Fehler gefunden?
Jetzt melden
OpenAI @ blueNews
In Frankreich und Deutschland verkauft sich Tesla plötzlich wieder wie frische Weggli. In der Schweiz allerdings hat ein anderer Hersteller den Musk-Konzern vom Thron gestossen.
2025 war für viele Tesla-Besitzer in Europa ein Jahr zum Fremdschämen. Manche klebten sich aus Verlegenheit einen Sticker ans Heck: «Ich habe das Auto gekauft, bevor Elon verrückt wurde.» Elon Musks politische Eskapaden hatten den Ruf der Marke ramponiert, und die Verkaufszahlen rauschten in den Keller.
Ein Jahr später sieht die Lage überraschend anders aus. Im Mai hat Tesla in Europa seine Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr beinahe verdoppelt. Rund 28'600 Fahrzeuge wurden in der EU, den EFTA-Staaten und Grossbritannien zugelassen, wie der Herstellerverband ACEA meldet. Damit liegt Tesla wieder vor Traditionsmarken wie Ford, Nissan und Honda, selbst wenn man bei diesen die Verbrenner mitzählt.
Je nachdem, welche Länder man zusammenrechnet, fällt die Zahl unterschiedlich aus. Die «New York Times» nannte für die reine EU ein Plus von 77 Prozent und gut 22'000 Autos, im breiteren Europa inklusive Schweiz war es fast eine Verdoppelung. So oder so ist die Richtung dieselbe – steil nach oben.
Den plötzlichen Hunger nach Teslas erklären Beobachter weniger mit einem Sinneswandel als mit dem Preisschild. Tesla hat seine Modelle aggressiv verbilligt und so gegenüber günstigen China-Stromern und sparsamen Verbrennern wieder konkurrenzfähig gemacht. Der deutsche Auto-Analyst Matthias Schmidt bringt es gegenüber der «New York Times» auf den Punkt. Sobald die Preise sinken, spielen Ethik und Moral nur noch eine Nebenrolle. Dazu kommen das aufgefrischte Model Y und ein überarbeitetes Model 3, die in mehreren Märkten den Nerv treffen.
Dass es nicht bloss ein europäisches Strohfeuer ist, zeigt auch China. Dort legten Teslas Verkäufe im Mai um rund 40 Prozent zu. In Frankreich schoss die Nachfrage gar um 655 Prozent in die Höhe. Über den Berg ist der Konzern damit aber noch lange nicht. In den USA brachen die Auslieferungen im zweiten Quartal laut dem Marktforscher Cox Automotive um 20 Prozent ein.

Elon Musk
Matt Rourke/AP/dpa
Und die Schweiz? Hier ist vom Tesla-Comeback wenig zu spüren. Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist Tesla nicht mehr die beliebteste E-Auto-Marke des Landes. Abgelöst wurde die Marke von Elon Musk von der VW-Tochter Skoda. Bis Ende Mai lieferte Skoda 2'847 Elektroautos aus, Tesla nur rund halb so viele.
Auch der gewohnte Quartalsendspurt zündet nicht mehr richtig. Im März brachte Tesla 681 Fahrzeuge auf Schweizer Strassen. Ein Plus von mageren 1,3 Prozent. Vor drei Jahren waren es im selben Monat noch 1'263 Autos, fast doppelt so viele.
Dabei lässt sich Tesla auch hierzulande nicht lumpen. Das Model Y «Standard» gibt es ab 39'990 Franken, dazu lockt der Konzern mit einem Leasing-Bonus von 4'000 Franken und Null-Prozent-Finanzierung. Die Preissenkung, die in Frankreich Wunder wirkt, verpufft in der Schweiz aber weitgehend. Der Grund liegt in der Konkurrenz. Der VW-Konzern überschwemmt den Markt mit frischen Stromern von Skoda, Audi und Cupra, während chinesische Marken wie BYD und Leapmotor von hinten aufrollen.
Hinzu kommt ein hausgemachtes Schweizer Problem. Der E-Auto-Markt wächst hier kaum. Der Anteil reiner Stromer an den Neuzulassungen klebt seit 2023 bei rund 20 Prozent, derzeit sind es gut 23 Prozent. Zum Vergleich: In Norwegen ist fast jeder Neuwagen elektrisch, in Dänemark vier von fünf. Wo der Kuchen nicht grösser wird, kann Tesla nur wachsen, indem es anderen Marken Anteile abjagt und genau das gelingt gegen die geballte VW-Macht derzeit nicht.
blue News bietet dir täglich Insights aus der Techwelt: News, Hintergründe, Tipps und Ratschläge für deinen digitalen Alltag sowie Tests und Reviews zu Gadgets, Tools und Games.