19.01.2017 - 11:28, aktualisiert: 13:37

Wahnsinn auf vier Rädern: Das Tesla Model X im grossen «Bluewin»-Test

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von Pascal Landolt, Redaktor
 

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Familienkutsche, Rennwagen und Smartphone auf Rädern: Das Tesla Model X ist alles Andere als ein konventionelles Auto. Bluewin hat den Elektro-Geländewagen mit den Flügeltüren und dem «Wahnsinns»-Modus getestet.

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Wie baut man ein Auto, das 7 Passagieren mit Gepäck Platz bietet, das 2,4 Tonnen wiegt und trotzdem praktisch jeden Sportwagen an der Ampel stehen lässt - und das allein durch seine Türen zum Gesprächsthema wird?

Zu dieser - zugegebenermassen sehr spezifischen - Frage liefert der US-Autohersteller Tesla mit seinem rein elektrischen «Model X» die Antwort.

Eines vorneweg: Der Stromer aus Kalifornien hat im Bluewin-Test überzeugt. Unseren detaillierten Testbericht sehen Sie im Video gleich oben. Eine Bild-für-Bild-Tour rund um das Model X erhalten Sie zudem in unserer Galerie:

Das Tesla Model X in Bildern

  • Tesla Model X Zürich
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Tesla Model X: Die wichtigsten Daten

Bevor wir in diesem Artikel detailliert auf die einzelnen Aspekte des Tesla eingehen, sind hier die wichtigsten Daten im Kurz-Überblick:

  • Rein elektrischer Geländewagen mit Allrad-Antrieb
  • Antrieb über Doppel-Elektromotor und Akku (90 kWh)
  • Max. Reichweite pro Akkuladung (Angabe): 489 km
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 3,4 Sek. (Testwagen P90D)
  • Platz für 7 Personen plus Gepäck
  • Dimensionen: 5035 mm (L) x 1999 mm (B), 2391 kg
  • Preis: Ab 97'900 Franken

Wie fährt sich das Elektroauto?

Als Elektro-Auto ist das Tesla Model X sehr einfach zu fahren. Wie bei einem traditionellen Wagen mit Automatik-Antrieb reicht es, per Schalthebel den «Drive»-Gang einzulegen und das Pedal zu drücken.

Gar nicht traditionell hingegen ist die Beschleunigung: Elektromotor und Eingang-Getriebe sorgen für einen sofortigen - und blitzschnellen - Start. Kein Scherz: Die Fahrmodi im Tesla heissen «Sport», «Wahnsinn» und «Von Sinnen». Im Spitzenmodell P100D geschieht der Sprint von 0 auf 100 km/h in atemberaubenden 3,1 Sekunden. Das ist Sportwagen-Niveau: Gleich schnell sind beispielsweise McLaren 12C, Porsche 991 TT3 RS oder ein Ferrari 488. Doch auch in den gemässigteren Ausstattungen ist das Model X trotz des hohen Leergewichts kein Schleicher.

Was Anfangs etwas Angewöhnung braucht, ist das «Regenerative Bremsen»: Sobald man den Fuss vom Beschleunigungspedal hebt, bremst das Auto relativ stark ab und lädt mit der so gewonnen Energie den Akku wieder auf. Nach ein paar Kilometern hat man den Dreh aber raus und kann den Tesla praktisch ohne benutzen des Bremspedals fahren.

Entspannt: Mit dem Model X auf Reisen

Während man von einem so hoch gebauten SUV erwarten würde, dass er kippt und schlingert, sorgen der tiefe Schwerpunkt und die Luftfederung dafür, dass der Tesla auf der Strasse haftet und sich eher wie ein Sportwagen fährt. Weniger sportlich ist das Lenkverhalten, das eher ein Gefühl von Sicherheit und Präzision als von «Go-Kart» vermittelt. Trotzdem fährt sich wohl kein anderes Familienauto so spritzig wie das Model X.

Der elektrische Antrieb sorgt für eine geschmeidige und ruckelfreie Fahrt. Zwar hört man beim Beschleunigen ein leises Surren, aber störend ist das Geräusch nicht. Vibrationen gibt's im Innenraum keine, ab einer gewissen Geschwindigkeit vernimmt man aber Wind- und Strassengeräusche.

Bild zum Artikel

Am «Supercharger» können Tesla-Autos (noch) kostenlos und viel schneller als an anderen Ladestationen aufgeladen werden. Das ermöglicht komfortables Reisen durch ganz Europa.
Bild: Tesla.com

Wer mit dem Model X längere Strecken fahren möchte, ist erstaunt, wie mühelos das geht. Zum einen muss man sich über Reichweite keine Gedanken machen - der Tesla lässt sich entweder zu Hause an der Steckdose aufladen oder unterwegs an einer «Supercharger»-Schnelladestation, wo der Akku während der Zeitdauer einer Kaffeepause wieder geladen werden kann.

Zum anderen übernehmen die Fahrassistenz-Systeme des Tesla - wie der «Autopilot» - viele monotone Aufgaben wie das Halten von Tempo und Spur, sodass der Fahrer auf längeren Fahrten entlastet wird.

Sicherheit zuerst - dank vieler Assistenten

Das Model X hat einige Sicherheitssysteme eingebaut: Der adaptive Tempomat bremst automatisch ab, wenn er erkennt, dass der vorausfahrende Verkehr langsamer wird. Andere Fahr-Assistenten sind der Spurhalteassistent und ein Notbremsassistent. Wer das grosse Gefährt zudem nicht selbst in die Parklücke navigieren möchte, kann auch dies voll automatisch von der Parkhilfe übernehmen lassen. 

Wie funktioniert der «Autopilot» von Tesla?

  • Tesla Model S Autopilot
  • Tesla Model S Autopilot
  • Tesla Model S Autopilot
  • Tesla Model S Autopilot

Die Übersicht aus dem Fahrersitz ist aufgrund der erhöhten Sitzposition exzellent. Immer wieder verblüffend ist der Blick aus der grossen Panorama-Windschutzscheibe, die sich nach oben bis über den Kopf von Fahrer und Beifahrer erstreckt. Gar nicht berauschend hingegen der Blick in den Rückspiegel: Besonders in der 7-Sitzer-Version ist die Sicht nach Hinten stark eingeschränkt. Zum Glück gibt's im Model X standardmässig eine Rückfahrkamera und Hecksensoren.

Im Fahrersitz des Tesla fühlt man sich wohl: Autobahn-Einfahrten sind dank der spritzigen Beschleunigung des Fahrzeugs ein Kinderspiel und ein straffes Kurvenverhalten sorgt auch auf Passstrassen für ein gutes Fahrgefühl.

Futuristisch: Das Interieur

Wer in einem Tesla Platz nimmt, dem fällt als erstes der grosse 17 Zoll-Touchscreen auf, der das Cockpit dominiert. Von diesem Bildschirm aus wird fast jede Fahrzeugfunktion gesteuert, wie beispielsweise Klima, Fahrwerk, Musik und Navigation. Die einzigen zwei physischen Tasten sind für den Warnblinker und das Handschuhfach. Das sorgt für ein minimalistisches, modernes Design.

Ebenfalls voll digital ist die Instrumententafel - ein zweiter, kleinerer Bildschirm, der sich direkt hinter dem Lenkrad befindet. Obwohl auf dem Screen viele Informationen zu Tempo, Navigation und Reichweite dargestellt werden, bleibt er stets gut lesbar.

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Doch der eigentliche Star in der Fahrerkabine ist der grosse 17-Zoll-Touchscreen. Wie schon beim Model S werden fast alle Fahrzeugfunktionen per Touch-Eingabe darüber gesteuert.
Bild: Bluewin

Leider erstreckt sich der Fortschritt noch nicht ganz bis in jedes Detail des Tesla-Innenlebens. Zwar ist der Innenraum sehr aufgeräumt und modern. Die Materialien wie Leder und Alcantara gefallen zwar, die Verarbeitungsqualität kommt aber noch nicht ganz ans angestrebte Premiumsegment heran. Zu oft klappert ein Verschluss oder sind Abdeckungen nicht sauber eingepasst - besonders die Mittelkonsole hinterlässt einen etwas lieblosen Eindruck.

Technik: Lässt jeden Tech-Geek erstrahlen

Schon die Elektrolimousine Model S war ein wahrgewordener Traum für jeden Technik-Freak, mit dem Model X geht Tesla aber noch einen Schritt weiter.

Nur schon der Autoschlüssel («Keyfob») beinhaltet viel Technologie: Wer den Schlüssel auf sich trägt, dem öffnet das Auto automatisch die Türe und stellt Sitze und Spiegel gleich auf den Fahrer ein - dabei kann auf jeder Schlüsselkopie ein eigenes Profil hinterlegt werden. Auch Flügeltüren und Kofferraum öffnen und schliessen sich auf Tastendruck vom Schlüssel aus. Zudem lässt sich das Auto mit dem Keyfob in eine Parklücke fernsteuern, während der Fahrer neben dem Fahrzeug steht. Die meisten dieser Funktionen befinden sich übrigens auch in der Tesla Smartphone-App.

Bild zum Artikel

Der «Keyfob» zum Model X: Dem Auto im Miniformat nachempfunden, verfügt der Schlüssel über einiges an eingebauter Technik. Auf Knopfdruck lassen sich Türen öffnen und schliessen.
Bild: Bluewin

Zum «Smartphone auf Rädern» wird der Tesla nicht zuletzt dank des oben erwähnten riesigen Touchscreens sowie seiner stetigen Internet-Verbindung. Die gesamte aktuelle Tesla-Flotte ist jederzeit mit dem Internet verbunden, das Datenabo ist dabei im Kaufpreis einbegriffen. Die Fahrzeuge können so mit kostenlosen Software-Updates versorgt werden, ohne dass das Auto dafür in den Service muss. Zuletzt hatte Tesla beispielsweise auf diese Weise sozusagen über Nacht die Funktionsweise des Autopiloten nachträglich verfeinert. Einige Wochen später erkannte diese neu implementierte Radar-Funktion einen Unfall, bevor er passierte.

Kein Scherz: Die Flügeltüren

Eines vorneweg: Das Model X ist kein Auto für Introvertierte. Das Öffnen und Schliessen der Flügeltüren ist spektakulär, und das entgeht auch den lieben Mitmenschen nicht. Passanten drehen sich nach dem Auto um, schiessen Bilder oder stellen Fragen. Als Model X-Fahrer muss man bereit sein, bei jedem Park- oder Ladestopp dutzende Fragen zum Auto zu beantworten.

Und ja - sie funktionieren, die «Falcon Wing Doors», wie Tesla sie offiziell nennt. Auch in Tiefgaragen und bei engen Platzverhältnissen öffnen und schliessen sie sich, ohne Schaden zu nehmen. Dafür sorgen eine Handvoll Sensoren und die clevere Bauweise mit zwei Scharnieren.

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Erkennungsmerkmal des Model X: Die Flügeltüren, die nach oben aufschwingen und Zutritt in die zweite und dritte Sitzreihe ermöglichen. Obwohl sie auf den ersten Blick kompliziert wirken, möchte man sie bald nicht mehr missen. Sie sind wirklich speziell - und praktisch.
Bild: Bluewin

Ob die Funktionalität nicht auch mit einer simplen Schiebetür hätte erreicht werden können, sei dahingestellt. Auf jeden Fall schlägt man sich beim Ein- und Aussteigen in die 2. und 3. Sitzreihe nicht den Kopf an, und auch das Anschnallen von Kindern in einem Kindersitz ist so ganz einfach. Das Öffnen und Schliessen der Flügeltüren dauert rund 7 Sekunden.

Natürlich macht dieses «Gimmick» das Auto auch aufwändiger und teurer, sogar Tesla-CEO Elon Musk musste zugeben, dass es letzten Endes doch ein Bisschen viel der technischen Spielerei war.

Fazit: Unglaubliche Technik mit entsprechendem Preisschild

Das Model X ist das momentan wohl modernste und fortschrittlichste Auto auf den Strassen. Die Kombination von leistungsfähigem Elektroantrieb, grosser Reichweite und der vielen Sicherheitsassistenten machen den Elektro-Geländewagen zum Traumwagen. Nicht nur Familien reisen darin bequem und behütet, auch wer gerne mal etwas spritziger fährt, kommt dank «Wahnsinns»-Beschleunigungsmodus voll auf seine Kosten. Dazu kommen die unzähligen technischen Spielereien, mit denen man den gesamten Bekanntenkreis verblüffen kann.

Der Preis der Zukunft fängt entsprechend bei rund 97'000 Franken an, das von «Bluewin» getestete Modell bringt es gar auf saftige 165'000 Franken.

Tesla zeigt uns mit dem Model X, wie viel Spass elektrisch Fahren machen kann. Alltagstauglich ist das Fahrzeug allemal - wenn man mit einem Auto dieser Grösse gut umgehen kann. Wir sind bereits gespannt auf Teslas «Model 3», das ab diesem Jahr in Produktion gehen soll. Etwas kleiner, um einiges günstiger - aber hoffentlich mit all den Features, die einen Tesla ausmachen.

Model 3 ab 2017: So sieht der günstige Tesla aus

  • Tesla Model 3 Unveil
  • Tesla Model 3 Unveil
  • Tesla Model 3 Unveil
  • Tesla Model 3 Unveil

Hinweis: Tesla Schweiz stellte «Bluewin» für die Zeitdauer des Tests einen Testwagen «Tesla Model X P90D» zur Verfügung.

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