adblocker verwenden ist nicht bekannt. Die neuste Zahl ist ein Jahr alt. Damals hiess es, zwei Millionen User verwendeten Werbeblocker, um die Reklame auszublenden.

Der marktführende Musicstreamingservice hat seit längerem Technologie zur Erkennung von Werbeblockern im Einsatz. Bisher bekamen Nutzer von Adblockern ein E-Mail und ihr Konto wurde zeitweilig gesperrt. Wer sich gefügig zeigte, konnte es wieder nutzen. Ab März droht eine dauerhafte Sperrung des Accounts – ohne Vorwarnungs-E-Mail. 

Spotify ist unter Druck. So lässt sich auch erklären, dass das Unternehmen im Herbst mit der Sperrung unrechtmässig genutzter Familienkonten liebäugelte. Spotify zählt mittlerweile 96 Million zahlende Nutzer. Apple Music hat rund 50 Millionen. In den USA hat Spotify das Nutzerwachstum unter anderem dadurch forciert, dass, wer ein Familien-Abonnement abschloss, ein Exemplar des Google Home dazu erhielt.

Wie das börsenkotierte Unternehmen diese Woche anlässlich der Vorlage seiner Quartalszahlen mitteilte, wird es die Podcast-Anbieter Gimlet sowie Anchor übernehmen. Finanzielle Details wurden nicht genannt. 2019 wird das Spotify nicht nur wegen Übernahmen wie diesen nach eigenen Angaben einen operativen Fehlbetrag zwischen 200 und 360 Millionen Euro ausweisen. Grund sind weitere Investitionen von bis zu 500 Millionen Euro. Im vierten Quartal wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Erstmals landete das Unternehmen mit einem operativen Gewinn von 94 Millionen Euro in den schwarzen Zahlen. 

Randnotiz: Der Vergleichsdienst Comparis hat diese Woche die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu Werbung veröffentlicht. Demnach fühlen sich Schweizer am meisten durch Pop-up-Werbung auf Websites (63 Prozent der Nennungen) gestört. Es folgen Werbespots vor Online-Videos (58 Prozent) und TV-Werbespots (57 Prozent). Audio-Werbung wie jene auf Spotify stört 50 Prozent, durch Bannerwerbung fühlen sich 41 Prozent und durch Radio-Werbespots 40 Prozent der Befragten belästigt.

Hier können Sie dem Autor auf Twitter folgen – und dort können Sie sich mit ihm auf Linkedin vernetzen.

Update 12. Februar: Wie vorausgesagt, gelten ab Mitte März die neuen Nutzungsbedingungen auch für Spotify-Kunden in der Schweiz. Der Streamingdienst hat User heute mit folgender Nachricht informiert:

E-Mail von Spotify an seine Nutzer
Screenshot: Bluewin

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite