«Spoofing»-Betrug nimmt zu Die «eigene Bank» ist am Telefon – und dann sind 50'000 Franken weg

Andreas Fischer

11.3.2026

Beim «Spoofing» versuchen Angreifer, die eigene Identität zu verschleiern und sich als vertrauenswürdig darzustellen.
Beim «Spoofing» versuchen Angreifer, die eigene Identität zu verschleiern und sich als vertrauenswürdig darzustellen.
Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Ein Anruf, eine vertraute Nummer – und 50’000 Franken sind weg. Ein Winterthurer wird Opfer von Telefonbetrug mit gefälschter Telefonnummer. Der Fall zeigt, wie perfide «Spoofing» funktioniert.

Andreas Fischer

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Betrüger täuschen mit manipulierten Telefonnummern vertrauenswürdige Schweizer Anschlüsse vor und bringen Opfer so dazu, sensible Daten preiszugeben.
  • Das wurde einem 27-Jährigen zum Verhängnis, der durch diese Betrugsmasche 50'000 Franken verlor.
  • Telefonbetrug nimmt stark zu: 2025 registrierten die Behörden fast 17'000 betrügerische Anrufe und Hunderte missbrauchte Telefonnummern. Neue Regeln sollen das Spoofing eindämmen.

Es war ein kurzer Anruf, der alles veränderte: Für Alex Baumann aus Winterthur endete ein Telefonat im Sommer 2024 mit einem Verlust von 50'000 Franken, berichtet der «Tages-Anzeiger». Der 27-jährige Projektleiter hatte einen Anruf von einer unbekannten Zürcher Nummer angenommen – und wurde Opfer eines ausgeklügelten Telefonbetrugs.

Ein angeblicher Mitarbeiter seiner Bank erfragte sein Geburtsdatum und seinen Kontostand und behauptete, man sei besorgt wegen einer verdächtigen Überweisung. Nach einem zweiten Telefonat sollte Baumann, der nicht wirklich so heisst, seinen Computer auf Malware überprüfen – und dafür einen QR-Code mit seiner Authentifizierungs-App scannen.

Und dann war sein Konto auch schon leergeräumt.

Das Perfide daran: Das Opfer hatte bei den Anrufen keinen Verdacht geschöpft, weil es zuvor sogar noch die Nummer gegoogelt hatte. Sie gehörte zu einer Geschäftsstelle seiner Bank. Es schien alles plausibel zu sein.

Telefonbetrug nimmt seit Jahren zu

Der Fall zeigt ein wachsendes Problem: sogenanntes «Spoofing». Dabei manipulieren Betrüger mit speziellen Computerprogrammen ihre Telefonnummer, sodass auf dem Display der Angerufenen eine scheinbar vertrauenswürdige Schweizer Nummer erscheint. Tatsächlich kommen die Anrufe oft aus dem Ausland und sind Teil organisierter Betrugsmaschen.

«Spoofing» nimmt seit Jahren zu. Laut Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) gingen 2025 insgesamt 467 Meldungen ein, bei denen Telefonnummern missbräuchlich verwendet wurden. Zusätzlich registrierten die Behörden fast 17'000 betrügerische Anrufe – auch dort spielen gefälschte Nummern häufig eine Rolle.

«Spoofing»: So schützt du dich vor Telefonbetrug

  • Sofort auflegen, wenn du eine unerwartete Anfrage nach Geld, Wertsachen oder persönlichen Daten bekommst.
  • Nicht unter Druck setzen lassen: Betrüger erzeugen oft Stress (z.B. «Dein Konto wurde gehackt», «Enkel in Untersuchungshaft»). 
  • Gib niemals Daten preis, wenn du am Telefon nach deinem Zugang zum E-Banking, Kreditkartennummern oder Passwörtern gefragt wirst.
  • Die echte Polizei ruft niemals über die Notrufnummer 117 an und fragt am Telefon nicht nach Geld oder Wertsachen.
  • Wenn du Zweifel hast, nutze den Rückruf-Trick: Lege auf und rufe die offizielle Nummer der Behörde oder Bank selbst an. Nutze dafür aber nicht die Rückruffunktion des Telefons, sondern suche die Nummern selbst raus.
  • Sei kein Ja-Sager: Versuche, keine zustimmenden Antworten («Ja») am Telefon zu geben. Das könnte aufgezeichnet und missbraucht werden.

Neue Regeln für Telekomanbieter

Um die Masche einzudämmen, hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) neue Regeln eingeführt. Seit Januar müssen Telekomanbieter Anrufe aus dem Ausland, die mit einer Schweizer Festnetznummer erscheinen, entweder blockieren oder als anonym kennzeichnen. Ab Juli gilt dies auch für Mobilfunknummern.

Dass diese Regulierung funktionieren kann, zeigt sich in Österreich. Dort ist bereits gesetzlich festgelegt, dass Provider Anrufe mit gefälschten österreichischen Nummern gar nicht mehr durchstellen dürfen, auch nicht als anonym gekennzeichnet. Laut der zuständigen Regulierungsbehörde sind die Beschwerden seit Einführung dieser Regel praktisch auf null gesunken.

Für Alex Baumann dürfte das ein schwacher Trost sein. Er hat sein Geld bis heute nicht zurückbekommen. Die Polizei konnte nicht ermitteln, wer ihn mit einer «gespooften» Schweizer Festnetznummer angerufen hat.

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