09.12.2016 - 16:16

Lenovo Yoga Book: Das spannendste Android-Tablet des Jahres

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von Pascal Landolt, Redaktor
 

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Mit dem Yoga Book lanciert Lenovo dieses Jahr einen richtigen Geheimtipp: Das Android-Tablet ist Notizblock, Laptop und Tablet in Einem. Es ist dünn, leicht, erfasst handschriftliche Notizen und verfügt über eine versteckte Tastatur. Der perfekte Begleiter für Unterwegs also?

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Ist es das? Kommt hier die grosse Liebe? Das fragte ich mich, als ich vom Yoga Book erfuhr. Ein Tablet mit einem 10-Zoll-Bildschirm soll es werden. Leicht und robust, und mit einer Batterielaufzeit von über 12 Stunden. Eine Notiz- und Skizzierfunktion soll eingebaut sein.

Und es soll auch als Mini-Laptop eingesetzt werden können, denn das Yoga Book wird mit Windows 10- als auch Android-Oberfläche ausgeliefert. Damit werden sowohl Tablet- als auch Laptop-Fans angesprochen. Bluewin hat die Version mit Android getestet. Ist es das ultimative Produktivitäts-Gadget?

Das Yoga Book in Bildern

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Gleichzeitig weckte diese Ankündigung schmerzhafte Erinnerungen an ein grandioses Konzept, das die Tech-Gemeinde vor ein paar Jahren in Aufregung versetzte, dann aber abrupt abgebrochen wurde.

Microsoft Courier: Der heilige Tablet-Gral

2010 zeigte Microsoft in einem kurzen Video den «Courier»: Dies sollte ein wahres Multifunktions-Tool werden - mit zwei Touchscreens und einer überragenden Notiz- und Collagefunktion. Leider wurde das Gerät schon früh in der Entwicklungsphase von Microsoft wieder abgesägt, vielleicht war es zu ambitiös für die damalige Zeit. Für viele Tablet-Enthusiasten wird das Konzept aber nach wie vor als «der heilige Gral» der Produktivität gefeiert.

Nun ist mit Lenovo ein innovativer und hungriger Gerätehersteller auf dem Markt angekommen, der auch gerne (und gut) mit Konzepten spielt, wie unser Test des «Beamer-Tablets» Yoga Tab 3 Pro bewiesen hat. Kann Lenovo liefern, womit uns Microsoft vor sechs Jahren den Mund wässrig machte?

Yoga Book: Tablet, Laptop und Notizbuch

Das Yoga Book ist ein Tablet mit 10,1-Zoll-Touchscreen, an dem per Scharnier fix das sogenannte «Halo Keyboard» angehängt ist. Das Keyboard ist dabei nicht mit Tasten versehen, sondern verfügt über eine glatte, Touch-empfindliche Oberfläche.

Auf dieser Oberfläche kann man sich entweder eine Touch-Tastatur anzeigen lassen oder das Feld nutzen, um mit einem Stift darauf Notizen zu machen. Des weiteren verfügt das Yoga Book über ein kleines Trackpad, womit das Laptop-Gefühl zusätzlich akzentuiert wird.

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Der mitgelieferte Zeichenblock des Lenovo Yoga Book haftet magnetisch auf dem Tablet und erlaubt das Anfertigen echter handschriftlicher Notizen und Zeichnungen.
Bild: Lenovo

Der Fokus liegt aber klar auf der Notiz-Funktion, welche mit und ohne Papier funktioniert. Legt man den mitgelieferten Papierblock auf die Touch-Oberfläche, kann man mit dem mitgelieferten Kugelschreiber loskritzeln und das Geschriebene wird sogleich digital ausgelesen und auf dem Bildschirm angezeigt. Ein digitales Speichern und Teilen der eigenen Notizen ist so ganz einfach möglich.

Während beim Stift zwingend das Original «Real Pen» von Lenovo benutzt werden muss, eignet sich als Schreibunterlage jedes X-beliebige Papier und jeder Block bis zu einer Dicke von etwa fünf Millimetern. Sogar die Druckstärke wird registriert, entsprechend wird die Linie dünner oder stärker.

Technik und Verarbeitung: Makellos

Was Lenovo besonders gut macht, ist die Verarbeitung seiner Produkte. Man merkt: Da fliesst viel Liebe und Überlegung in die Produkte. Das beginnt beim schlichten Design und geht über das geniale «Yoga»-Scharnier bis hin zur Balancierung des Geräts. Das Yoga Book liegt super in der Hand und man glaubt kaum, dass alle Komponenten in diesem schlanken Paket Platz finden.

In den 9,6 Millimetern, die das Yoga Book dünn ist, befindet sich denn auch eine Menge Technik:

  • Full-HD-Touchscreen mit 10,1 Zoll Diagonale und 1920 x 1080 Pixeln
  • 2,4 GHz Intel-Atom-Prozessor und 4GB RAM für flüssige Performance
  • Micro-USB-Anschluss fürs Aufladen
  • Micro-HDMI-Ausgang für Video-Ausgabe
  • 64 GB Speicher und microSD-Slot für Speichererweiterung
  • 3,5mm-Kopfhörer-Klinke
  • Betriebssystem wahlweise Android 6.0 (539 Franken) oder Windows 10 (649 Franken)

Ebenfalls gut tönen die eingebauten Lautsprecher, auch wenn sie etwas Bass vermissen lassen. Für den Filmgenuss unterwegs sind sie aber okay. 

Die Schwächen: Software und Details

Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein beim Yoga Book: Die wichtigen Komponenten sind allesamt vorhanden, nur leider fehlt dem Endprodukt das «gewisse Etwas».

Die Notizfunktion beispielsweise funktioniert super - sofern man Lenovos eigene Notiz-Software «Note Saver» benutzt. Will man eine andere App wie beispielsweise Evernote oder One Note nutzen, verliert man damit viele Einstellungsmöglichkeiten und Optionen - wie beispielsweise das Schreiben bei abgeschaltetem Bildschirm.

Das «Halo-Keyboard» sollte auch eher im Notfall genutzt werden, auch nach einiger Angewöhnungs-Zeit ist das Tippen darauf eine Herausforderung, denn man fühlt die einzelnen Tasten nicht. Damit ist die Erfahrung verleichbar mit dem Tippen auf dem Touchscreen eines Tablets. Schweizer Nutzer müssen zudem mit dem Deutschen Keyboard-Layout Vorliebe nehmen: Zwar lässt sich die Tastaturbelegung in den Einstellungen ändern, die aufgedruckten Tasten bleiben aber die Selben.

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Berührungsempfindliche Oberfläche mit Tastenmarkierungen: Die Halo Tastatur des Yoga Book soll einfache Texteingabe ermöglichen, sorgt in der Praxis aber für viele Vertipper.
Bild: Lenovo

Plan B von Microsoft: Die Surface-Reihe

Ganz gestorben ist das «Courier»-Konzept bei Microsoft aber doch nicht: 2012 veröffentlichte der US-Konzern das «Surface»-Tablet mit einem Touchscreen, einem Eingabestift für Notizen und einer dünnen Tastatur, die sich magnetisch am Tablet befestigen liess.

Die Surface-Reihe wurde über die folgenden Jahre verfeinert und ist mittlerweile praktisch zum Standard avanciert, was mobile Produktivität betrifft. Die Modellreihe verbindet solide Rechenleistung mit der Möglichkeit, Notizen und Ergänzungen direkt per Stift auf dem Bildschirm zu skizzieren. Schade verzichtet das Yoga Book auf diese Möglichkeit, denn von Form und Gewicht her wäre das Lenovo-Tablet wie geschaffen als mobiler Notizblock.

Computer und Notizblock: Microsoft Surface 4

  • Microsoft Surface Pro 4
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Fazit: Es darf weiter geträumt werden

Das Yoga Book macht Spass. Es ist portabel, sieht edel aus und ich habe es dank seines geringen Gewichts von nur 690 Gramm auch gerne mit auf Reisen genommen. Besonders als E-Book-Reader hat es dank Buch-Formaktor und langer Akku-Laufzeit von realistischen 9 Stunden brilliert.

Um das Konzept abzurunden und ein wahrlich legendäres Notiz-Tablet zu machen, müsste man als Hersteller allerdings das Betriebssystem selber programmieren. Wir haben die Android-Version des Yoga Book getestet und hätten uns neben mehr Übersicht besonders eine physische «Home»-Taste gewünscht.

So verbleibt ein solides Android-Tablet, das grosse Träume hegt, dann aber in der Realität aufwacht, in der auch das Courier-Konzept chancenlos blieb. Die Idee, gleich zwei Touchscreens zu verbauen, verwarf das Lenovo-Team übrigens schon zu Anfang: Zu gross wäre der Akku-Bedarf gewesen. Gleich gross wäre wohl auch der Aufwand, eine intuitive und Nutzerfreundliche Bedieneroberfläche für dieses spezielle Gerät zu programmieren.

Mit meinen Tablet-Wünschen verfalle ich also wieder in einen Schlummerschlaf und warte gespannt, ob mich in weiteren sechs Jahren mein Traum-Tablet wachküsst.

Auch spannend: Tablet und Beamer in Einem

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