WM-Fieber wird zur FalleSo dreist zocken Ticket-Betrüger gerade Fans und Familien ab
Martin Abgottspon
20.5.2026
Derzeit muss man besonders aufpassen, wenn man Tickets im Internet erwirbt.
Gemini @ blue News
WM-Tickets, Zoo-Rabatte oder Schoggi-Museum: Immer mehr gefälschte Webseiten locken mit vermeintlichen Schnäppchen und setzen Käufer unter Druck. Wer nicht genau hinschaut, verliert schnell Geld und Kreditkartendaten.
Die Eishockey-Weltmeisterschaft hat gerade begonnen, und auch die Fussball-Weltmeisterschaft steht schon in den Startlöchern. Doch nicht nur die Fans fiebern solchen Grossereignissen entgegen, auch Betrüger sehen darin eine Gelegenheit, Profit zu machen und Anhänger zu täuschen. So erhielt das BACS in der vergangenen Woche mehrere Meldungen zu Webseiten rund um die Fussball-WM, die die offiziellen Ticketverkaufsstellen kopieren. Aber auch unabhängig von Grossveranstaltungen nutzen Kriminelle jede Chance, um Personen auf der Suche nach Tickets hereinzulegen.
Dazu werden beispielsweise gefälschte Ticket- oder Fanartikel-Webseiten erstellt. Häufig wirken die Angebote so verlockend günstig, dass man kaum widerstehen kann. Oder es werden Tickets angeboten, die auf dem regulären Markt nicht mehr oder nur noch in sehr begrenzter Anzahl erhältlich sind. In der Erwartung einer schnellen Lieferung wird der geforderte Preis bezahlt. Die Enttäuschung folgt jedoch rasch, denn die bestellten Tickets treffen nie ein oder sind ungültig.
Beispiel einer täuschend echt aussehenden gefälschten FIFA-Webseite. Auf der Webseite können angeblich auch Tickets für die Fussball-WM-2026 gekauft werden.
BACS
Betrug im Zoo-Zürich-Look
Doch auch andere Anlässe und Ausflugsziele bleiben vor gefälschten Ticketwebseiten nicht verschont. Ein Beispiel, das dem BACS immer wieder gemeldet wird, sind gefälschte Webseiten des Zoo Zürich. Besonders heimtückisch ist, dass die Käufer bewusst unter Entscheidungsdruck gesetzt werden. Ihnen wird ein scheinbar grosszügiger Rabatt von 40% versprochen, allerdings nur, wenn sie sich innerhalb weniger Minuten festlegen. Um diesen Zeitdruck zu verstärken, wird eine Uhr eingeblendet, die unerbittlich herunterzählt. Den Nutzern wird so ständig vor Augen geführt, wie wenig Zeit ihnen angeblich noch bleibt, um vom Rabatt zu profitieren.
Der Eindruck einer einmaligen Gelegenheit soll gezielt Angst erzeugen, etwas zu verpassen. Hier nutzen die Betrüger das bekannte Phänomen «Fear of Missing Out» (FoMO) oder auf Deutsch die «Angst, etwas zu verpassen». Nach Ablauf der Zeit bleibt der Timer übrigens nicht bei null stehen, sondern springt auf 15 Minuten zurück und beginnt erneut zu zählen. Wer die Tickets kaufen möchte, muss seine Kreditkartendaten eingeben und wird so Opfer eines Phishing-Angriffs.
Gefälschte Ticketverkaufsseite des Zoo Zürich. 40% Rabatt werden in Aussicht gestellt, wenn man innerhalb von 15 Minuten bestellt.
BACS
Süsse Versuchung, bittere Falle beim Lindt-Museum
Auch Schokoladenliebhaber sind im Visier von Ticketbetrügern. In einem aktuellen Fall haben die Betrüger die Webseite des Schokoladenmuseums von Lindt kopiert. Bereits zweimal wurde dem BACS eine entsprechende betrügerische Website gemeldet. Das Besondere an diesen Fällen ist, dass sich die Täter gezielt die Tippfehler der Nutzer zunutze machen. So wurde in einem Fall anstelle von «chocolate» die fehlerhafte Schreibweise «chochlate», also ohne «e», im Domainnamen verwendet.
Im zweiten Fall wurde dem Wort «chocolate» ein «s» angehängt. Die Betrüger spekulieren darauf, dass sich die Opfer vertippen und so unbemerkt auf einer täuschend echt wirkenden Betrugsseite landen. Auch in diesen Fällen mussten für die Ticketbestellung die Kreditkartendaten angegeben werden. Um die Täuschung perfekt zu machen, werden die Opfer nach dem Kauf auf eine separate Seite eines Zahlungsdienstleisters geleitet, wie es auch bei seriösen Shops der Fall ist.
Die Gefälschte Seite des Lindt-Schokoladenmuseums verspricht verfügbare Tickets.
BACS
Ticketbetrug via Dating-Plattform
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Dem BACS werden aber auch regelmässig Ticketbetrugsseiten im Zusammenhang mit sogenannten Romance-Scams gemeldet. Dabei nutzen Betrüger Dating-Plattformen, um an ihre Opfer zu gelangen. Die Betrüger geben sich als sympathische und attraktive Personen aus und bauen schnell eine emotionale Verbindung zu ihren Opfern auf. Innerhalb kurzer Zeit schlagen sie ein Treffen bei einem Konzert oder im Theater vor und senden dazu einen Link zu einem vermeintlichen Ticketshop für Konzerte oder Theatervorstellungen in der Schweiz. Die Webseite, zu der der Link führt, wirkt auf den ersten Blick seriös und professionell gestaltet. Ein Blick auf die offizielle Seite der jeweiligen Kultureinrichtung zeigt jedoch schnell, dass die aufgeführte Vorstellung derzeit gar nicht im Programm ist. Auch hier werden die Opfer dazu verleitet, ihre Kreditkartendaten anzugeben.
Gefälschte Webseite des Theaters Basel für eine angebliche Vorstellung von «Moulin Rouge».
BACS
Empfehlungen
Nutze nur offizielle Kanäle: Kaufe deine Tickets ausschliesslich über offizielle oder vertrauenswürdige Kanäle. Verwende am besten immer die von der Veranstaltung zugelassenen Ticketverkaufsstellen (offizielle Websites, anerkannte Verkaufsstellen oder offizielle Ticketbörsen). Mach am besten einen grossen Bogen um Graumarktplattformen.
Bleibe misstrauisch: Sei vorsichtig bei Angeboten, die zu gut oder zu dringend klingen. Wenn Tickets in letzter Minute zum Selbstkostenpreis (oder sogar viel zu günstig) für ein längst ausverkauftes Event angeboten werden, sollten bei dir die Alarmglocken schrillen. Das Gleiche gilt, wenn dich ein Verkäufer oder Käufer drängt, den Deal sofort abzuschliessen.
Im Zweifel abbrechen: Wenn du den Verdacht hast, dass es sich um einen Betrug handelt, brich den Kontakt mit der Person sofort ab.
Melde Betrugsversuche: Wenn du eine verdächtige Anzeige entdeckst oder sogar selbst Opfer eines Betrugs geworden bist, melde das unbedingt den Betreibern der jeweiligen Plattform oder Website (egal ob Kleinanzeigenportal, Facebook-Gruppe oder Social-Media-Kanal).
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