NachgerechnetWas bringt eigentlich der Eco-Modus bei Geschirrspüler & Co.?
Martin Abgottspon
24.1.2026
Sauberes Geschirr, aber wie umweltfreundlich war der Waschgang wirklich?
Gemini @blue News
Wie kann der Eco-Modus bei wesentlich längeren Laufzeiten energieeffizienter sein? Wir erklären die Physik und wieviel Strom man tatsächlich sparen kann.
Auf den ersten Blick wirkt der Eco-Modus widersinnig. Drei bis vier Stunden Spülzeit, das erscheint kaum vereinbar mit dem Versprechen niedrigerer Energiekosten. Doch der Energieverbrauch eines Haushaltsgeräts bemisst sich nicht an der Laufzeit allein, sondern an den physikalischen Prozessen im Inneren.
Der entscheidende Faktor ist die Temperatur. Das Heizen des Wassers ist dabei der grösste Energiefaktor. Ob Wäsche mit 90 oder 30 Grad gewaschen wird, macht einen massiven Unterschied im Strombedarf. Auch hohe Schleuderzahlen treiben den Verbrauch nach oben, ebenso überdimensionierte Geräte oder schlecht ausgelastete Trommeln.
Hinzu kommt der technische Fortschritt. Moderne Geräte mit hoher Energieeffizienzklasse verbrauchen deutlich weniger Strom als ältere Modelle. Dennoch bleibt die Temperatur der dominante Hebel. Und genau hier setzen Eco-Programme an.
Energieberater auf Besuch: «Sie könnten etwa 200 Franken sparen»
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06.10.2022
Wie der Eco-Modus tatsächlich arbeitet
Entgegen einer verbreiteten Annahme waschen Eco-Programme nicht einfach langsamer, sondern strategisch anders. Sie erhitzen weniger Wasser, langsamer und oft nicht bis zur auf dem Display angegebenen Maximaltemperatur. Stattdessen wird die Reinigungsleistung über Zeit erzielt. Längere Einweichphasen ersetzen hohe Hitze.
Das erklärt, warum ein längerer Betrieb nicht automatisch mehr Strom verbraucht. Das Heizelement läuft seltener und kürzer und genau dort entstehen die grössten Einsparungen.
Praxisnahe Tests bestätigen diesen Effekt. Ein handelsüblicher Geschirrspüler verbraucht im einstündigen Standardprogramm bei 65 Grad rund 1,05 Kilowattstunden Strom. Im Eco-Programm sinkt der Verbrauch auf 0,73 Kilowattstunden, trotz deutlich längerer Laufzeit.
Noch klarer fällt der Unterschied bei Waschmaschinen aus. Ein Baumwollprogramm mit 40 Grad und 1'400 Umdrehungen benötigt rund 1,11 Kilowattstunden. Im Eco-Modus sind es lediglich 0,54 Kilowattstunden – weniger als die Hälfte.
Fernseher im Sparmodus – ein anderer Kompromiss
Nicht jeder Eco-Modus funktioniert nach demselben Prinzip. Bei Fernsehern etwa wird Strom vor allem über reduzierte Bildschirmhelligkeit, geringere Kontraste und deaktivierte Bildoptimierungen eingespart. Funktionen wie HDR, die für intensive Farben und hohe Dynamik sorgen, werden heruntergefahren.
Der Effekt ist sichtbar. In hellen Räumen leidet die Bildqualität deutlich, in dunkler Umgebung weniger. Energieeffizienz erkauft sich hier spürbar durch Komforteinbussen. Ein Gegensatz zu Wasch- und Spülprogrammen, bei denen das Ergebnis meist gleichwertig bleibt.
Was sich finanziell tatsächlich rechnet
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Bei einem Strompreis von rund 28 Rappen pro Kilowattstunde kostet ein Standard-Spülgang etwa 30 Rappen. Im Eco-Programm sinken die Kosten auf rund die Hälfte. Bei gleichzeitig geringerem Wasserverbrauch. Ähnlich das Bild bei der Waschmaschine. Ein Standardwaschgang schlägt mit etwa 19 Rappen zu Buche, der Eco-Waschgang mit rund 10 Rappen.
Die Beträge wirken gering, summieren sich jedoch über das Jahr. In Mehrpersonenhaushalten oder bei häufiger Nutzung entsteht ein messbarer Unterschied auf der Stromrechnung.
So effizient die Physik des Eco-Modus ist, so wichtig ist allerdings auch der Blick auf die Gerätelanglebigkeit. Servicetechniker warnen immer wieder, dass die massiv längeren Laufzeiten mechanische Bauteile wie Lager, Dichtungen und Pumpen stärker belasten. Wer ausschliesslich im Eco-Modus wäscht, riskiert zudem die Bildung von Biofilmen (Keimablagerungen), da die niedrigen Temperaturen Fette und Bakterien nicht vollständig lösen.