Weiteres Unruhe-Potenzial US-Cyberkommando stellt Operationen gegen Russland ein – eine Gefahr für Europa?

Martin Abgottspon

3.3.2025

Haben russische Hacker in Zukunft einfacheres Spiel?
Haben russische Hacker in Zukunft einfacheres Spiel?
Dall-E @blue News

Der neue US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat das Cyber Command angewiesen, sämtliche Operationen gegen Russland einzustellen. Dieser Entscheid wirft nicht nur sicherheitspolitische Fragen für die USA auf, sondern auch für Europa.

Martin Abgottspon

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Trump-Regierung hat das US Cyber Command angewiesen, alle digitalen Angriffe und Verteidigungsmassnahmen gegen Russland einzustellen.
  • Ohne die Unterstützung der USA sind europäische Staaten und vor allem die Ukraine verstärkt russischen Cyberangriffen ausgesetzt.
  • Während Russland nicht mehr als Bedrohung betrachtet wird, verlagert die US-Regierung den Fokus auf den Kampf gegen mexikanische Drogenkartelle.

Seit Jahren ist das US Cyber Command ein zentraler Akteur im digitalen Wettrüsten. Es führt sowohl defensive als auch offensive Cyberoperationen durch, insbesondere gegen Russland. Diese Massnahmen umfassten zuletzt Angriffe auf russische Infrastrukturen sowie präventive digitale Abwehrstrategien.

Nun hat der neue US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Befehl erteilt, alle Aktivitäten mit Bezug zu Russland einzufrieren – auf unbestimmte Zeit. Dies berichtet das US-Portal The Record.

Die Anordnung betrifft explizit das militärische Cyberkommando, nicht aber die National Security Agency (NSA), die weiterhin nachrichtendienstliche Operationen gegen Russland durchführen darf. Dennoch stellt dieser Schritt eine signifikante Kehrtwende dar und signalisiert eine geopolitische Neuausrichtung der USA unter Donald Trump, wie es auch schon einige andere Entscheide deutlich machten.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth richtet den Fokus auf den Kampf gegen Kartelle im Nachbarland.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth richtet den Fokus auf den Kampf gegen Kartelle im Nachbarland.
Imago

Europa gerät ins digitale Kreuzfeuer

Die Auswirkungen dieses Kurswechsels sind immens. Europäische Staaten, insbesondere jene an der Ostflanke der NATO, verlassen sich stark auf die digitalen Kapazitäten der USA im Bereich der Cybersicherheit. Gerade die Ukraine könnte sich nun in einer äusserst prekären Lage wiederfinden, was der US-Regierung nach dem jüngsten Treffen zwischen Donald Trump und Wolodimir Selenski wohl aber auch egal sein dürfte oder sogar bewusst angestrebt wird.

Russische Hackergruppen, die teils in staatlichem Auftrag agieren, haben in den vergangenen Jahren gezielt europäische Behörden, Banken und kritische Infrastrukturen angegriffen. Ohne die digitale Schutzmacht der USA könnten diese Angriffe nun an Intensität gewinnen. Neben der Ukraine dürften vor allem NATO-Mitglieder wie Polen, Deutschland oder Grossbritannien ins Visier geraten, da sich diese schon seit Jahren in einem andauernden Cyberkonflikt mit Moskau befinden.

Die Entscheidung der US-Regierung wirft natürlich auch die Frage auf, ob Trump Russland nicht mehr als Bedrohung betrachtet. Offizielle Vertreter seiner Administration äusserten zuletzt verstärkt Besorgnis über Cyberangriffe aus China und dem Iran, während Russland auffällig unerwähnt blieb. Die neue Priorisierung könnte damit als Signal an den Kreml gewertet werden, dass die USA bereit sind, die Beziehungen zu normalisieren – auf Kosten der Cybersicherheit Europas.

Kampf gegen Kartelle als Vorwand?

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt von Hegseths Anweisung ist die Umorientierung des Cyber Command. So soll die Einheit sich neu verstärkt auf den Kampf gegen mexikanische Drogenkartelle konzentrieren. Acht dieser Kartelle wurden von der US-Regierung als terroristische Organisationen eingestuft, was den Weg für militärische Operationen ebnet. Ob diese Neuausrichtung den geopolitischen Realitäten angemessen ist, ist eine andere Frage.

Europäische Sicherheitsexperten warnen vor den Folgen dieser Entscheidung. Während die USA ihren digitalen Schutzschirm über Europa zurückziehen, könnte Russland die entstandene Lücke nutzen, um seine Cyberoffensiven auszuweiten. Ob sich Europa eigenständig gegen die zunehmenden Bedrohungen aus Russland verteidigen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Abkehr der USA von ihrer bisherigen Cybersicherheitsstrategie eine neue Realität schafft – eine, in der Europa zunehmend auf sich allein gestellt ist.