Fehler gefunden?
Jetzt melden
Domenik Ledergerber (rechts) ist Präsident der SVP Kanton Zürich.
sda
Mit ihrer Neutralitätsinitiative möchte die SVP Tradition bewahren. Eine bayerische Lederhose und eine frei erfundene Flagge auf einem KI-Plakat bringen die konservative Partei nun in Erklärungsnot.
Was symboliert «Schweizer Tradition» besser als eine in Tracht gekleidete Familie vor idyllischer Szenerie in den Bergen? Die Anzahl an Klischees, die es nicht in den Prompt zur Erstellung dieses KI-Bildes, mit dem die SVP Kanton Zürich für ihre Neutralitätsinitiative wirbt, geschafft haben, dürfte relativ gering sein.
Die Detailarbeit lässt leider zu wünschen übrig. Dafür, dass die konservative Partei das Bild nutzt, um zu illustrieren, das nationale Tradition Frieden schafft – im Gegensatz zu einer internationalen Öffnung – wirken manche Details ziemlich unkonventionell.
Repräsentant*innen von drei Generationen einer Familie hat sich die Zürcher SVP von der KI in die idyllische Berglandschaft setzen lassen: einen Grossvater, einen Vater und zwei Kinder: ein Mädchen und einen Buben.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Dass es sich hier um eine Familie mit traditionellen Werten handelt, soll neben der ländlichen Umgebung auch die gewählte Kleidung verdeutlichen. Trachten sind angesagt, das Mädchen trägt ein Dirndl. Der kleine Bub schwenkt passend zum zur Schau gestellten Konservativismus dann auch stolz eine Flagge.
Nur was für eine Flagge es ist, die der Kleine da mit sich trägt, ist eine Frage, die vermutlich selbst die KI-Software, die für die Erstellung des Bildes genutzt wurde, überfordert wäre. Denn sie steht für: Nichts. Das darauf zu sehende Symbol ist frei erfunden.
Weniger fiktiv sind die Trachten der Männer. Weniger irritierend sind sie deswegen jedoch nicht, denn sie erinnern viel mehr an Trachten, wie sie in Bayern oder Österreich getragen werden – Lederhosen inklusive.
Der Spott lässt im Netz nicht lange auf sich warten. «Jetzt werben die Rechtspopulisten mit bayrischen Trachten», schreibt eine Nutzerin mit Lachsmiley versehen. «Wenn ihr schon auf Heidi-Romantik machen wollt, solltet ihr vielleicht die Werbeagentur wechseln», schreibt noch ein User.
Ein dritter Kommentator ist sogleich selbst kreativ geworden: Er präsentiert eine neue Fassung des Bildes, in der die Familie durch amerikanische Ureinwohner ersetzt worden ist. «Ich habe die Bayern entfernt und echte Schweizer eingefügt», schreibt er dazu.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen.
Die SVP steht trotz des Gespötts zu dem Bild. Ebenfalls auf X antwortet die Partei auf einen Post von Ex-Mitte-Chef Gerhard Pfister, der den Einsatz bayerischer Trachten «in einem Schweizer Abstimmungskampf» als «das Gegenteil von neutral» bezeichnet: «Die Darstellung soll den länderübergreifenden Frieden im Alpenraum symbolisieren. Die gewählte Kleidung ist deshalb bewusst alpenländisch gehalten und nicht als Abbildung einer bestimmten regionalen oder nationalen Tracht gedacht.»
Weiter meint die Partei, es sei «bezeichnend, dass einzelne Kreise lieber über die Kleidung einer Illustration diskutieren als über die eigentliche Botschaft». Warum man sich im selben Post die Mühe gemacht hat, die korrekte Interpretation der Illustration, für deren Symbolik die Kleidung ein elementarer Bestandteil ist, klarzustellen, wo sie doch unabhängig von der «eigentlichen Botschaft» zu bewerten ist, geht aus dem Statement nicht hervor.